T-Shirts selbst gestalten!Interesse? Klicken Sie hier!

Stadtteil Geislautern • die Wiege der Schwerindustrie


Kath. Kinderheim


1966 (Bild: Stadt VK)


Geislautern, einer der ältesten Stadtteile Völklingens, entstand am Zusammenfluss von Lauterbach und Rossel. Die vorhandenen Talböden konnten als Wiesen- und Ackerland, die Bäche zur Fischerei genutzt werden. Der reiche Waldbestand des Warndts bot sich zur Forstwirtschaft an. die Vorkommen von Kohle und Erz ließen hier die ersten Bergbau- und Eisenindustrien um das Gebiet der heutigen Mittelstadt Völklingen entstehen, die dem Ort neben der Landwirtschaft bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts sein Gepräge gaben.
In Seiner ältesten Form erscheint der Ort als "Luttern". Zur Unterscheidung von anderen "Lauter-Orten", wie (Frau)lautern oder (Kaisers)lautern wurde die Silbe "Geiß" in der Bedeutung "Bach", "fließendes Wasser", dem Namen vorangestellt.

1280:
Ersterwähnung von Geislautern in einem Kaufvertrag.

1296:
Der Name des Ortes erscheint erstmals in seiner heutigen Form, als Einkünfte des Ritters Heinrich von Thedingen in "Geislutra" in einer Urkunde erwähnt werden.

1450:
Das Jahrgeding des Völklinger Hofes erwähnt Geislautern als Sitz der Förster des Warndtwaldes.

1518:
Das Jahrgeding von Völklingen erwähnt, dass Geislautern und Wehrden. im Verlauf einer Fehde niedergebrannt wurden.

1522:
Pfarrer Jakob von Lisdorf versprach schriftlich in der Kapelle zu Geislautern wöchentlich eine Messe und alle vier Wochen eine "Hubermesse" (Huber = Waldbauer) zu lesen.
Die Kapelle stand an der Stelle der alten Schule (bis vor einigen Jahren Volksbank Geschäftsstelle).

1524:
Geislautern zählte 8 bewohnte und 3 leerstehende Häuser, d.h. es lebten 8 Familien im Ort.

1542:
Bei der "Türkenschatzung" wurden in Geislautern 14 Steuerzahler gezählt.

1572:
Graf Johann von Nassau-Saarbrücken erlaubte den Pächtern Stuß und Arnet in Geislautern nach Erzen und Kohlen zu graben und eine Eisenhütte zu bauen. In den folgenden Jahren wurden mit neuen Pächtern Verträge geschlossen, bis die Wirren des Dreißigjährigen Krieges die Stillegung der Hütte erzwangen. Als Feuerungsmaterial wurde zu dieser Zeit noch ausschließlich Holzkohle benutzt; die Erzeugnisse der Hütte waren Öfen, Ofenplatten, Töpfe und Schmiedeeisen.

1609:
die alte Kapelle wurde noch einmal restauriert bevor sie im dreißigjährigen Krieg verfiel.

1618-1648:
Geislautern wurde im Dreißigjährigen Krieg - wie die übrigen Dörfer des Völklinger Hofes - fast völlig zerstört und entvölkert.

1680:
Beginn der Wiederbesiedlung Geislauterns. Der Saarbrücker Graf ließ hier eine herrschaftliche Schäferei und Schweizerei errichten.

1730:
Geislautern zählte 12 Haushalte, der Bann umfasste 1679 Morgen. Die Herde der Schäferei zählte 300 Schafe.
Zwei Steinkohlengruben waren in betrieb. Die vier Besitzer mussten eine gewisse Abgaben an die herrschaftliche Rentkammer in Saarbrücken entrichten.

1733:
Die Geislauterner Eisenhütte war wieder in betrieb, wie die ersten erhaltenen Ofenplatten aus diesem Jahr beweisen. Schon 3 Jahre zuvor hatte Gräfin C.A. von Nassau-Usingen angekündigt an der Rossel ein neues Hammerwerk erbauen zu lassen. Das Werk bestand damals aus "1doppeltem Ofen" mit 2 Paar Wasserrädern getriebenen Blasebälgen, ferner einem großen Hammer mit drei Feuern, einem Rennfeuer und einem kleinen Hammer.

1735:
Verkaufte die Hütte 3.052 Zentner Barreneisen für 13.288 Gulden nach Metz.

1739:
Besuchten die lutherischen Kinder eine Schule in Fürstenhausen.

1751:
Die Grube Geislautern wurde verstaatlicht.

