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Stadtteil Fürstenhausen • ein gräfisches Jagdrevier


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Der heutige Stadtteil Völklingens verdankt seine Entstehung in erster Linie den natürlichen Gegebenheiten seiner Umgebung. Die Altauen der Saar boten den Menschen Weide- und Ackerland. Die Schuttablagerungen des Köllerbachs in die Saar bildet eine Furt, die schon in römischer Zeit als Übergang von Völklingen Richtung Forbach genutzt wurde. In späterer Zeit verkehrte hier die Fähre zwischen Völklingen und Fürstenhausen. Die Nähe des Warndts veranlasste die Grafen von Saarbrücken, im bereich des späteren Ortes ein Jagd- und Forsthaus zu erbauen und die waldreichen Gebiete links der Saar zur Jagd und Forstwirtschaft zu nutzen. Daher ist der Name Förstenhausen oder Forstenhausen wahrscheinlich von herrschaftlichen Förstern des sog. Schiffsitterswaldes abzuleiten. Durch Lautwandel entstand später Fürstenhausen.

1333:
Erste Urkundliche Erwähnung des Ortes.

1422:
Das Jahrgeding des Völklinger Hofes, zu dessen Amtsbereich Fürstenhausen gehörte, erwähnt einen Förster und die Fähre zwischen Völklingen und Fürstenhausen. Die Bewohner des Dorfes mußten diese Fähre unterhalten und durften mit Erlaubnis des Saarbrücker Grafen zum Bau des Schiffes einen Baum aus dem Schiffsitterswald fällen. Dafür fielen die Einkünfte aus dem Fährenbetrieb an die gräfliche Kasse. Die Fähre fuhr zwischen den beiden Orten bis zum Bau der ersten Brücke aus Eisenbeton im Jahre 1913.

1524:
Das Jahrgeding des Völklinger Hofes zählt 8 bewohnte und 3 leerstehende Häuser in Fürstenhausen. Insgesamt lebten also 8 Familien in dem Ort.

1542:
Die Türkenschatzung, d.h. eine Steuerveranlagung zur Abwehr der Türkengefahr sagt dass in Fürstenhausen 8 Familien und 5 Gesinde lebten.

1575:
Die Grafschaft Saarbrücken und damit alle Fürstenhausener wurden protestantisch.

1618-1648:
Im Verlauf des 30jährigen Krieges wurde das Gebiet des Völklinger Hofes verwüstet und entvölkert.

1627:
Bei Abzug der sog. Gratz'schen Truppen wurden die herrschaftliche Frucht- und Heuscheuer in Fürstenhausen, und 5 Häuser in Völklingen zerstört.

1640:
Erste Erwähnung des Ortes "Fenne" durch die Warndtkarte des Försters Ferger. Er verzeichnete auf Fürstenhauser Bann "Die Fehn", aber noch ohne Besiedlung. Hergeleitet wird der Name vom Althochdeutschen fenni=Sumpf. Noch bis in unser Jahrhundert traf man im Ortsbereich sumpfiges Gelände an.

ab 1660:
Erneute Zunahme der Bevölkerung, vor allem durch Neuansiedler.

1680:
Fürstenhausen und Wehrden je 5 Familien. Völklingen 12 Familien.

1739:
Bericht von Kammerrat Rex:
Das Gebiet vergrößerte ich auf 2070 Morgen.
Alle Untertanen waren leibeigen und mußten dem Saarbrücker Grafen Frondienste leisten, ausgenommen davon waren nur der Schulmeister und der Hirt. Man zählte:
14 Gemeinsleute und 2 Witwen. 2 Familien waren reformiert, 5 katholisch, der Rest lutherisch.
Im Ort stand 1 Schule in der die lutherischen Kinder von Fürstenhausen, Geislautern, Wehrden und ein Teil von Klarenthal unterrichtet wurden.
Von den 18 Häusern des Ortes waren 5 sowie die Scheuer mit Ziegeln gedeckt, der Rest mit Stroh.
Der alte Dorfkern Fürstenhausens ist in der heutigen Fürstenstraße zu suchen.
Zum Fürstenhauser Bann gehörten damals eine herrschaftliche Mühle (Stangenmühle oder Gehlenbacher Mühle an der Banngrenze zu Klarenthal) sowie der "Fenner Hof".

1756:
Amtmann Lex: Zur Meierei Völklingen gehörten die Dörfer Fürstenhausen, Wehrden, Geislautern und Knausholz.

