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Saarstahl und Dillinger: 2500 Stellen auf der Kippe!

#Saarland/#Völklingen. Ford hat bereits damit begonnen, Halberg Guss muss wohl, ZF plant und Dillinger sowie Saarstahl kündigen es nun auch an: Stellenabbau – politisch korrekt „Zukunftsprogramm“ genannt! 1500 Stellen sollen in den kommenden drei Jahren sozialverträglich abgebaut werden, 1000 Stellen ausgelagert. So teilte es der Stahl-Holding-Saar Vorstand mit.

Seniorenbetreuung

Auf betriebsbedingte Kündigungen will man war verzichten, doch sollen Zeitarbeitsverträge nicht verlängert werden. Ziel ist es laut Unternehmen Kosten in Höhe von 250 Millionen Euro pro Jahr einzusparen. Zur SHS Holding gehören unter anderem Saarstahl, Saar Stahlbau, die Dillinger Hütte, ZKS/Rogesa und die Metallurgische Gesellschaft Saar (MGS).

Neue Stahlkrise bringt Stahlindustrie in Bedrängnis

Stahlindustrie in Europa befindet sich in einer konjunkturellen und – was schwerer wiegt – in einer langanhaltenden strukturellen Krise. Hinzu kommen probleme in der Automobilindustrie. Seit Anfang September sind die Mitarbeiter von Saarstahl darüberhinaus bereits in Kurzarbeit.

Wie der SR berichtet erwartet das Unternehmen „einen fairen Wettbewerbsrahmen und die kurzfristige Zurverfügungstellung ausreichender Mittel“ von der Politik, um den Umstellungsprozess aus CO2-freien Technologien umsetzen zu können. Man wolle, dass im Saarland die modernste Stahlindustrie entsteht.

Saarpolitiker fordern Bundeshilfen

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) und Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) schlossen sich dieser Forderung an.
Tobias Hans: „Die Nachrichten vom Jobabbau von Saarstahl treffen uns als Stahlland hart. Wir wollen auch im globalen und digitalen Zeitalter Industrieland bleiben. Deshalb wird die saarländische Landesregierung alles unternehmen, um den Stahlstandort zukunftsfähig zu machen. Unser Hochleistungsstahl, sauber und sozial produziert, wird auch künftig  weltweit nachgefragt werden. Wenn die Arbeitsplätze in der Stahlindustrie ins Ausland abwandern, wäre das eine Schande für Deutschland und ein Bärendienst für den weltweiten Klimaschutz. Der Bund ist jetzt am Zug: Wir fordern ein SOS-Paket für die deutsche Hochleistungsstahl-Produktion mit Hilfen zum Umbau auf CO2-neutrale Produktion.““

Rehlinger sichert der Stahlindustrie Solidarität zu und fordert Unterstützung von EU und Bund

„Ich kämpfe um jeden Arbeitsplatz im Saarland“, so Rehlinger

Die Ministerin fordert die Bundespolitik zur energischen Sicherung der Schlüsselindustrien Stahl und Automotive auf: „Die Stahlindustrie steht vor enormen Herausforderungen durch Dumping-Stahl aus Drittländern, durch strukturelle Veränderungen und der Notwendigkeit des Klimaschutzes.  Das kann nur gelingen, wenn die Bundesregierung sich beherzt in Brüssel in die Bresche wirft, etwa um die Schutzklauselmaßnahmen der EU deutlich zu verstärken und unseren heimischen Stahl zu schützen. Und zugleich muss die Bundesregierung und muss auch die EU massiv in die Zukunft der Schlüsselindustrien investieren: Es braucht ein milliardenschweres Programm für den sozial-ökologischen Umbau der Industrie. Das Saarland kann dabei zur Modellregion werden. Saarländischer Stahl, der zu den innovativsten und saubersten Produkten weltweit zählt, darf nicht von Import-Stahl verdrängt werden, der mit deutlich niedrigeren Umwelt-, Klimaschutz- und Sozialstandards erzeugt wird. Klimaschutz und Industrie gehören zusammen. Ohne Stahl gibt es kein Auto der Zukunft und auch kein Windrad.“

Die Ministerin wies darauf hin, dass die von den saarländischen Stahlunternehmen angestrebte offensive Vertriebsplanung, aber auch die Erarbeitung von Optionen für die künftig CO2-ärmeren Stahlerzeugungsrouten und neue Technologien maßgebliche Beiträge zur Zukunftssicherung leisten können. Die Reorganisations- und Kostensenkungsmaßnahmen seien aber „äußerst schmerzhaft“. Rehlinger: „Die Sorgen der Belegschaften und ihrer Familien nehmen wir sehr ernst. Ich bin bei aller Sorge aber zuversichtlich, dass Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite ihrer Verantwortung gerecht werden und die anstehenden Entscheidungen gemeinsam, einvernehmlich und sozialverträglich treffen. Es war und ist ein Identitätsmerkmal der saarländischen Stahlindustrie, dass Personalanpassungsmaßnahmen ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgen. Das muss auch hier so sein.“

