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Bahnstrecken im Dornröschenschlaf: Grenzüberschreitender ÖPNV wieder im Gespräch

#Völklingen/#Saarland. Schon seit vielen Jahren berichtet Völklingen im Wandel immer wieder über die im Dornröschenschlaf befindlichen Gleisanlagen der ehemaligen Bahnlinien rings um Völklingen. Durch die Planungen von Verkehrsministerin Anke Rehlinger mit den Nachbarn Kooperationen für bessere Zugverbindungen zwischen dem Saarland und Frankreich zu forcieren bekommen die Fürsprecher einer Wiederbelebung dieser Bahnstrecken neue Impulse, so auch die Plattform Mobiltät SaarLorLux.„Ein altes Thema, das wieder, auch durch die Äußerungen von Anke Rehlinger neue Impulse bekommt.“, stellt Erhard Pitzius von der Plattform Mobilität SaarLorLux fest, weiter: „Die Plattform Mobilität SaarLorLux begrüßt die Darstellung von Ministerin Anke Rehlinger, natürlich müssen Taten folgen!“

Laut dem saarländischen Rundfunk will Rehlinger zunächst mit den an Frankreich grenzenden Bundesländern über die Perspektiven von grenzüberschreitendem Zugverkehr sprechen. Anschließend soll Kooperation mit dem Nachbarn Frankreich dann unter anderem Finanzierungsquellen für die Vorschläge gefunden werden.

Die Plattform Mobiltät ist gerne bereit ihre Vorschläge zu konkretisieren und in einen Dialog mit dem Ministerium für Wirtschaft Arbeit, Energie und Verkehr einzutreten, so der Sprecher der Plattform: „Zuerst ist es positiv zu werten, dass das Thema aus der Schublade genommen wird und eine öffentliche Diskussion hoffentlich möglich wird.“, weiß Pitzius den kleinen Schritt der Ministerin zu würdigen, bedauert aber: „Trotz der Frankreich-Strategie des Saarlandes fällt das Thema grenzüberschreitender ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) bei unserer Landesregierung auf fast keinen fruchtbaren Boden.“

Woran es liegen mag bleibt verborgen, spekulieren kann man über fehlende Weitsicht, und das nicht Vorhandensein eines nachhaltigen Gedankens oder man führt die (verfehlte) Verkehrspolitik (auch des Bundes) der letzten Jahrzehnte unbesehen fort.

Die Zeit des (eigenen) Autos geht langsam vorbei vorbei

Dies haben viele erkannt und mit neuen Angeboten wie autonomes Fahren und Carsharing wird sich die Zahl der Autos drastisch verringern.
„Experten gehen davon aus, dass bis zu 80% des Autobestandes in den nächsten Jahrzehnten verschwinden wird, weil nicht mehr jeder ein eigenes Auto besitzt oder besitzen muss.“, weiß Pitzius zu berichten, nennt aber keine Quellen.

„In Verbindung mit einem guten ÖPNV/SPNV (Öffentlicher Personennahverkehr/Schienenpersonennahverkehr) Angebot kann die Zahl der PKW noch reduziert werden, insbesondere wenn man wieder zu alten „Tugenden“ zurückkehrt und viele Dienstleistungen wieder zu Fuß oder dem Rad erreichbar sind. Da sind die Verkehrs- und Städteplaner gefragt an dieser Stelle nachhaltige Modelle zu entwickeln.“, so Pitzius.

Dies könne aber nur positive Auswirkungen haben, wenn die Politik die Rahmenbedingungen grundlegend verändert.
Der Bundesverkehrswegeplan trägt laut Erhard Pitzius dieser Veränderung im MIV nicht Rechnung, denn dort setzt man immer noch auf die Erweiterung und den Neubau des Straßennetzes, das in wenigen Jahren, bei der heutigen Entwickklung völlig überdimensioniert erscheinen mag.

Viele Politiker in Bund, Land und Kommunen haben die Zeichen der Zeit also wohl leider noch nicht erkannt, besonders im Saarland will man wohl an der Automobilität festhalten.

Politik igelt sich ein

„Wenn es um die Reaktivierung von Bahnstrecken geht, dann geht die Politik im Saarland gleich in Abwehrhaltung und igelt sich ein oder man argumentiert mit den (oft überhöht dargestellten) Kosten und tut dann so, als ob das Saarland diese Kosten alleine tragen müsste.“, so der Sprecher der Plattform, weiter: „Hier wird der Bürger einfach hinters Licht geführt, denn eine Straßensanierung oder Straßenneubau ist oft teurer als die Sanierung oder Reaktivierung einer Bahnstrecke. Auch bei der Reaktivierung von Bahnstrecken fließen Gelder vom Bund oder wie bei grenzüberschreitenden Projekten von der EU!“

Die Verkehre im SPNV werden aus Regionalisierungsmitteln bezahlt, die der Bund an die Länder überweist. Bei guten Ausschreibungen und Verträgen könne der SPNV ausgeweitet werden, so Pitzius. Gerade wegen der Grenzregion wäre eine Förderung der Reaktivierung laut Pitzius durch EU Mittel möglich, er begründet: „Die EU hat aus Mittel der regionalen Förderung sogar Zuschüsse für das TramTrain Projekt in Chemnitz (Chemnitzer Modell) gezahlt, ebenso wurde die Elektrifizierung der Bahnstrecke Leipzig – Hof zwischen Reichenbach Vogtland und Hof in Oberfranken von der EU mitfinanziert.“

