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Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Die Chronik des Eisenwerks der Familie Röchling

Das Schicksal Völklingens wird 1881 durch die Übernahme der Gebrüder Röchling gefällt. Schon nach wenigen Jahren wird das Familienunternehmen zum Großindustrie-Zentrum.
Die zwischen Innenstadt und Saar gelegene Hütte bestimmt mit ihrem Arbeitsplatzbedarf, ihrer wirtschaftlichen Sogkraft und der hohen Produktionsausweitung weitgehend die Stadtentwicklung. Mit dem schnellen Aufschwung geht die Zuwanderung der Arbeiter und Angestellten und damit der Aufschwung von Handel und Gewerbe in Völklingen einher. Die Hütte beherrscht Völklingen ein Jahrhundert lang. Nach der Stahlkrise (1975) findet der Höhenflug ein Ende. Völklingen und die Hütte erleben hohe Verluste, unter anderem auch von Arbeitsplätzen, in bisher unbekanntem Maße. Nicht alle Produktionsstrecken sind heute Weltkulturerbe. Die Saarstahl AG produziert nach einem überstandenen Konkursverfahren bis heute qualitativ hochwertige Stähle und Schmiedeerzeugnisse am Standort Völklingen und bis heute ist der Haushalt der Stadt Völklingen vom Erfolg des Völklinger Stahlproduzenten abhängig.

1585:
Schon in dieser Zeit bestand in Geislautern ein Eisenwerk, das im dreißigjährigen Krieg zerstört worden war und darauf 100 Jahre stillgelegen hatte, dann aber von neuem in Betrieb genommen wurde.

1778:
Kommerzienrat Thomas Röchling und sein Bruder, Hofrat Johann Jakob Röchling, erwerben den „Fenner Hof“ für 5300 Gulden.

1852:
Die Bahnstrecke Ludwigshafen – Saarbrücken – Diedenhofen(Thionville) wurde eröffnet.

1856:
Die Burbacher Hütte war neu entstanden.

1860:
Die Bahnstrecke Saarbrücken – Völklingen – Trier ging in Betrieb.

1873:
Der rheinische Hütteningenieur J. Buch errichtet in der Völklinger Gemarkung „Jungfernbrühl“ ein Eisenwerk mit 10 Puddel- und 3 Schweißöfen. (I. S.468)

Die Kohlentransportseilbahn zwischen der Grube Hostenbach und der Völklinger Hütte in 1870er Jahren. (Quelle: Saarstahl AG)
Die Kohlentransportseilbahn zwischen der Grube Hostenbach und der Völklinger Hütte in 1870er Jahren. (Quelle: Saarstahl AG)

1878:
Aus einem Lageplan dieses Jahres ist zu ersehen, dass zu diesem Zeitpunkt das Werk aus 10 Puddelöfen, 6 Schweißöfen, 2 Dampfhämmer und 3 Walzstraßen bestand. Obermeister im Werk war Ludwig Schröder, der vom Geislauterner Eisenwerk gekommen und später Gemeindevorsteher von Geislautern war.

1879:
23. April: Das Eisenwerk geht für 635.000 Mark an ein Konsortium über, das sich damit abgefunden hatte, den Betrieb zumindest teilweise einzustellen.
3. Mai: Die noch verbliebenen 300 Arbeiter wurden entlassen.
Juli: Das Werk wurde entgültig stillgelegt. Direktor Seebohm wechselte zur Burbacher Hütte.
Beim Hoerder Bergwerksverein wird die erste Thomas-Charge erfolgreich erbblasen.
Carl Röchling erwirbt das Thomas-Patent.(I. S.468)
Die Saar war nun von Saarbrücken bis Ensdorf kanalisiert.

1881:
Am 27. Juni 1881 wird die Völklinger Eisenhütte versteigert und geht für 200.000,- Mark an die Gebrüder Franz und Emil Haldy. Am 7. August erwirbt Karl Röchling die stillgelegte Eisenhütte für 270.000,- Mark das Völklinger Werk und gründet mit den Brüdern Theodor und Fritz eine OHG. Die Firma hieß: „Völklinger Eisenwerk Gebrüder Röchling“.