Aus Sicht der Landesregierung setzen die Beteiligten im Saarland alles daran, den heimischen Stahlstandort mit seinem unverzichtbaren Beitrag zu Wertschöpfung, Beschäftigung und Innovation weiterhin dauerhaft abzusichern. Alleine können sie dies jedoch nicht schaffen: „Wenn die saarländische Stahlindustrie eine realistische Chance auf eine langfristige Zukunft haben soll, so braucht sie sehr zeitnah deutlich mehr Unterstützung durch die EU und den Bund, als das bisher der Fall gewesen ist“, so Rehlinger.

Stahlarbeiter gehen auf die Straße

Vor diesem Hintergrund wurde angekündigt, am 1. Oktober eine Demonstration mit einer Schweigeminute durchzuführen. Der Demonstrationszug wird gegen 11 Uhr auf dem Rathausplatz eine Zwischenstation einlegen und sich anschließend zu einer Betriebsversammlung in Richtung Hermann-Neuberger-Halle begeben.

Weitere Informationen:

Ablauf

ca. 10.00 Uhr           Abmarsch Demonstrationszug Torhaus 2 über die Poststraße – Bismarckstraße – Karl Jansen-Straße – Moltkestraße – über den Otto Hemmer Platz (gegenüber Landmann) zum Rathausplatz
ca. 10.15 Uhr           Abmarsch Demozug Stahlwerk Torhaus 11 (im Alten Brühl) über den Karolinger Kreisel – Karl Janssen Straße – über „Am Finanzamt“ zum Rathausplatz
ca. 11.00 Uhr           Eintreffen am Rathaus
ca. 11.15 Uhr           Schweigeminute
ca. 11.30 Uhr           Abmarsch am Rathaus Platz zur Hermann Neuberger Halle über Stadionstraße
ca. 12.00 Uhr           Ankunft Hermann-Neuberger Halle
ca. 13.00 Uhr           Beginn der Betriebsversammlung der Saarstahl AG (Nicht öffentlich, nur für Saarstahl Mitarbeiter nach §5 des Betriebsverfassungsgesetzes)
ca. 15.00 Uhr           Ende der Betriebsversammlung

 

Die Pressemitteilung von SHS, Dillinger und Saarstahl im Wortlaut:

Dillinger und Saarstahl starten gemeinsames Zukunftsprogramm: offensiv, CO2-frei, effizient.

· Dillinger und Saarstahl: mit integrierter Strategie
· Umbau zur CO2-freien Produktion
· Zweistellige Profitabilität (EBITDA-Marge) als Ziel
· Kosteneinsparungen in Höhe von 250 Millionen Euro
· Sozialverträglicher Abbau von 1.500 Stellen sowie Outsourcing von 1.000 Stellen

Die saarländische Stahlindustrie richtet sich neu aus. „Wir tun dies in einem komplett integrierten Prozess von Dillinger und Saarstahl mit dem langfristigen Ziel, den Generationenvertrag fortzusetzen“. so Tim Hartmann, Vorstandsvorsitzender von Dillinger und Saarstahl. „Wir produzieren hervorragende Stähle, die zu den besten der Welt gehören und die bei unseren Kunden gefragt sind. Unsere Produkte werden wir gemeinsam mit unseren
Kunden weiterentwickeln. Wir werden eine umfassende Vertriebsoffensive starten. Das Engagement unserer Mitarbeiter ist hoch. Gleichzeitig haben wir im Vergleich zum Wettbewerb zu hohe Kosten. Wir werden unsere Strukturen und Prozesse entsprechend in den nächsten Monaten anpassen. Ziel ist eine zweistellige Profitabilität, die uns ausreichend Spielraum für Wachstumsinvestitionen gibt. Darüber hinaus richten wir das Gesamtunternehmen klar auf CO2-freie Technologien aus. Gleichzeitig erwarten wir von der Politik einen fairen Wettbewerbsrahmen und die kurzfristige Zurverfügungstellung ausreichender Mittel, um den Transferprozess umsetzen zu können. Wir wollen, dass die modernste Stahlindustrie hier im Saarland steht“.

Die anhaltende strukturelle Krise auf dem globalen Stahlmarkt und die teilweisen konjunkturellen Nachfragerückgänge in einigen Segmenten wie der Automobilindustrie und dem Maschinenbau sowie die steigenden Kosten des CO2-Zertifikatesystems haben uns dazu veranlasst, einen integrierten Strategieprozess aufzusetzen, um Maßnahmen zur Zukunftssicherung zu erarbeiten und auf den Weg zu bringen.