Auch scot Rosselle habe viele Ideen, die einen nachhaltigen ÖPNV/SPNV in der Region nach Vorne bringen. Unter dieser Mitwirkung entstanden die TramTrain Studie und das Mosolf Gutachten für die Bisttalbahn. Pitzius: „Diese Gutachten zeigen, dass ein guter grenzüberschreitender SPNV/ÖPNV und sogar ein Güterverkehr möglich ist, der ca. 32.000 LKW Fahrten im Jahr einsparen kann und damit die Straßen im Saarland entlastet und sicherer macht. Die Politik im Saarland hält aber weiter an einer veralteten Verkehrspolitik fest, in der man Unfalltote und Schwerverletzte Menschen bewusst mit ins Kalkül zieht. Wer christlich, sozial oder auch wie neuerdings propagiert, nachhaltig handeln will, der muss auch in Bezug auf die Verkehrspolitik umdenken!“

Agenda für den SPNV liegt bei der Plattform Mobilität bereit

Die Plattform Mobilität und zuvor der VCD (Verkehrsclub Deutschland) haben eine Agenda mit Bahnstrecken, die für den SPNV reaktiviert werden sollen:

  • Hochwaldbahn: Gleise vorhanden
    >>> Sanierung notwendig >>> Reaktivierung in der ersten Stufe für einen Tourismusverkehr in der Nationalparkregion, zwischen Türkismühle und Nonnweiler paralleler Radweg möglich (trotz anderer Verlautbarungen der Politik)
  • Bisttalbahn: Gleise vorhanden
    >>> Sanierung notwendig >>> Reaktivierung im Güterverkehr (Container Terminal Überherrn) >>> Reaktivierung im SPNV mit Ziel Ringzug Saarbrücken – Fürstenhausen (Völklingen) – Hostenbach – Überherrn – Hargarten – Creutzwald – Béning – Forbach – Saarbrücken, Möglichkeit einer Verbindung Saarbrücken – Thionville – Luxemburg

    Bei Wadgassen kreut die Bisttalbahn die A620 (Foto: Hell/Archiv)
    Bei Wadgassen kreut die Bisttalbahn die A620 (Foto: Hell/Archiv)
  • Rosseltalbahn: Gleise vorhanden
    >>> Sanierung notwendig >>> Reaktivierung SPNV oder TramTrain mit Ziel Ringzug (Saarbrücken) Fürstenhausen (Völklingen) – Großrosseln (Karlsbrunn) – Morsbach – Béning – Forbach – Saarbrücken je nach Variante Anschluss oder Verbindung zum Ringzug aus Überherrn. (Neubau ca. 1 Km Gleis zwischen Großrosseln und Morsbach)

    Die Warndtstrecke müsste saniert werden, die Oberleitung ist abgebaut (Foto: Hell/Archiv)
    Die Warndtstrecke müsste saniert werden, die Oberleitung ist abgebaut (Foto: Hell/Archiv)
  • Linke Saarstrecke:
    Verlängerung der Rosseltalbahn und der Bisttalbahn in Richtung Saarbrücken >>> zweigleisig augebaut (Saarbrücken – Fürstenhausen), Fahrdraht noch bis Fürstenhausen vorhanden, es besteht die Gefahr eines teilweisen Rückbaus

    Die seit 2016 ungenutzte Bahnstrecke wäre dabei die Alternative zur parallel durch das Saartahl führenden A620 (Foto: Hell)
    Hier neben der Autobahnauffahrt bei Geislautern trifft die Warndtstrecke auf die linke Saarstrecke (Foto: Hell)
  • Niedtalbahn: Gleise vorhanden
    >>> SPNV zw. Dillingen und Niedaltdorf vorhanden >>> Reaktivierung SPNV nach Bouzonville >>> Möglichkeit einer Verbindung nach Luxemburg über Thionville
  • Primstalbahn: Gleise vorhanden
    >>> Teilsanierung notwendig >>> Zur Zeit Güterverkehr Fa. Meiser zwischen Dillingen und Limbach >>> Reaktivierung SPNV Dillingen – Schmelz-Limbach (Büschfeld) mit Reaktivierung Verbindung Primsweiler – Lebach.
  • ehemalige Merzig – Büschfelder Eisenbahn: Gleise vorhanden
    >>> Sanierung notwendig >>> zur Zeit Museumsbahn >>> Reaktivierung im SPNV  Merzig  – Nunkirchen (Büschfeld/Wadern) Stärkung des ÖPNV im Landkreis Merzig-Wadern
  • Ostertalbahn: Gleise vorhanden
    >>> Sanierung notwendig >>> zur Zeit Museumsbahn >>> Perspektive Streckenerhaltung und Güterverkehr zu Diehl Defence in Schwarzerden, Museumsverkehr – SPNV ?
  • Köllertalbahn (Etzenhofen – Völklingen): Gleise abgebaut, Trasse vorhanden
    >>> Perspektive Reaktivierung im SPNV

    Der Heidstocktunnel führte einst von der Saarstrecke ins Köllertal (Foto: Hell/Archiv)
    Der Heidstocktunnel führte einst von der Saarstrecke ins Köllertal (Foto: Hell/Archiv)
  • Homburg-Zweibrücken: Gleise abgebaut
    >>> Reaktivierung in der Planfeststellung
  • Obermoselstrecke: Gleise vorhanden
    >>> Reaktivierung SPNV grenzüberschreitend zwischen (Koblenz) Trier – Perl und Thionville (Metz)
  • Forbacher Bahn
    >>> Prüfung TramTrain, zumindest Reaktivierung des Haltepunktes Stiring-Wendel

„Arbeiten wir daran den Dornröschenschlaf einiger Bahnstrecken (und einiger Politiker) vor unserer Haustür zur beenden und hoffen auf die (neue) Weitsicht der Politik!“, motiviert Erhard Pitzius abschließend. Red/PM Erhard Pitzius für die Plattform Mobilität SaarLorLux