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Das Derby entscheidet Röchling Völklingen für sich – Stahlarbeiter setzen Zeichen gegen China-Stahl

#Völklingen. Es war ein besonderes Fußball-Derby, wie immer wenn der SV Röchling Völklingen und Borussia Neunkirchen aufeinander treffen: Zwei saarländische Stahlstädte gegeneinander, früher hieß es auf den Zuschauerrängen Röchling-Stahlarbeiter gegen Stummsche Stahlarbeiter – heute stehen zu mindestens die Männer der saarländischen Stahlproduktion auf einer Seite und kämpfen im Rahmenprogramm des Derbys um die Zukunft ihrer Arbeit.


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Fußball und Arbeitskampf zur gleichen Zeit in einem Stadion

Fußball und Arbeitskampf zur gleichen Zeit in einem Stadion, das ist eine Idee, auf die man eigentlich auch nur im Saarland kommen kann. Wie bereits beim Hinspiel der beiden Lokalrivalen in Neunkirchen, das übrigens vor 5000 (Korrektur: es waren „nur“ 1200!) Zuschauern 1:2 für Röchling Völklingen endete, rief die IG Metall für das Derby das Motto „Stahl ist Zukunft“ aus:

„Wir wollen auch an diesem Tag für den Erhalt der saarländischen Stahlindustrie auf uns aufmerksam machen.
Wir brauchen dabei jetzt und auch in Zukunft Eure Unterstützung.
Lasst uns zusammen für unsere Arbeitsplätze in der Stahlindustrie Flagge zeigen.“, so der klare Aufruf an die Mitglieder der Gewerkschaft.

Die Rahmenbedingungen versprechen eigentlich besten Zuschauerzuspruch: Ein Gipfeltreffen, das vor einigen Jahrzehnten noch in der zweiten Liga ausgetragen wurde und damals volle Stadien versprach. Der „Stahlgipfel“ zwischen den beiden Industriegiganten Röchling und Stumm, auf den Rängen die Arbeiter der beiden Arbeitshochburgen – An Publikum sollte es anhand dieser Vergangenheit dabei also schon einmal nicht mangeln. Hinzu kommt, dass die inzwischen in der fünftklassigen Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar spielenden Clubs nicht um die „Goldene Ananas“ spielen, sondern die Gäste aus Neunkirchen um den Klassenerhalt und Röchling um den Aufstieg kämpft. Doch das Interesse ist mager! Nur 676 Zuschauer finden am Sonntagabend den Weg ins Hermann-Neuberger-Stadion, trotz Eintrittsvergünstigungen und wichtiger: Dem Zeichen, das man gegen den Billig-Stahl an die EU-Räte schicken wollte.

Nur 676 Zuschauer wollten das Spiel sehen - beim Hinspiel in Neunkirchen waren es noch 5000! (Foto: Hell)
Nur 676 Zuschauer wollten das Spiel sehen – beim Hinspiel in Neunkirchen waren es noch 5000! (Foto: Hell)

Schon vor dem Spiel konnten sich die Besucher darüber informieren, warum der wo weit weg in China produzierte Stahl im Saarland so viele Arbeitsplätze bedroht. Vertreter der IG Metall erklären: Der in Europa produzierte Stahl sei durch viele Auflagen viel sauberer in der Produktion als der aus China, das macht den europäischen Stahl so teuer. In China gäbe es diese Umweltvorschriften nicht, dort würde auf die Umwelt „gepfiffen“ – 22.000 Arbeitsplätze seien dadurch alleine an der Saar bedroht.

Fußball gespielt wurde auch noch…

… und wie! Es dauerte keine 10 Sekunden, da wurde es vor dem Neunkircher Tor bereits brandheiß: Arthur Schneider vergibt nur knapp die Blitz-Führung für die Gastgeber. Nach weiteren zwanzig Minuten hat Marcel Linn, der zuvor Schneider die Vorlage gab, die Führung auf dem Fuß – doch scheitert nach einem tollen Schuss am Pfosten. Doch das 1:0 soll zwei Minuten später folgen! Meridja gibt den Ball aus dem Mittelfeld lang nach vorn vor den Strafraum, Altmeier verlängert auf Schneider – der lässt seine Gegenspieler stehen und versenkt zur verdienten Führung.