1756:
wurden ein zweiter Hochofen und ein Hammerwerk errichtet.
Amtmann Lex: Zur Meierei Völklingen gehörten die Dörfer Fürstenhausen, Wehrden, Knausholz und Geislautern.
Geislautern zählte 13 Bauernhäuser und 20 Wohnhäuser, in denen die zum Eisenwerk gehörenden Arbeiter und sonstige Personen wohnten.
die 13 Untertanen sowie ein Hintersasse waren fronbare Gemeinsmänner, von ihnen waren zwei lutherisch, alle übrigen katholisch. Auf dem Eisenwerk wohnten Juden, auch lutherische, reformierte und katholische Arbeiter, die ebenso wie die Hirten frei von herrschaftlichen Abgaben waren.

1773:
Sieben Bergleute förderten in zwei Stollen Steinkohle. Diese Stollen lagen in der Gegend des heutigen Friedhofes und in Richtung Kloppwald.
1779 lag die Fordermenge bei 950,5 t Kohlen
1785 lag die Fördermenge bei 1.030,5 t
1790 lag die Fördermenge bei 1.710 t

1797:
Die französische Regierung, deren Truppen seit 1793 die Grafschaft Saarbrücken besetzt hielten, erklärte die Grube und die Eisenhütte Geislauten zu Staatsdomänen.

1804:
Geislautern zählte 328 Einwohner.

1807:
Die auf Anordnung Napolenos eingerichtete Berg- und Hüttenschule Geislautern übernahm die Grube und die Hütte.
Der Bau der Schulanlage, in Geislautern später als "Schloss" bekannt, blieb bis 1815, als die Preußen Frankreich in der Herrschaft an der Saar ablösten, unvollendet; 1945 wurde das "Schloss" vermutlich durch Brandstiftung zerstört.

1815:
Aus einem "Bereisungsprotokoll": "Das Eisenwerk ist das einzige herrschaftliche Werk dieser Art in Saarbrücken. Es besteht aus zwei unter einem Dach nebeneinander gebauten Hochöfen, wovon jedoch seit lagen Jarhen nur einer in betrieb war. ferner aus drei Hammerfeuern und einem Kleinhammer. Sodann ist noch ein Blechhammer vorhanden, welcher ebenfalls seit mehreren Jahren nicht mehr betrieben worden ist.
Die Grube liegt gleich neben dem Hüttenwerk, zu dem sie gehört und baut auf drei verschiedenen Flözen von 2, 3 und 5 fuß Mächtigkeit... Das Werk ist mit 39 Mann belegt, welche jährlich 2.500 Fuder Kohlen fördern."

1819 - 1822:
Fahrversuche mit dem sog. "Geislauterner Dampfwagen"durch den Geislautern beinahe berühmt geworden wäre. Diese zweite deutsche Lokomotive war für den Einsatz auf dem "Friederiken-Schienenweg" im Frommersbachtal bestimmt, der zu der Kohleverladestelle Luisenthal führte. Da der Dampfwagen aber in Berlin konstruiert und dann in Einzelteilen an die Saar verschifft wurde, konnte er in Geislautern nicht korrekt zusammengebaut werden; es fehlte an Fachleuten und der entsprechenden Technik. Leider war der Dampfwagen dadurch nicht funktionstüchtig und wurde 1835 in seine Einzelteile zerlegt, die im freien Verkauf nur die lächerliche Summe von 335 Talern einbrachten. Die ursprünglichen Kosten lagen bei 5.132 Talern! Erst 1835 wurde dann der "Adler" in Fürth als erste Lokomotive in deutschen Landen gefeiert.

Dampfwagen


Dampfwagen

1822:
Geislautern zählte 480 Einwohner.

1827:
Die Gebrüder Stumm kauften dem preußischen Staat das "Musterwerk" für 40.000 Taler ab, überließen es aber 1 Jahr später zum selben Preis der Dillinger Hütte.

1830:
Zeitgenössischer Bericht: "Geislautern, ein Dorf am Rosselbach mit 1 Mühle, 60 Feuerstellen, Steinkohlengruben und einem vormals königlichen Eisenwerk."

1833:
Die Grube Geislautern ging zum Schachtbau über. Der erste Förderschacht wurde am Rotweg abgeteuft und erreichte 1838 die erste Tiefbausohle. Die Zahl der Bergleute stieg in den kommenden Jahren stetig an.

1839:
Bau eines katholischen Schulhauses am "Spitzen Eck". Für die evangelischen Schulkinder wurde in der Ludweilerstraße von den Gemeinden Wehrden und Geislautern ein gemeinsames Schulhaus errichtet.

1840:
In Geislautern wurde der erste Kokshochofen im Saarland angeblasen. eingesetzt wurde Steinkohle aus der Grube Geislautern.

1864:
Auf der Grube Geislautern, die seit 1847 über eine unterirdische Dampfmaschine zur Kohleforderung und Wasserhaltung verfügte, ereignete sich eine Dampfkesselexplosion.

1870:
Im Verlauf des Deutsch-Französischen Krieges kam es am Rotweg zu einem heftigen Kampf zwischen Preußen und Franzosen.