1793:
Französische Revolutionstruppen besetzten die Grafschaft Saarbrücken. Fürst Ludwig musste flüchten.

1797:
Fürstenhausen wurde verwaltungstechnisch der Mairie (Bürgermeisteramt) Völklingen, dem Arrondissement St. Arnual und dem Saar-Departement zugeteilt. Erster Municipal-Agent (Ortsvorsteher ) von Fürstenhausen wurde ein gewisser Georg Frantz.

1814:
Im Ersten Pariser Frieden wurde bestimmt, dass Saarlouis und Saarbrücken und damit auch Fürstenhausen, französisch blieben.

1815:
Nach Napoleons Niederlage wuden Saarlouis und Saarbrücken der preußischen Rheinprovinz zugeteilt. Damit kam die Gemeinde Fürstenhausen als Teil der Bürgermeisterei Völklingen zum Kreis Saarbrücken.

1833:
In der evangelischen Schule von Fürstenhausen wurden 88 Schüler im Alter von 5 bis 14 Jahren von einem Lehrer unterrichtet. Die katholischen Kinder des Ortes gingen nach Völklingen in die Schule.

1861:
681 Einwohner

1881:
Carl Röchling erwarb die 1873 gegründete, und heute stillgelegte Völklinger Eisenhütte Völklinger Eisenhütte. Mit dem raschen Aufschwung der Hütte begann auch für Fürstenhausen-Fenne ein neues Zeitalter, da viele Arbeiter der schnellwachsenden Belegschaft sich hier ansiedelten.

1900



1905:
Bau der sog. "Roten Schule" in der heutigen Gutenbergstraße, Heute befindet sich in dem Gebäude die Freiwillige Feuerwehr und die Arbeiterwohlfahrt. Das älteste Schulhaus stand an der Stelle des heutigen evangelischen Gemeindehauses.

1908:
Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Fürstenhausen/Fenne -, Wehrden - Hostenbach.

3075 Einwohner, davon 1958 Katholiken und 1090 Protestanten.

Bahnhof Fenne/Fürstenhausen


Bahnhof Fenne/Fürstenhausen (Bild: A.Hell; 2002)

1912:
Der ev. Kirchenbauverein Fürstenhausen erwarb an der Waldstraße ein 15 Ar großes Grundstück.

1913:
Beginn des Baues der Brücke nach Völklingen. Als moderner Baustoff wurde eine Betonausführung gewählt, die jedoch am 1. Oktober 1913 ihre Tücken zeigte. Nachdem mittags ein Schiff die Abstützung der Verschalungen gerammt hatte, stürzten diese kurz darauf ein. Glücklicherweise kündigte sich der Einsturz jedoch frühzeitig an und so kam niemand zu Schaden.

Brücke 1913


Brücke 1913 nach dem Einsturz

1914:
Bau der sog. Waldschule" am Hasseleich.

1915:
Die Saarbrücke war endlich fertig und konnte eingeweiht werden.

Brücke


1920: Saarbrücke Fürstenhausen-Völklingen (Bild: Stadt VK)

1922:
Durch die wachsende Bevölkerungszahl trennten sich die Katholiken von der Völklinger Mutterpfarrei "St. Eligius". Der große Saal des Gasthauses Georg Sahner in der Saarbrücker Straße wurde gemietet und zu einem Gotteshaus umgestaltet.

1924:
Grundsteinlegung zur katholischen Pfarrkirche "Schmerzhafte Mutter Gottes".

1926:
Einweihung der Pfarrkirche "Schmerzhaft Mutter Gottes". Trotzdem blieb Fürstenhausen weiterhin ein Teil der Pfarrei St. Eligius.

1934:
Einweihung des ev. Gemeindehauses am 14. Januar.

1937:
Am 1. April wurden der Amtsbürgermeisterei Völklingen die Stadtrechte verliehen. Die bis dahin selbständige Gemeinde Fürstenhausen-Fenne verlor ihre Eigenständigkeit und wurde der neuen Stadt als Stadtteil eingegliedert.
Im Frühjahr begannen die Bauarbeiten für die "Siedlung Fürstenhausen", die im Neuwald, einem Gelände südöstlich des Ortes, entstehen sollte. Einen Teil der Arbeiten mussten die 69 Anwärter in Eigenleistung erbringen. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren 26 Häuser fertiggestellt. Der Wohnraum eines solchen Siedlungshauses betrug 60 - 80 qm, gleichzeitig sollte den Siedlern die Möglichkeit gegeben werden, auf Parzellen von 600 - 1500 qm Landwirtschaft oder Gartenbau im Nebenerwerb zu betreiben.

