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Kein Geld für die eigene Geschichte: In Völklingen muss ein Schild reichen

#Völklingen. Sie ist die Keimzelle, die Geburtsurkunde der heutigen Mittelstadt Völklingen: Die ehemalige Martinskirche im Alten Brühl. Ihre Geschichte reicht viele Jahrhunderte in die Vergangenheit, das Patrozinum des heiligen Martin weist auf eine Geschichte bis ins 6. Jahrhundert hin. Völklingen ist eine der ältesten bestehenden Gemeinden an der Saar, doch dieser langen Geschichte gerecht zu werden fehlt das Geld.

Als man 1999 in Saarbrücken die Feierlichkeiten zum 1000. Geburtstag der Landeshauptstadt feierte, verkaufte man in Völklingen 2001 ein Baugrundstück an einen Discounter, das der Stadt Völklingen eine viel längere Geschichte beurkundet. Vergessen war es, dass unter diesem Grundstück mehr als 1000 Jahre Völklinger Geschichte liegt: Die Grundmauern der alten Martinskirche, die in Folge eines Brandes 1922 Jahre später abgetissen wurde, und der sie umgebende, jahrhunderte alte Friedhof: Die Keimzelle Völklingens, die heute direkt neben dem Bahndamm, zwischen einem Stahlwerk und einem Autohaus eingezwengt und verlassen liegt, ist nicht mehr im Besitz der Stadt Völklingen. Was folgt ist im Jahr 2000 ein Bagger, der „überraschend“ auf Meter dicke Grundmauern stößt und Gebeine freilegt. Plötzlich ist das Bewusst sein erwacht: Da war doch etwas, etwas wichtiges! Eine archäologische Untersuchung des Geländes soll den Bauarbeiten vorangehen.


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Der Brand von 1922 auf einem Gemälde. So groß konnten die Flammen allerdings nicht gewesen sein, wie auf diesem Gemälde dargestellt (siehe Fotos weiter unten)
Der Brand von 1922 auf einem Gemälde. So groß konnten die Flammen allerdings nicht gewesen sein, wie auf diesem Gemälde dargestellt.

Bürger machen sich für den Erhalt stark

Während dieser Notgrabungen wird deutlich wie viel Geschichte in diesem Boden steckt, eine gegründete Bürgerinitiative macht sich für den Erhalt stark – votiert für den Geländerückkauf durch die Stadt. Diese Bemühungen bleiben beim Discounter nicht unbemerkt – Kompromisse werden vorgeschlagen, selbst von „gläsernen Böden“ wurde gesprochen. Alle diese Bemühungen stießen dennoch auf wenig Zuspruch, die BI bleibt dabei: Die Stadt soll zurückkaufen! Unterschriften werden gesammelt. Mit rund 2500 Unterschriften bekundete man dem damaligen Oberbürgermeister Netzer (SPD) und dem Stadtrat den Wunsch der Bevölkerung, erfolgreich: Mitte März 2001 votierte der Stadtrat einstimmig für den Rückkauf der Fläche – die Stadt kostet der Rückkauf 1,7 Millionen, sie legte also am Ende 700.000 Euro drauf.

Da die Grundmauern (durch den Baggereinsatz der Notgrabung) zu großen Teilen freigelegt war konnte man mit Hilfe der Leiter der freiwilligen Feuerwehr Völklingen dieses Foto anfertigen
Da die Grundmauern (durch den Baggereinsatz der Notgrabung) zu großen Teilen freigelegt war konnte man mit Hilfe der Leiter der freiwilligen Feuerwehr Völklingen dieses Foto anfertigen

Heute kein Geld für die Geschichte

Völklingen hat in den vielen Jahrhunderten sein Gesicht vielfach gewandelt. Von einem Dorf, wandelte sich die Stadt in den vergangenen beiden Jahrhunderten zur Industriemetropole – diese Geschichte wird mit dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte, und den heutigen Ausmaßen unserer Mittelstadt deutlich: Millionen fließen durch den Bund und die EU in den Erhalt des UNESCO Welterbes, doch die Keimzelle unserer Stadt schaut in die Röhre: Während der Ausgrabungsarbeiten gab es zwar noch Planungen für einen Prachtbau, der neben Teilen der Ausgrabungsstätte auch Ausstellungsraum bieten sollte. Vor sechs Jahren folgte ein weniger beeindruckender Plan: Die Grabungsfläche sollte zwar weiter verfüllt bleiben (Erde ist der beste Konservator!), doch Aufmauerungen und eine Aussichtsplattform sollten in eine gepflegte Parkanlage integriert werden. Doch acuh dieser, rund 420.000 Euro teure Plan bleibt bis heute nicht finanzierbar. Förderprogramme boten keine Finanzierung für das Projekt, die Förderquote liegt nur noch bei 35% – bei der aktuellen Haushaltslage der Stadt Völklingen sind diese rund 250.000 Euro nicht zu finanzieren, Folge: Es gibt im aktuellen Haushaltsplan einfach keine Mittel für den Alten Brühl.

Ein Schild muss für die über 1000 jährige Geschichte reichen

Aus den Reihen der Linken kam bei einer Stadtratsversammlung nun der Vorschlag des ehemaligen BI-Kämpfers Paul Gansters, der zumindest eine Hinweistafel mit Erläuterungen vorsieht. Auch für die Fliegburg am Heidtsock wäre dies ein umsetzbarer Vorschlag. Der Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU) hat diesen Vorschlag als vernünftig angenommen und ist zuversichtlich das Geld dafür „irgendwo“ nich auftreiben zu können.
Doch ob dies einer über 1000 Jahre alten Geschichte gerecht wird? Das muss jeder für sich entscheiden.

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