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Die Stolpersteine in Völklingen

Ein Aktionsbündnis namens „Stolpersteine Völklingen“ hat im Juli 2012 in zusammenarbeit mit der Stadt Völklingen nach umfangreicher Vorarbeit und dank vieler Spenden aus der Bevölkerung die ersten 7 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Hierzu war selbstverständlich der Kölner Künstler Gunter Demnig, auf den diese Aktion zurück geht und der jeden Stein selbst anfertigt, anwesend und führte die Verlegung wie bei jedem der bisher verlegten Stolpersteine selbst durch.

Der erste Stein wurde in der Saarstr. 33 in Wehrden verlegt, wo Fredi Wiedersporn zuletzt gewohnt hat, bevor er mit 17 Jahren im Tötungstrakt der Anstalt Sonnenstein vergast wurde.

Johann Friedrich Wiedersporn wurde am 9. März 1924 geboren Er war ein fröhlicher, lieber Junge, aber langsamer als seine Alterskameraden, geistig ein wenig zurückgeblieben. Hier im Stadtteil Wehrden spielte er mit den Nachbarskindern bis die Schulbehörde den Unterricht in einer Anstaltsschule beantragte. So wurde er zuerst in eine Einrichtung in Assmannshausen, später in die Heilerziehungs- und Pflegeanstalt Scheuern bei Nassau an der Lahn eingeliefert. Nach einem Ferienaufenthalt zuhause wollten die Eltern Fredi daheim behalten und er fand sogar eine Arbeitsstelle bei einer Wehrdener Firma. Vielleicht ahnten die Eltern, dass das Leben ihres Sohnes in Gefahr war.
Doch mit Kriegsbeginn hatte das Töten nicht nur an der Front begonnen. Auf Hitlers Anordnung lief im September 1939 die berüchtigte Aktion „T 4“ an, welche den Tod für zigtausende kranke und behinderte Menschen bedeutete.So auch für Fredi. Er wurde 1941 von Scheuern nach Pirna bei Dresden verlegt, einer Anstalt in der in jenen Jahren systematisch getötet wurde. Fredi wurde dort am 03. April 1941 mit Kohlenmonoxyd ermordet. Ergänzendes Schreiben des Aktionsbündnisses Stolpersteine

Stolperstein zum Gedenken an Fredi Wiedersporn. © Andreas Hell
Stolperstein zum Gedenken an Fredi Wiedersporn. © Andreas Hell

Anschließend wurde ein Stolperstein in der Völklinger Straße 60 (Ludweiler) in Erinnerung an Wilhelm Bermann verlegt. Er betrieb an dieser Stelle eine Schneiderei. Er und seine Frau wurden in der Reichspogromnacht überfallen, in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau gebracht. 1939 flüchteten sie nach Holland, von wo aus sie über das Lager Westerbork nach Sobibor verschleppt wurden. Wilhelm Bermann und seine Frau wurden dort am 2.7.1943 ermordet. Der Stolperstein für Berta Bermann-Keller wird vorraussichtlich im März 2013 verlegt werden.

Stolperstein zum Gedenken an Wilhelm Bermann. © Andreas Hell
Stolperstein zum Gedenken an Wilhelm Bermann. © Andreas Hell

Gegenüber, in der Völklinger Straße 61, lebte bis zu seiner Flucht im Jahre 1936 sein Bruder Samuel Bermann mit seiner Familie. Samuel Bermann führte ein Geschäft für Textilien, Arbeitskleidung und Möbel. Er, seine Frau und seine Kinder waren fester Bestandteil der Ludweiler Dorfgemeinschaft, in den dortigen Vereinen aktiv und angesehen. Nach der Saarabstimmung im Jahre 1935 bekamen jedoch auch sie die Hetze gegen die Juden zu spüren. Samuel Bermann verkaufte sein Haus und sein Geschäft und flüchtete mit seiner Familie nach Holland. 1943 wurden er und seine Frau Gertrude vom Lager Westerbork aus nach Auschwitz deportiert. Sie wurden am 5.2.1943 ermordet. Sohn Julius wurde am 30.9.42 in Auschwitz ermordet, sein Bruder Kurt Salomon am 19.8.42 ebenfalls in Auschwitz.

Stolperstein zum Gedenken an die Samuel Bermann und seine Familie. © Andreas Hell
Stolperstein zum Gedenken an die Samuel Bermann und seine Familie. © Andreas Hell