1939:
Nach der Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland am 3. September erfolgte die erste Evakuierung Fürstenhausens. Die geräumte Zone wurde von der Wehrmacht hermetisch abgeriegelt.

1940:
Nach Beendigung des Frankreichfeldzuges konnten die Bewohner wieder nach Fürstenhausen zurückkehren. In der Siedlung Fürstenhausen wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Bis zur zweiten Evakuierung des Ortes im Herbst 1944 konnten fast alle Siedlungshäuser fertiggestellt werden.

1944:
Durch zwei Bombenangriffe am 15. bzw. 17. Oktober wurden mehrere Häuser in der Saarbrücker Straße und "In der Humes" zerstört. Menschenleben waren nicht zu beklagen. Im November 1944 wurde Fürstenhausen zum Kampfgebiet. Die Bewohner mussten zum zweiten Mal ihre Heimat verlassen.

1945:
Anfang des Jahres wurde die Saarbrücke von der Wehrmacht aus strategischen Gründen gesprengt. Nach dem Ende der Kampfhandlungen kehrten die Bewohner im Frühjahr/Sommer in ihre Heimat zurück und begannen die mühevolle Arbeit des Wiederaufbaues. An Stelle der gesprengten Brücke errichtete die französische Militärverwaltung etwa 200m unterhalb des alten Standortes eine Notbrücke, die aber dem enormen Hochwasser im Jahre 1947 nicht standhielt und weggerissen wurde. Der Personenverkehr zwischen Völklingen und Fürstenhausen musste daher zunächst mit einer Fähre abgewickelt werden.

1946:
Am 1. Oktober wurde die Vikarie Völklingen-Fürstenhausen zur eigenständigen Pfarrei erhoben.

1947:
Am 29 Dezember wurde mit 9,66 Metern Pegelstand das größte Hochwasser seit Menschengedenken an der Saar registriert. Ein großer Teil Fürstenhausens ähnelte einem Lagunendorf. Ab dem Morgen des 30. Dezembers ging das Hochwasser zurück.

1948:
Am 1. April konnte das letzte der 69 Siedlungshäuser bezogen werden. In den fünfziger Jahren erfuhr die Siedlung durch den Bau von weiteren 6 Wohneinheiten in der Dorotheenstraße sowie durch die Errichtung von 22 Kettler-Eigenheimen eine bedeutende Erweiterung.

1950:
Einweihung der Marienkapelle auf dem Hühnerscharberg

1953:
Am 4. August wurde mit den Ausschachtungsarbeiten für eine neue kath. Kirche begonnen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 18. Oktober.

1954:
Einweihung der neuen katholischen Kirche "Schmerzhafte Mutter Gottes" am 10. Oktober.


Kath. Kirche Fürstenhausen


Kath. Kirche "Schmerzhafte Mutter Gottes". (Bild: A.Hell; 2002)

1957-59:
Errichtung der Kokerei Fürstenhausen mit zunächst 4 Batterien zu je 32 Öfen. Die Kokerei wurde auf einem Gelände errichtet, das teilweise zum ehemaligen Fenner Hof gehörte.

1961:
In Fürstenhausen lebten 3700 Menschen

1964/65:
Erweiterung der "Waldschule" am Hasseleich durch einen Vorbau.

1967:
Bau und Inbetriebnahme der "Saarland Raffinerie".

1974/75:
Erbauung der ev. "Kreuzeskirche" am Hasseleich.

Ev. Kirche Fürstenhausen


Ev. Kreuzeskirche (Bild: A.Hell; 2002)

1990:
Fürstenhausen zählte 2723 Einwohner, davon 1696 Katholiken, 850 Protestanten und 291 Angehörige anderer Bekenntnisse. Der Ausländeranteil betrug 231 Personen, das sind 12 Prozent. Erweiterung der Kokerei Fürstenhausen auf 8 Batterien mit insg. 256 Öfen.

2001:
Im Mai wird die Kokssieberei gesprenkt.

2002; Bilder:

Altes Haus

Eins der ältesten Häuser in Völklingen, leider sieht man es nicht mehr. (Bild: A.Hell; 2002)

Altes Haus

Auch eins der ältesten Häuser in Völklingen, hier sieht man es noch ein bischen. (Bild: A.Hell; 2002)


2003:
Der 15. Januar des Jahres 2003 wird in die Geschichte des Völklinger Stadtteils Fürstenhausen als schwarzer Mittwoch eingehen. Denn die Abrissbagger der Deutschen Steinkohle AG beginnen an diesem Tag in der Kaiserstraße ihr zerstörerisches Werk, um in den kommenden Tagen und Wochen insgesamt 53 Wohnungen abzureißen, welche durch starke Grubensenkungen baufällig geworden sind.