1874:
Der Geislauterner Kokshochofen wurde stillgelegt. Das Puddeln und Frischen wurde noch einige Jahre fortgesetzt.

1875:
Anlage eines eigenen Friedhofes in Geislautern. Die Toten wurden bis dahin in Völklingen beerdigt.

1884:
Die Geislauterner Eisenhütte, ein Zweigwerk der Dillinger Hütte, wurde stillgelegt. Gebäude und Ländereien an die Gebrüder Hanau verkauft.

Wald


Kloppwald 1880-1920

1891:
Familie Abel und Schäfer erwarben die alte Eisenhütte und errichteten eine Getreidemühle.

1894:
Geislautern erhielt ein eigenes evangelisches Schulhaus.

1899:
Baubeginn des Rosselschachtes, der späteren Grube Velsen.

Schlossbrauerei 1903


Blick zur Schlossbrauerei ca. 1903

1905:
Der Dasbach-Verein gründete in Geislautern die Hansena-Brauerei.

1906/1907:
Bau der katholischen Pfarrkirche "Maria Himmelfahrt".

Kath.Kirche


Katholischen Pfarrkirche "Maria Himmelfahrt". (Bild: A.Hell; 2002)

Bau des Bahnhofs Geislautern in Zusammenhang mit dem Bau der Bahnlinie Saarbrücken-Großrosseln.

1908:
2.074 Einwohner, davon 1.688 Katholiken und 356 Protestanten.
Die Grube Geislautern wurde stillgelegt. Im letzten Jahr ihres Bestehens förderten 329 Bergleute noch 65.585 Tonnen Kohle.

Geislautern1908


Blick auf Geislautern in dieser Zeit

1909:
Am 3. September wurde die Straßenbahnlinie Völklingen - Wehrden - Geislautern- Großrosseln bzw. Ludweiler in betrieb genommen.

1919:
Geislautern wurde eigenständige Pfarrei.

1921:
Die Hansena-Brauerei wurde von der Neunkircher Schloss-Brauerei übernommen und als "Schloss-Brauerei-Geislautern" weitergeführt.

1926:
Die Französische Grubenverwaltung verlegte die Inspektion XII in die ehemaligen Tagesanlagen der Grube Geislautern am Rotweg.

1928:
Geislautern zählte 3.312 Einwohner, davon 2.642 Katholiken, 642 Protestanten, 12 Anhänger sonstiger Bekenntnisse und 16 Personen ohne Bekenntnis.

Geislautern


Geislautern ca. 1936

1934:
Eröffnung des Freibades "Ebersbachtal".

1937:
Am 1. April wurden der Amtsbürgermeisterei Völklingen die Stadtrechte verliehen. Die bis dahin selbständige Gemeinde Geislautern verlor ihre Eigenständigkeit und wurde der neuen Stadt als Stadtteil eingegliedert.

1944/45:
die "Schloss-Brauerei-Geislautern" stellte wegen starker Kriegseinwirkungen den Betrieb ein.

1961:
Geislautern zählte 4.195 Bewohner.

1964:
Der Pfarrbezirk Wehrden/Geislautern wird innerhalb der "Evangelischen Auferstehungsgemeinde Völklingen" gegründet.

1976:
Der Bahnverkehr Saarbrücken-Großrosseln wird eingestellt, der Bahnhof Geislautern geschlossen.



(Bild: Stadt Völklingen)

ev. Kirche


Die ev. Kirche von Geislautern und Wehrden; klein eigenblendet: der Turm. (A.Hell)

1987:
Schließung des Schwimmbades

1990:
3.622 Einwohner, davon 2.516 Katholiken, 756 Protestanten und 346 Anhänger anderer Bekenntnisse. 188 ausländische Mitbürger lebten in Geislautern.
Noch Heute erinnern Flurnamen wie "Hammergarten", "Schellenburg" und "Schlosspark" an die Zeit der ehemals blühenden Geislauterner Eisenindustrie.

1998:
Geislauterns Bürger demonstrieren gegen die Verkehrsbelastung in der Ludweilerstraße.



Grundschule Geislautern (Bild: Stadt Völklingen)


Luftbild

2002 (Bild: Andreas Hell; Rundflug beim Sportfestival 2002)

Orts-Kreuz

Gedenkstatue





Interessante Links zum Thema
URL
Inhaltsbeschreibung
http://www.geislautern.de Webseite über Geislautern
http://www.warndt.eu Webseite des Stadtverband Saarbrücken über den Warndtwald
http://www.rosseltal.de Webseite über das Rosseltal (im Warndt)
http://www.warndt.de/heimat/ Webseite des Heimatkundlichen Verein Warndt e.V. (HVW)




top^
©1999-2010 A.H.Webdesign | Andreas HellImpressumWerbungÜber uns • Email: info@vk-wandel.de
Home