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Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

#Saarland. Rudi Carrell stellte schon 1975 in dem gleichnamigen Lied die Frage, die ganze Generationen jedes Jahr auf ein Neues beschäftigt.

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Gewitter im Landkreis SLS (Archiv Wetterstation-Saar)
Gewitter im Landkreis SLS (Archiv Wetterstation-Saar)

Anfang Juni war es teilweise sogar über 30 Grad heiß. Es war ein regelrechter Startschuss, um die Erwartungen an den Sommer 2014 nach oben zu schrauben. Nun, wo die Sommerferien im Saarland begonnen haben, trifft viele die Ernüchterung. Erwarten wir zu viel von einem typischen Sommer im Saarland?

Glaubt man den allgemeinen Weisheiten, dann war der Sommer früher noch ein Sommer wie er im Buch steht. Die Freibäder waren täglich überfüllt, ganze Nächte wurden in den Biergärten und bei Partys unter freiem Himmel verbracht, man konnte eigentlich immer draußen spielen.

Doch kann diese Behauptung wirklich stimmen? Dem Deutschen Wetterdienst liegen Messreihen ab dem 18. Jahrhundert vor. Damals endete gerade die Kleine Eiszeit. Die Jahres-Durchschnittstemperaturen stiegen langsam bis 1940 an, dann folgte nochmals eine leichte Abkühlung bis 1970 und in den letzten 40 Jahren eine besonders kräftige Erwärmung. Mit Sicherheit lässt sich also sagen, dass es in Deutschland im Durchschnitt seit Beginn der Wettermessungen noch nie so warm war wie in den letzten Jahren. Dies ist die so genannte Klimaerwärmung.

Betrachten wir nur die einzelnen Sommermittelwerte der Monate Juni bis August in Deutschland, können wir folgendes feststellen:

Die Jahre 1826 und 1834 erreichten eine durchschnittliche Temperatur von je 18,4°C und waren daher besonders warm. Im Jahr 1816 wurde mit nur 14,1°C im Mittel der kälteste Sommer der vorliegenden Messreihe registriert. Dieses Jahr ist auch als „Jahr ohne Sommer“ bekannt geworden. Aufgrund eines Vulkanausbruchs (Tambora auf Java im heutigen Indonesien) wurden große Staubmengen in die Stratosphäre befördert, die die Sonneneinstrahlung über viele Monate verringerten. Ab 1870 trat eine leichte Abkühlung der Sommertemperaturen ein. Den kältesten Abschnitt gab es um 1920. In diesem Zeitraum gab es auch einige Sommer mit einem Mittel von weniger als 15°C.

1947 gab es mit einer Mitteltemperatur von 18,5 °C den zweitwärmsten Sommer seit Beginn der Wettermessung. Damals gab es, bedingt durch seine große Trockenheit, Probleme in der Landwirtschaft und mit der Wasserversorgung in großen Teilen Deutschlands.

Betrachtet man die Jahrzehnte ab 1960, so kann man feststellen, dass der Temperatur-Mittelwert des Sommers stetig angestiegen ist und wir heute bereits 1,1 Grad über dem damaligen Durchschnitt liegen. 2003 übertraf der Jahrhundertsommer mit seiner extremen Hitzewelle bei einer Mitteltemperatur von 19,7°C alle bisherigen Sommer der Zeitreihe bei Weitem. Verwöhnt wurden wir auch im Sommer 2006. Beim Sommermärchen, passend zur Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land, reichte es zwar nicht zum wärmsten Sommer aller Zeiten, aber mit einer  Durchschnittstemperatur von 22,0°C durften wir den wärmsten Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnung erleben.

Wenn wir nun wissen, dass unsere heutigen Sommer wärmer sind als vor 50 Jahren, wie kommt es dann zu dieser Einschätzung, dass früher der Sommer noch Sommer war?

Psychologen machen dafür unser Gehirn und die subjektive Einschätzung verantwortlich. Das menschliche Gehirn merkt sich besondere Vorkommnisse und Situationen, schöne Erlebnisse und ist nicht daran interessiert sich zu merken, wie man an einem verregneten Tag gelangweilt im Zimmer saß. Da erinnert man sich gerne an schöne Schwimmbadtage mit Freunden oder Grillabende mit der Familie. Ein Beispiel für diese Gehirnfunktion ist der 11. September 2001, der Tag der Terroranschläge in den USA. Selbst heute können sich die meisten Menschen daran erinnern, was sie an diesem Tag gemacht haben. Ein Erlebnis ist an eine Tätigkeit verbunden und wurde im Kopf gespeichert. Frage ich nun nach dem Tag davor, wird es, wenn es nicht mit einem Geburts- oder anderen Jahrestag verbunden ist, schon schwer sich zu erinnern.