Was Größen wie Oliver Kahn oder Marc-André ter Stegen passiert, kann in der Fußball Oberliga natürlich auch passieren. Gänzlich ohne Not bringt der SV Röchling Völklingen seine Gäste zum Ausgleich: Nach einem Rückpass tritt Röchling-Keeper Philippe Stelletta über den Ball: Webers Rückpass kullert in die eigenen Maschen. 1:1 nach 27 Minuten! Danach erspielten sich beide Mannschaften keine nennenswerte Chancen mehr: Halbzeit.

In der Halbzeit wieder Arbeitskampf

In der Halbzeit ziehen die Stahlarbeiter los und stellten bildlich dar, was sie zuvor erklärten: Eine Fußgruppe zieht zwei Wagen über die Laufbahn des Hermann-Neuberger-Stadions. Der erste zeigt das Blasstahlwerk Völklingen, nichts kommt heraus…. dahinter der zweite Wagen, er symbolisiert die dreckigen Schlote der chinesischen Stahlindustrie und qualmt wie die Völklinger Hütte in den 40er und 50er Jahren, als man auf der ganzen Welt noch nicht viel vom Umweltschutz verstand.

Die Gewerkschafter verdeutlichen den Unterschied zwischen heimischer und asiatischer Stahlproduktion (Foto: Hell)
Die Gewerkschafter verdeutlichen den Unterschied zwischen heimischer und asiatischer Stahlproduktion (Foto: Hell)

… wieder zum Fußball

Nach der Pause wurde wieder Fußball gespielt. Nennenswert: Nichts bis zur 61. Spielminute, „Schichtwechsel“ bei Röchling: Schneider geht, Dausend kommt. Es sollte der Schichtwechsel der beiden (richtigen) Torschützen sein! Der Zeiger hat noch keine drei volle Runden gedreht, als ein sehenswerter Spielzug das 2:1 brachte! Der frisch gebackene Vater Dausend vollstreckt nach einem tollen Zuspiel. Die Borussen kämpfen zwar noch um den Ausgleich, Röchling um das 3:1, doch diese Ziele erreichten beide Teams nicht. Das Spiel endet 2:1 für die Gastgeber, ein Ergebnis das so in Ordnung geht.

Röchlingen bleibt im Aufstiegsrennen, die Borussia muss kämpfen

Der SV Röchling Völklingen bleibt so am Tabellenführer aus Mainz dran, drei Punkte trennen den zweiten noch vom direkten Aufstiegsplatz: Auch die Meisterschaft ist so noch drin! Das Polster auf Mechtersheim beträgt 8 Punkte, bei noch fünf ausstehenden Spielen kein schlechtes Polster auf den einzigen Club, der sich neben Mainz und Völklingen für die Regionalliga eingeschrieben hat.
Bei den Gästen sieht das anders aus: Für den Traditionsverein aus Neunkirchen wird die Luft im Abstiegskampf mit der Niederlage immer dünner, nach dem Spieltag ist man nur noch vorletzter vor den Statisten aus Burgbrohl (warum diese Bezeichnung keine Abwertung sein soll lesen Sie hier!).

Für den SV Röchling Völklingen geht es breits morgen gegen den Tabellensiebten in Gonsenheim weiter.

Die Tabelle………………………………………………….

1. TSV Schott Mainz 29 61
2. SV Röchling VK 06 29 58
3. FC Hertha Wiesbach 29 55
4. TuS RW Koblenz 29 51
5. TuS Mechtersheim 29 50
6. FC BW Karbach 29 48
7. SV Gonsenheim 29 47
8. FK Pirmasens II 29 45
9. SV Saar 05 Sbr.- 29 44
10. FV 07 Diefflen 29 44
11. TSG Pfeddersheim 29 42
12. SC Hauenstein 29 35
13. SV Morlautern 29 35
14. FSV Jägersburg 29 34
15. Arm. Ludwigshafen 29 29
16. FSV Salmrohr 29 29
17. Bor. Neunkirchen 29 28
18. SpVgg. Burgbrohl 29 01

Red./Tabelle: SVR06.de

 

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