Die Kokerei Fürstenhausen

Kokerei

Kokerei


In den sechs Koksbatterien wurden aus 3.200 t Kohlen, geliefert aus den Gruben Luisenthal, Warndt und Ensdorf, täglich 2.200 t Koks hergestellt.
Das bei der Kohleherstellung entstehende Gas wurde in der, seit März 1991 arbeitenden, Koksgasentschweflungsanlage zu mehr als 80% vom Schwefeldioxyd befreit. Das Schwefeldioxyd wurde zu Schwefelsäure, die in der Kokerei benötigt wurde, verarbeitet. Auch der entstandene Staub wurde in neuen Entstaubungsanlagen zurückgehalten. In den Jahren 1994 bis 1995 hat eine biologisch arbeitende Kläranlage die Möglichkeit geschaffen, alle Abwässer der Kokerei Fürstenhausen wesentlich sauberer an die Umwelt abzugeben.
Das Kühlwasser, 3.000 cbm in der Stunde, wurde im Kraftwerk Fenne der Saar entnommen und zur Kokerei geliefert. Das Trinkwasser lieferte das Wasserwerk Lauterbachtal.
Die bei der Verkokung anfallenden Nebenprodukte Benzol, Teer, Ammoniak und Phenole wurden an die Industrie verkauft
40% des entstehenden Kokereigases wurden nach der entschweflung zur Eigenfeuerung verwandt, der Rest in das Ferngasnetz abgegeben. Den benötigten Dampf lieferte das Kraftwerk Fenne. Schon 1951 war im Geschäftsbericht der "Régie des Mines de la Sarre" die Rede von einer neuen Kokerei. Doch der Baubeginn verzögerte sich bis in die zweite Hälfte des Jahres 1956. Am 17.April 1959 wurden die Koksofenbatterien 1 und 2 angeheizt. Erstes Koksdrücken war am 14.Juli des gleichen Jahres. Die Koksöfen waren für den Stampfbetrieb eingerichtet, wärend beim normalen Koksofen die Kokskohlen eingeschüttet werden. Auf der Kokererei "Heinitz" war diese Metode schon 1891 eingeführt worden ; sie ergab bei Verwendung von Saarkohle eine bessere Koksqualität. 1939 waren auf der Kokerei "Reden" erstmals Koksöfen gebaut worden , deren 19 t schwerer Koksofenkuchen bei 420 mm Breite 3.350 mm hoch war, wobei die Füllung 800kg je cbm Ofenraum betrug.
Am 15. Oktober füllten die Koker die Batterien 3 und 4 und drückten nach einer Garungszeit von 22 Stunden den ersten Koks aus. Im September 1963 gingen Baterie 5 und 6, im Juni 1964 7 und 8 in Betrieb.
Beim Stampfbetrieb ist die Kokskohle zu 80% kleiner als 2 mm; feinster Koksguß wurde der Kohlenmischung zugegeben. Die Körnung des Koksmehles war bis zu 80% kleiner als 0,9 mm. Die Stampfzeit eines solchen Einsatzkuchens betrug 10 Minuten. Die Reduzierung der Stampfzeit auf 4 Minuten gelang den Kokern durch die Vermehrung der normalerweise nur 4 bis 6 auf 16 bis 20 Stampfer.
Im Jahr 2001 wurde fast die gesamt Anlage der Kokerei Fürstenhausen nach 45 Jahren Betrieb abgerissen, nur der Gasometer steht noch.


2004:



Schieferturm

Dieses Foto ist nicht schief, der Gasometer der ehemaligen Kockerei ist durch die Grubensenkungen auch geschädigt.

Schieferturm

Das Industriegebiet auf den Saarwiesen im Jahre 2004



Interessante Links zum Thema
URL
Inhaltsbeschreibung
http://www.mtimop.de Webseite mit Informationen über u.A. Fürstenhausen
http://www.warndt.eu Webseite des Stadtverband Saarbrücken über den Warndtwald
http://www.rosseltal.de Webseite über das Rosseltal (im Warndt)
http://www.warndt.de/heimat/ Webseite des Heimatkundlichen Verein Warndt e.V. (HVW)




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