Schaut man sich die bisherigen Monate dieses Jahres an fällt wirklich jeder Monat eindeutig zu warm aus. Im Schnitt liegen wir bisher 2,3°C über dem langzeitigen Mittelwert. Besonders die ersten Monate des Jahres waren mit rund 3 Grad über dem Mittelwert eindeutig zu warm. Was den Regen betrifft liegen wir im Saarland bisher immer noch unter dem Sollwert. Dies liegt vor allem an den Monaten März, April und Juni die nicht einmal die Hälfte des jeweiligen langjährigen Mittels geschafft haben. Gerade der Regen der vergangen Tage hat aber auch dafür gesorgt, dass der Juli mit 137 l/m² weit über dem Mittelwert von 72 l/m² liegt. Ebenfalls war der Februar sehr niederschlagsreich. Als letzten Vergleich möchte ich die Sonnenschein-Dauer berücksichtigen. Auch dort liegen wir fast 100 Sonnenstunden über dem langzeitigen Durchschnittswert.

Wenn nun die Statistik des Deutschen Wetterdienstes gegen diese Wahrnehmung spricht und es dazu noch eine psychologische Erklärung gibt, haben dann wirklich alle Menschen die behaupten, dass der Sommer einfach nicht mehr so ist wie früher, Unrecht?

So einfach kann man es meiner Meinung nach nicht abtun. Der Grundgedanke des Wunsches nach einem „richtigen Sommer“ liegt eher darin begründet, dass sich die Saarländer konstantes Sommerwetter wünschen. Gleichbleibende Temperaturen und auch der ein oder andere Schauer ist willkommen, am besten natürlich in der Nacht. Doch gerade die letzten Monate haben gezeigt, dass wir wettertechnisch Achterbahn fahren. Trockenheit und Hitzeperioden, gefolgt von Starkniederschlag und kräftigen Abkühlungen. Ein gutes Beispiel lieferte uns im Saarland der April. Mit 21 l/m² erreichte er weniger als ein Drittel des Jahresdurchschnitts. Beim Blick auf die Statistik also ein trockener Monat. Doch dazu muss man auch wissen, dass bis zum 26.04. nur 0,8 l/m²gefallen sind und die restliche Regenmenge in wenigen Tagen vor dem Monatsende.

Sind denn die höheren Temperaturen der Auslöser für die Wetterextreme? Bedeutet das somit, dass wir keinen „richtigen Sommer“ haben weil wir zu warm haben?

Die Klimaforscher schlagen schon lange Alarm und auch der Weltklimarat geht davon aus, dass die Temperaturen häufiger extrem ausfallen werden als zuvor. Starkregenereignisse und schwere Gewitter, sogar mit der Bildung von Tornados, nehmen in ihrer Häufigkeit zu. Bisher gab es in Deutschland alleine dieses Jahr 16 bestätigte Tornados und 129 Verdachtsfälle. Der letzte uns bekannte Tornadofall im Saarland wurde im Jahr 2010 in Losheim registriert.

Wichtig ist es dabei keine Panik zu verbreiten sondern Aufklärungsarbeit zu leisten. Viele Menschen sind sich der Gefahren nicht bewusst. Paradebeispiel ist die oft genannte Windhose. Die Benennung Windhose wurde in der jüngeren Vergangenheit vermehrt undifferenziert für verschiedene Phänomene im Zusammenhang mit plötzlich auftretenden starken Winden verwendet. Außerdem wurde der Eindruck eines Unterschieds zwischen „großen“ Tornados in Amerika und „kleinen“ Windhosen in Europa erweckt. Ein Unterschied zwischen Windhosen und Tornados besteht jedoch weder bezüglich ihrer physikalischen Natur noch bezüglich ihrer Stärke. Tornados entstehen aus so genannten Superzellen – eine Art Gewitterwolke mit wesentlich heftigeren Unwettererscheinungen und einer höheren Lebensdauer (siehe Bild 2).

Somit kommt dem Wetterbericht an sich und der Verbreitung von Informationen über Wettergefahren eine immer größere Bedeutung zu. Dabei kann jeder Saarländer für sich selbst den besten Wetterdienst aussuchen – dann wird auch dieser Sommer in guter Erinnerung bleiben.

Auch wir haben, so wie die großen Wetterdienste, versucht den Neuerungen der Kommunikationsmittel zu folgen. Daher gibt es neben allgemeinen Informationen auf unserer Homepage (www.wetterstation-saar.de), auch eine Facebook-Seite sowie eine App, wo wir die aktuellen Mitteilungen, Wetterberichte und Warnungen 24h am Tag in Echtzeit veröffentlichen. (PM: Dominik Eder, Leiter der Wetterstation – Saar)

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