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Ehemalige SR-Kulturredakteurin: Röchling hatte keine so engen Verbindungen mit Hitler!

#Völklingen. Die ehemalige SR-Kulturredakteurin Dr. Inge Plettenberg widerspricht in einem SR-Interview den Darstellungen, die Hermann Röchling enge Nähe zu Adolf Hitler nachsagen. Plettenberg, die sich lange wissenschaftlich mit der Thematik beschäftigte, unter anderem auch im Auftrag des Weltkulturerbes für die vergangene Ausstellung „Die Röchlings und die Völklinger Hütte“,  las gestern auch bei der Ringvorlesung zum Thema „Zwangsarbeit in der Völklinger Hütte – deutsche und europäische Bezüge“ im Weltkulturerbe.

Über 12.000 ausländische Zwangsarbeiter waren der Völklinger Hütte beschäftigt

Das ist definitiv nicht zu leugnen: Während des Zweiten Weltkriegs waren auf der Völklinger Hütte über 12.000 ausländische Zwangsarbeiter beschäftigt. Die Familie Röchling war zu dieser Zeit Eigentümer des Werkes. 3.000 Franzosen, rund 3.000 so genannte „Ostarbeiter“ aus Russland und weitere 20 Nationen seien zu dieser Zeit in Völklingen zwangsbeschäftigt worden, so Plattenberg im Interview.

Hermann Röchling fordert laut dem Buch "Wer war Hermann Röchling" von Hitler Zwangsarbeiter aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten im Osten. Quelle: Archiv Paul Ganster
Hermann Röchling fordert laut dem Buch „Wer war Hermann Röchling“ von Hitler Zwangsarbeiter aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten im Osten. Quelle: Archiv Paul Ganster

Am 23. März 1942 ging es los, da kam der erste Transport in Völklingen an – doch  „die Hütte war in keiner Weisevorbereitet“, berichtet Plettenberg. Neben Unterkünften für diese Menschen mangelte es an medizinischer Versorgung – Folge waren Todesfälle. Doch Dokumente aus dem Nationalarchiv in Paris entlasten die Röchlings laut der ehemaligen Kulturredakteurin: Röchlings hätten sich intensiv mit diesen Problemen beschäftigt!

Hermann Röchling ein Nazi(?) Bild-Quelle: Paul Ganster
Hermann Röchling ein Nazi(?) Bild-Quelle: Archiv Paul Ganster

Die Journalistin und Historikerin Dr. Inge Plettenberg Beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Zwangsarbeit im Saarland: Neben dem Buch „Feind schafft mit: Ausländische Arbeitskräfte im Saarland während des Zweiten Weltkrieges“ war sich auch für die wissenschaftliche Recherche zur vergangenen Ausstellung „Die Röchlings und die Völklinger Hütte“ verantwortlich.

Nachgesagte Nähe mit Hitler übertrieben(?)

Hermann Röchling habe Hitler von 1933 bis 1945 maximal vier mal persönlich getroffen, er habe ihm „also nicht auf dem Schoß gesessen“ berichtet Plattenberg, weiter: „Er  [Hermann Röchling] hat auch nicht , so ohne Weiteres, ihm [Hitler; Anm. der Red] seine Pläne unterbreiten können.“. Er sei zwar unter den vielen Stahlunternehmern an der Saar sicherlich der Einflussreichste gewesen, doch betrachte man das ganze Reich sei er jedoch einer der Kleinen gewesen, so die Historikerin. Die Verbindung zwischen Röchling und Hitler sei, so ihr Fazit, keinesfalls so eng gewesen, wie es oft dargestellt wird. Röchlings Dokument „Gedanken über die Vorbereitung zum Kriege und seine Durchführung“ sei von Hitler gar nicht selbst gelesen worden, viel mehr sei sie im Vorzimmer des Reichsführers untergegangen und irgendwann einmal oberflächlich beantwortet worden erklärt die ehemalige SR-Kulturredakteurin.

Hermann Röchling an der Seite von Adolf Hitler ; Quelle: Paul Ganster
Hermann Röchling an der Seite von Adolf Hitler ; Quelle: Archiv Paul Ganster

Generaldirektor tat sich mit der Vergangenheit mehrfach schwer

Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes, hat in der Vergangenheit gleich mehrfachdurch mit bizarren Argumentationen Warnungen ausgesprochen: Als es darum ging die Hermann-Röchling-Höhe umzubenennen warnte er den Hütten-Baron und NS-Kriegsverbrecher aus dem Namen zu streichen könne zur Aberkennung des Weltkulturerbe-Titels der Hütte führen. Als es darum ging eine Stolperschwelle in Erinnerung an die Ausbeutung der Hütten-Zwangsarbeiter zu verlegen, reichte der krude Mix an Argumenten von der albernen Sorge um die Verkehrssicherheit bis zur Infragestellung historischer Fakten. Zwar bestreitet Grewenig gegenüber den Mediengar nicht, dass es tausende Zwangsarbeiter gab und Hunderte an den Folgen starben, doch toll scheint er die andere Seite „seines“ Welterbes nicht zu finden. Sein Vorschlag, die Schwelle vom Besuchereingang wegzuverlegen, nährte damals den wiederholten Verdacht, dass es um etwas anderes geht: Ein unangenehmes Thema fern zu halten vom Kulturerbe. Es wäre eine dem Leid der Opfer unwürdige Haltung.

Völklinger im Zwiespalt?

In Völklingen wurde das Thema bereits heiß diskutiert. (Nicht nur) Wegen der Umbenennung der ehemaligen Hermann-Röchling-Höhe, so wurde bereits davor durch Bürgerinitiativen viel Diskussion rund um die Person Hermann Röchling entfacht. Die Völklinger sind sich offensichtlich uneins: Die einen wollen die Vergangenheit einfach ruhen lassen, andere sehen in Röchling den großen Gönner der Stadt – was von einer dritten Bewegung angezweifelt und eher als „politische Aktivität zum eigenen Vorteil“ beschrieben wird. Letztere sammelten sich dann in den genannten Bürgerinitiativen, deren Historiker Röchling als großen Nazipatriarchen und engen Freund Hitlers darstellten. Nun stellt sich Dr. Inge Plettenberg öffentlich schon fast auf die Seite des anderen Extrems. Ob hinter all diesen Bewegungen nun berufliches oder politisches Kalkül, oder doch Wahrheit steckt, das ist in Anbetracht der wenigen Überlieferungen gerade für Außenstehende schwer nach zu vollziehen.

Das Interview finden Sie auf den Webseiten des Saarländischen Rundfunks. Red.