Brief von Carl Röchling an seinen Bruder Theodor, er handelt um den Kauf der Hütte. (Quelle: Saarstahl AG)
Brief von Carl Röchling an seinen Bruder Theodor, er handelt um den Kauf der Hütte. (Quelle: Saarstahl AG)

1882:
2. Juli: Grundsteinlegung zum 1. Hochofen.
Gründung der Betriebskrankenkasse Röchling.
1. Bauabschnitt zu Arbeiterwohnungen in Wehrden. (I. S.468)
Auch Fürstenhausen und Wehrden erlebten einen Aufschwung.
Realisierung einer eigenen Roheisenversorgung durch den Erwerb von Minette-Erzfeldern im annektierten Lothringen.

1883:
1. Hochofen der Völklinger Hütte und die Gasgebläsehalle werden in Betrieb genommen.
Die Puddel und Schweißöfen werden stillgelegt.
Bau der Walzenstraßen 5 und 6 mit 7 Arbeitsgerüsten. Die Walzenstraßen 5 und 6 (I. S.469) werden Ostern 1884 in Betrieb genommen.

1885:
Ein zweiter Hochofen wird am 3. Oktober in Betrieb genommen. Die St. Johanner Zeitung berichtet, dass es sich dabei um den größten Hochofen der Welt handelte.
Karl Röchling wird zum Kommerzienrat ernannt.
Eine Pensionskasse für Arbeiter wird ins Leben gerufen. (I. S.469)

(Quelle: Saarstahl AG)
(Quelle: Saarstahl AG)

1888:
Am 24. Februar wird der 3. Hochofen in Betrieb genommen. (I. S.469)

1889:
Die Saarkanalisierung wird fertiggestellt.
Plan zum Bau eines Thomas-Stahlwerkes. (I. S.469)

1890:
Die Völklinger Hütte ist mit einer Jahreserzeugung von 70.164 t Träger und 14.502 t Schweißeisen das größte Trägerwalzwerk Deutschlands.
Eine Nähschule wird eingerichtet. (I. S.469)

Die Völklinger Hütte 1890 (Quelle: Saarstahl AG)
Die Völklinger Hütte 1890 (Quelle: Saarstahl AG)

1891:
Am 27. Februar wird der vierte Hochofen in Betrieb genommen. Mit ihm kam die dritte Gebläsemaschine in Betrieb. Am 25. Mai wird das Thomasstahlwerk mit 3 Konvertern in Betrieb genommen.

1893:
Ein fünfter Hochofen wird am 19. Dezember in Betrieb genommen.

1894:
Eine Pensionskasse für Angestellte wird gegründet. (I. S.469)
Für „schwächliche Kinder“ wird eine „Hüttensommerfrische“ angeboten:

Hüttensommerfrische 1896 (Quelle: Saarstahl AG)
Hüttensommerfrische 1896 (Quelle: Saarstahl AG)

1897:
Bau der Koksanlage Völklingen mit 104 Koksöfen, Steigerung auf 152 Öfen.
Errichtung einer Beamtenpensionskasse
Die Firma wird „Röchling’sche Eisen- und Stahlwerke GmbH“ benannt. (I. S.469)

1898:
Hermann Röchling übernahm von seinem Vater Carl die Völklinger Hütte.
Die Kokerei in Völklingen wurde gegründet.
Beginn des Baus des Hüttenkrankenhauses.
Ein Alters- und Siechenheim „Richard Stift“ wird gebaut. (I. S.469)

"Richardstift". Bild ca. 1910 ( Quelle:"Völklingen vormals").
„Richardstift“. Bild ca. 1910 ( Quelle:“Völklingen vormals“).

Eine Invalidenwerkstatt und eine Verbandstation wird eingerichtet.

Invalidenwerkstatt (Sammlung Heimatkundlicher Verein Warndt)
Invalidenwerkstatt (Sammlung Heimatkundlicher Verein Warndt)

 

Behindertenwerkstatt (Quelle: Saarstahl AG)
Behindertenwerkstatt (Quelle: Saarstahl AG)

1899:
17.8.1899: Das Hüttenkrankenhaus war fertig:
Das medizinische Personal wohnte ständig im Ober- und Dachgeschoss. Die medizinische Leitung hatte ein Kassenarzt, die Pflege wurde von Diakonissinnen des Diakonievereins Berlin-Zehlendorf übernommen.

Altes Hüttenkrankenhaus (Foto: Sammlung des Heimatkundlichen Vereins Warndt)
Altes Hüttenkrankenhaus (Foto: Sammlung des Heimatkundlichen Vereins Warndt)