AllInk AnzeigeALL-INKL.COMPlatzhalterLitzenburger AnzeigeLitzenburger MalerbetriebPlatzhalter

Kommerzienrat Dr. iur. h.c. Hermann Röchling

1940:
Zwischen Juli 1940 und Juni 1942 wurde Röchling zum „Generalbevollmächtigten für die Eisen- und Stahlindustrie in Lothringen, Meurthe-et-Moselle mit Ausnahme von Longwy“ ernannt. Er steht damit in enger in Rivalität zu Friedrich Flick (sein Flick-Konzern hatte umfangreiche Firmenbeteiligungen, besonders im Rüstungsbereich), der ebenfalls an der lothringischen Stahlindustrie interessiert war. (Quelle: Kim Christian Priemel: Flick. Eine Konzerngeschichte vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik. S. 441.)
Röchling wollte die Werke der Region restlos in deutsches Eigentum überschreiben („germanisieren“), während Hermann Reusch (Vorstandsvorsitzender der Gutehoffnungshütte) dagegen war, weil er dann den späteren Aufbau neuer Stahlwerke an anderer Stelle in Frankreich, in der Normandie, also küstennah, befürchtete. (Quelle: Johannes Bähr, Ralf Banken und Thomas Flemming: Die MAN. Eine deutsche Industriegeschichte. Beck, München 2008, S. 302.)

1941:
Mitglied im Beirat der Deutschen Reichsbank (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1942:
Kommerzienrat Hermann Röchling wurde an seinem 70. Geburtstag zum Ehrenmitglied des VdEH und zum Ehrenbürger der Stadt Völklingen ernannt.(I. S.470)

Röchling umringt von Siedlern einer Werkssiedlung 1942. Quelle: Die Gründerfamilie Röchling
Röchling umringt von Siedlern einer Werkssiedlung 1942. Quelle: Die Gründerfamilie Röchling

Die „Bußer Höhe“ wird erstmals durch NSDSP-Kreisleiter Graf bekanntgegeben nach Hermann Röchling in „Hermann-Röchling-Siedlung“ umbenannt.

„Ich weiß, wie Sie sich, Herr Kommerzienrat, so sehr um das Siedlungsvorhaben bemüht haben und ich weiß auch, daß Sie heute noch, so oft es Ihnen die Zeit erleubt, sich persönlich um den Weiterbau kümmern und immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gerne habe ich daher die Anregung der Allgemeinen Baugenossenschaft 1904 aufgenommen, in Würdigung Ihrer großen Verdienste um das Siedlungswesen, die Siedlung auf der Bußer Höhe Hermann- Röchling-Siedlung zu nennen.“
Dies erklärte der stellvertretende Bürgermeister Völklingens, NSDSP-Kreisleiter Graf, anläßlich der Feier zum 70. Geburtstag Hermann Röchlings in der Wartburg in Saarbrücken.

Irgendwann in der Folge wird diese Umbenennung aber wieder widerrufen.
Ab Juni 1942, wurde Röchling Leiter der Reichsvereinigung Eisen und mit dem Adlerschild des Deutschen Reiches ausgezeichnet. (Quelle: http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt00/0006gesi.htm)

Hermann Röchling an der Seite von Adolf Hitler ; Quelle: Paul Ganster
Hermann Röchling an der Seite von Adolf Hitler Bild-Quelle: Paul Ganster

Röchling steht in einem engen Vertrauensverhältnis zu Adolf Hitler, dies bekundet eine Mittagstafel an der Röchling am 18. Mai 1942 mit Hitler teilnimmt und von Hitler als „renommierter Gast und alter Bekannter aus der Kampfzeit“ und als „eine in ihrer Zurückhaltung und Abgeklärtheit besonders eindrucksvolle Industriellenpersönlichkeit“ vorgestellt wird. (Quelle: Henry Picker: Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941–1942. Stuttgart 1965, S. 353.)
Röchling ist Mitglied im „Rüstungsrat“ (Albert Speer).
Aufhebung des Urteils gegen Hermann Röchling durch Marschall Pétain (Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

1943/1944:
Im als „Russenlager“ bezeichneten Arbeitslager der Völklinger Hütte war die Entbindungs- und Kindereinrichtigung, auch „Ausländerkinder-Pflegestätte“ genannt, untergebracht.

