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Es war einmal ein Völklinger Kaufhaus – Teil 4 : Das Hausgespenst

#Völklingen. Anlässlich des lang ersehnten Abrisses des Völklinger Kaufhof-Gebäudes und seiner Umgebung haben wir eine Reihe gestartet. Begleitet durch Fotos von Dieter Schumann, der Ende 2016 noch einmal in die Ruine schauen durfte, lassen wir Zeitzeugen ihre Kaufhof-Geschichte(n) erzählen. Heute Irene, die sich an Ihre Ausbildung in der Dekorationsabteilung des Kaufhofs Völklingen erinnert.

Irene über „Das Hausgespenst“

In den 80er Jahren fing ich als Lehrmädchen in der Dekorationsabteilung vom Kaufhof Völklingen an. Über der, wohl den meisten Leuten bekannten „Drehtür“ befand sich noch ein altes Haus; man hatte beim Bau scheinbar einfach die „Altsubstanz“ mit einbezogen. Dort lebte Anfangs noch eine Frau Blandin, die frühere Besitzerin des Anwesens in den obersten beiden Stockwerken. Dass diese inzwischen gestorben war wußte ich.


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Im Erdgeschoss war zu meiner Lehrzeit die Schallplatten- und Elektroabteilung. Zu den oberen Räumlichkeiten kam man nur außen herum, durch die alte Haustür, die sich neben der Drehtür befand. (Dort stand oft ein Brezelmann). Die Wohnung von Frau Blandin wurde inzwischen als Lager für die Dekorationsabteilung (ab jetzt kurz „Deko“ genannt) benutzt; unter anderem für die Weihnachtsdekoration die man ja naturgemäß nur einmal im Jahr braucht.

Das "Haus Blandin" wurde bereits bei der ersten Abrissphase dem Erdboden gleich gemacht (Foto: D. Strempel)
Das „Haus Blandin“ wurde bereits bei der ersten Abrissphase dem Erdboden gleich gemacht (Foto: D. Strempel)

Das erste, was die lieben Kollegen mir erzählten war, dass in diesm Haus die Frau Blandin spukt. Der Hausmeister hatte die Dame irgendwann einmal Tod in ihrer Badewanne liegend gefunden und seitdem gab es etliche „unheimliche“ Vorfälle. Einen davon erlebte ich sofort mit, als der Kollege dreimal betont langsam an die alte Wohnungstür klopfte, welche an den Friseursalon grenzte, was von dort mit erschrecktem Aufkreischen belohnt wurde. Keiner der Kollegen ging alleine in dieses Haus, was aber niemanden davon abhielt mich, zwecks eigener Zigarettenpause, dort alleine weiterarbeiten zu lassen.
Nun muss man dazusagen, dass so ein Dekolager an und für sich schon ein ziemlich unheimlicher Ort sein kann wo irgendwelche mit Bettlaken abgedeckte Schaufensterpuppen, verschiedene Ersatzköpfe, Arme, Hände, Beine, Perücken und so weiter ihr Dasein fristen… von meinen lieben Kollegen in der teils noch eingerichteten Wohnung mehr oder weniger liebevoll, bzw. eher fantasievoll „arrangiert“. Ich hatte allerdings keinerlei Angst vor der „Frau Blandine“ (wie sie inzwischen genannt wurde), da Frau Blandin eine Freundin meiner Oma war. Eine nette Dame. Was sollte sie plötzlich gegen mich haben? Aber das wußten die Kollegen ja nicht. Sie wunderten sich nur, dass es mich nicht sehr aus der Ruhe brachte in dem Haus alleine gelassen zu werden und gaben mir dann, wohl quasi als „Verschärfung“ einen „Tageseinsatz“ alleine in dem Haus… -nicht ohne die nette Anmerkung: „Dir macht es ja nichts aus!“

Besagtes Bad war unter der Dachschräge. Dort stand noch eine Originalbadewanne mit Löwenfüßen. Zur damaligen Weihnachtsdeko gehörten bewegliche „Flugmaschinen“. Diese Modelle wurden dort gelagert. Eine meiner ersten Aufgaben war es die Dinger, von denen ich immer nur eines die Treppen heruntertragen konnte, durch die Haustür und Drehtür mit dem Aufzug in die Hauptdeko zu bringen wo sie dann gesäubert und repariert  wurden. Da ich den netten Humor meiner Kollegen inzwischen kannte wunderte es mich nicht, dass zwischendurch plötzlich eine weibliche Schaufensterpuppe in besagter Badewanne lag; oder eine Perücke auf der Treppe. Ein großer „Dekofelsen“, der mir dann im laufe des Tages die Treppe herunter hinterherpurzelte erschreckte mich schon mehr… Dass ich ständig mit irgendwelchen Streichen der Kollegen rechnen mußte ging mir auf Dauer doch schon sehr an die Nerven. Aber ich wollte nicht zugeben, dass sie es in irgendeiner Art und Weise schafften mir Angst einzujagen und es war ja auch selten etwas dort zu tun.

Eines Nachts, im Frühjahr, hatte es sehr viel geregnet. Es kam die Meldung, dass es im Haus Blandine auf die Deko tropft. Ein Kollege und ich sollten nach dem rechten sehen und das Zeug ins Trockene räumen. Besagter Kollege mußte natürlich zuerst vor der Tür noch „eine Rauchen“ und ich ging voraus. Im ersten Stock angekommen hörte ich ein lautes „scharren“ über mir. Ein Kratzen auf dem Boden in unregelmäßigen Abständen. „Jetzt übertreiben sie es aber echt“ dachte ich und schlich mich die Treppe hoch um zu sehen wer der „Übeltäter“ war.

Es war der Hausmeister und die Putzfrau welche mit einer Blechschippe Wasser in einen Eimer schaufelte. Beruhigt ging ich wieder zu meinen nassen Stoffblumen und mein Kollege, der seine Zigarettenpause nicht mehr länger ausdehnen konnte, tauchte dann auch auf. Plötzlich war da dann wieder dieses Geräusch über uns, dem ich naturgemäß keine Beachtung mehr schenkte. Er aber um so mehr: „Was war das!???“ -Da konnte ich nicht wiederstehen: „Waaaaas?“ „Na das eben! Das Geräusch!“ „Welches Geräusch?“ fragte ich gaaanz unschuldig. „Na daaaas! Da isses wieder! Hörst du das nicht?“ „Nöööö!“ „Das kommt von oben!!!“ er war blass geworden. Ich sagte „wirklich?“ Er: „Meinst du wir müssen nachsehen was das ist?“ fragte er. Das sollten wir wohl, sagte ich. Dann kam der Hammer: Er, der ca 30jährige Mann fragte mich, das 15jähirge Lehrmädchen: „Gehst du vor?“ Jooo, ging ich. Er war dann tatsächlich – ganz mutig – 3 Stufen hinter mir. Wahrscheinlich, dass mich Frau Blanine nicht von hinten anfällt.

Oben angekommen sah er natürlich sofort was los war und ihm hätte eigentlich klar sein müssen, dass ich „das Geräusch“ auch gehört haben mußte. Aber in seiner Anspannung ließ er die Wut Gott sei Dank an Hausmeister und Putzfrau ab und brüllte los: „Seid ihr bescheuert? Wie könnt ihr mich so Erschrecken….?“ Ich verdrückte mich grinsend zu meinen Blumen.

  • Erinnerung: Irene
  • Der Fotograf: Dieter Schumann; im Netz: www.dsfoto54.de

(die Reihe wird fortgesetzt)


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Weitere Teile der Reihe

 

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