Heute wurden erste Ergebnisse aus dem laufenden Strategieprozess den Aufsichtsgremien der Unternehmen vorgestellt. Ebenso finden heute und in den nächsten Tagen Informationsveranstaltungen statt, um den Mitarbeitern die Strategie zu erläutern.

Offensiv und CO2-frei

„Zum ersten Mal haben gemeinsam besetzte Expertenteams von Saarstahl, Dillinger und SHS die strategischen Ziele für die Zukunft erarbeitet“, erklärt Tim Hartmann, und weiter: „Ergebnis aus dem Prozess sind klar definierte Ziele und ein detaillierter Maßnahmenplan für die nächsten Jahre. Wir sind davon überzeugt, dass es uns damit gelingen wird, die dargestellten Herausforderungen zu meistern und uns zukunftssicher zu machen.“

Ein zentraler Baustein ist eine offensive Neuausrichtung der Geschäftsstrategie, die eine konsequente Steuerung in Richtung innovativer und hochqualitativer Produkte für unsere Kunden vorsieht. Die aufgesetzten Maßnahmen tragen dazu bei, robuster, profitabler und zukunftsorientierter zu werden. Im Rahmen der laufenden Erarbeitung einer CO2-Strategie werden Optionen für den schrittweisen Umbau zur CO2-freien Produktion entwickelt. Hier fordern wir von der Politik, dass sehr schnell eine klare Planbarkeit und ein Rahmen für einen fairen Wettbewerb sowie für die erforderlichen Fördermittel geschaffen werden.

Kosteneinsparungen und sozialverträglicher Stellenabbau

Wir haben uns als Ziel gesetzt Kosten in der Höhe von 250 Millionen Euro pro Jahr einzusparen. Davon werden wir 60 % über Einsparungen im Material- und Fremdleistungsaufwand und 40 % im Personalaufwand erreichen. Damit sind ein Abbau von 1.500 Stellen sowie ein Outsourcing von 1.000 Stellen im Saarland verbunden. Wir erreichen die stellenbezogenen Maßnahmen u. a. über Änderungen der Prozesse und Strukturen sowie über die Steigerung unserer Produktivität, durch die Abschaffung von Doppelstrukturen und durch Schließung oder Auslagerung von Bereichen. Wir wollen die genannten Personalmaßnahmen sozialverträglich in den nächsten drei Jahren umsetzen und sind bereit, unter der Bedingung einer einvernehmlichen Regelung zu entsprechenden Instrumenten, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Mit den Mitbestimmungsgremien werden diesbezüglich kurzfristig Gespräche aufgenommen.

„Mit dem gemeinsam erarbeiteten Maßnahmenpaket sind wir davon überzeugt, dass es uns gelingen wird, die dargestellten Herausforderungen zu meistern und unsere Unternehmen zukunftssicher zu machen“ bekräftigt Tim Hartmann. „Wir stehen zu dem Generationenvertrag und brauchen die Unterstützung und den Willen aller Mitarbeiter, die Herausforderungen anzunehmen und die Transformation mit Mut und Entschlossenheit mitzugestalten“.

Zum Hintergrund: aktuelles Marktumfeld

Die Stahlindustrie in Europa befindet sich in einer konjunkturellen und – was schwerer wiegt – in einer langanhaltenden strukturellen Krise. Die Ursachen für das zunehmend herausfordernde Umfeld sind im Wesentlichen: der wachsende weltweite Protektionismus und die damit verbundenen Zölle, die die Produkte der saarländischen Stahlindustrie verteuern, große Überkapazitäten und hohe Importe in die EU, die kontinuierlich auf das Preisniveau
drücken und ein starker Wettbewerb. Zukünftig belasten auch noch steigende Kosten aus dem CO2-Zertifikatesystem die Unternehmen Dillinger und Saarstahl. Zusätzlich zu den strukturellen Problemen kommen die derzeitigen konjunkturellen Abschwächungen und Umbrüche in Kernverbrauchersegmenten wie der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau hinzu. Dies hat dazu geführt, dass Saarstahl seit September Kurzarbeit fährt.

Über die SHS-Gruppe
Die SHS – Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA (SHS) ist die Führungsholding der beiden großen saarländischen Stahlunternehmen Aktien-Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke (Dillinger) und Saarstahl Aktiengesellschaft (Saarstahl), die zu den führenden Qualitätsherstellern in Ihren Märkten gehören. Dillinger ist weltweit führender Hersteller von Grobblechen aus Stahl für den Stahlbau, Maschinenbau, Offshore-, Offshore-Windkraft- und Linepipe-Bereich. Saarstahl ist weltweit führender Hersteller von Draht und Stab für die Automobilindustrie, die Bauindustrie und den Allgemeinen Maschinenbau. Unter dem Dach der SHS arbeiten weltweit rund 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die einen Umsatz von insgesamt rund 4,5 Milliarden Euro erwirtschaften.

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