Nach Ermittlungen im Röchling-Prozess starben hier über 30 Kinder.
Nur drei der dort genannten finden sich in den Gräberlisten des Waldfriedhofes, die die Namen von 42 weiteren Kindern enthalten.

Ein Werksarzt sagte aus, während einer Diphtherie-Epidemie im Winter 1943/44 hätten Werkskrankenkasse und Leitender Arzt die Isolierung der kranken Kinder und die Ausgabe von Serum untersagt.

Zeitweise gab es also ein regelrechtes „Kinderlager“. (Quelle: http://hermann-roechling.de/fakten/19431944-kindersterben-unter-den-zwangsarbeitern/)

1944:
Röchling erhält das „Kriegsverdienstkreuz“ und wird „Pionier der Arbeit“.
Hermann Röchlings Sohn Karl-Theodor wurde zusammen mit dem Oberingenieur Koch am 17. Dezember 1944 auf der Völklinger Hütte unter nie aufgeklärten Umständen von unbekannten Tätern ermordet.
(Quelle: http://www.hermann-roechling.de/fakten/lebenslauf-hermann-rochling/)

Von den ca. 70000 im Saarland eingesetzten ausländischen Arbeitskräften entfiel ein Großteil auf die Eisen- und Stahlindustrie, der für die Kriegsproduktion des „Dritten Reiches“ eine besondere Bedeutung zukam. Im Völklinger Werk, dem größten saarländischen Industriebetrieb, nahm die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte während des Krieges ständig zu, bis Mitte 1944 ein Höchststand von knapp 6000 (davon ca. 1300 Kriegsgefangene) bei 14000–15000 Beschäftigten insgesamt erreicht wurde. Seit Ende 1942 betrug der Anteil der Ausländer an der Belegschaft zwischen 35 und 40%. Die größte Gruppe bildeten dabei die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion vor den Franzosen und, mit einigem Abstand, Italienern, Polen und Niederländern. Damit glich der „Ausländereinsatz“ in Völklingen hinsichtlich seiner quantitativen Bedeutung, aber auch im Hinblick auf widrige Arbeits- und teilweise erbärmliche Lebensbedingungen der Ausländer prinzipiell der Situation in den übrigen Saarhütten; einzigartig innerhalb der saarländischen Industrie waren jedoch Schnellgericht und betriebliches Arbeitserziehungslager. (Quelle: http://hermann-roechling.de/fakten/1944-12-ehemaliges-arbeitserziehungslager-etzenhofen/)

Das bei den ausländischen Arbeitern als „KZ“ berüchtigte Lager bestand aus zwei Holz- und zwei Steinbaracken, die die Röchlingwerke von Reichsautobahngesellschaft bzw. Reicharbeitsdienst spätestens Anfang 1943 übernommen hatten. Die durchschnittlich 40 bis 50 Gefangenen hatten tagsüber zwölf Stunden lang in Völklingen besonders schwere und gefährliche Arbeit zu verrichten. Ins Lager zurückgekehrt, mußten sie weitere Arbeiten von ausschließlich schikanösem Charakter ausführen, etwa Betonbrocken hin- und herschleppen. Nächtliches Strafexerzieren und Abspritzen der Insassen mit eiskaltem Wasser trugen wie die völlig unzureichende Ernährung weiter zur vollständigen Erschöpfung der Häftlinge bei. Von Mißhandlungen durch das Wachpersonal (Schlagen mit der Reitpeitsche, Loslassen der Schäferhunde) und Vergewaltigungen weiblicher Gefangener wird ebenso berichtet wie von einzelnen Todesfällen. (Quelle: http://hermann-roechling.de/fakten/1944-12-ehemaliges-arbeitserziehungslager-etzenhofen/)

Nach 1945:
Röchling taucht unter.

1946:
Im November kann Röchling von den US-Truppen als Kriegsverbrecher verhaftet und in Nürnberg in Haft genommen werden.