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Anke Rehlinger legt Digital-Agenda des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums vor

#Saarland. Wirtschafts- und Arbeitsministerin Anke Rehlinger hat ihre Digital-Agenda für die laufende Wahlperiode vorgestellt. „Weniger Theorie, mehr Praxis“, lautet das Motto, das sie dem Ministerium dafür vorgegeben hat. Ziel sei es, kleine und mittlere Unternehmen mit Geld und Wissen auf dem Weg in die Wirtschaft 4.0 zu begleiten und die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im weiteren Transformationsprozess zu wahren. Am 20. November nimmt im Ministerium die „Netzwerkstelle Digitalisierung“ (DiNet) ihre Arbeit auf. Dies berichtete sie bei einem Pressegespräch, an dem auch Prof. Dr.-Ing. Rainer Müller teilnahm. Er ist als wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Mechatronik und Automatisierungstechnik (ZeMA) maßgeblich mit dem neuen Kompetenzzentrum „Mittelstand 4.0“ befasst.

„Strukturwandel neuen Typs“

Anke Rehlinger: „Das Saarland ist ein produktionsintensiver Standort. Auf diesem Feld wird der Einfluss digitaler Prozesse besonders spürbar. Die datenbasierte Produktion wird aber mit Sicherheit noch zunehmen. Ebenfalls zunehmen wird auch im Saarland die Zahl der Unternehmen, die mit digitalen Geschäftsmodellen auf den Markt streben. Wir haben es im Saarland mit einem regionalen Strukturwandel neuen Typs zu tun, den wir nicht erdulden, sondern offensiv gestalten wollen.“


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Ein interdisziplinärer Digitalisierungskongress soll im Herbst 2018 Stärken und Schwächen des Standorts in den Blick nehmen und vorrangige Handlungsfelder definieren.

Neue Abteilung

Im Ministerium wurde zur Umsetzung der Digital-Agenda eine neue Struktur geschaffen. Unter der Überschrift „Energie-, Industrie- und Dienstleistungspolitik“ werden sich insbesondere die Referate „Digitalisierung und Zukunftsmärkte“, „Aus- und Weiterbildung, Fachkräftesicherung“ sowie „Grundsatzfragen der Industrie- und Dienstleistungspolitik“ mit dem neuen Schwerpunkt auseinandersetzen. Im Digitalisierungsreferat ist auch die Netzwerkstelle DiNet angesiedelt. Rehlinger: „Wir schaffen es durch die neue Struktur, ohne zusätzliches Personal ein zentrales Aufgabengebiet kompetent abzudecken.“

Die neue Abteilung bewirtschaftet unter anderem eine ebenfalls neue Titelgruppe des Landeshaushalts mit der Bezeichnung „Digitalisierung der saarländischen Wirtschaft sowie der Arbeitswelt“. Im Haushaltsentwurf für das Jahr 2018 ist sie mit rund 1,125 Mio. Euro dotiert.

Förderung

Im Rahmen der Digital-Agenda des Wirtschaftsministeriums geht es zunächst darum, Unternehmen an vorhandene Bundesprogramme heranzuführen, etwa an das Fördersystem „go digital“ des Bundeswirtschaftsministeriums. Es wird aber im neuen Jahr auch ein eigenes saarländisches Programm geben: „Digital-Starter-Saar“. Die Richtlinien sind in der Abstimmung, erste Anträge können voraussichtlich schon zum Jahresbeginn gestellt werden.

Auch Landesprogramme wie „Kompetenz durch Weiterbildung“ KdW und „Weiterbildungsberatung Saar“ oder die Investitionsförderprogramme für KMU werden in den Dienst der Digital-Agenda gestellt. Für das ESF-gestützte Programm KdW wird vor diesem Hintergrund besonders geworben. Das Symposium „Digitalisierung und Weiterbildung“ am 11. Dezember wird das Thema aufrufen und ist bereits Bestandteil einer mit mehrjähriger Perspektive konzipierten „Offensive Mittelstand 4.0“ mit einem Volumen von voraussichtlich 400.000 Euro bis zum Ende der Legislaturperiode.

Im Übrigen werden die Beratungskapazitäten der Kompetenzzentren „Power4Production“ (P4P) und „Mittelstand 4.0“ verzahnt und ausgeweitet.

Prof. Dr.-Ing. Rainer Müller dazu: „Zunächst möchte ich mich bei der Landesregierung für die gute Unterstützung bedanken. Das Zusammenwirken durch die Möglichkeit zur Erweiterung des ZeMA durch die Staatskanzlei und die weitsichtige Unterstützung des Wirtschaftsministeriums mit der Gründung des Industrie-4.0-Zentrums ‚Power4Production‘ haben uns erst die Möglichkeit gegeben hier ein breites Band an Unterstützungsleistung anzubieten.“

Bereits 2015 ist P4P mit Unterstützung des Wirtschaftsministeriums gestartet – deutlich bevor die entsprechende Bundesinitiative begann. „Hier wurde eine einmalige Zusammenarbeit von Produktionstechnikern und Informatikern begründet, die bundesweit ihr Pendant sucht“, so Müller. Die Zusammenarbeit des ZeMA mit dem DFKI habe zu mehreren von Bund und EU finanzierten Projekten geführt, die von Anfang an den Transfer von Industrie-4.0-Technologien in den Vordergrund gestellt haben: „Das war die Basis, um nun auch ein Mittelstandszentrum in das Saarland zu holen, das wir in enger Zusammenarbeit mit AWSi Scheer und der Saaris betreiben. So können wir nun eng verzahnt die beiden Zentren nicht nur lokal, sondern auch regional betreiben und die Aktivitäten vernetzen. Wir haben in diesem Kontext bereits mehrere Transferprojekte sehr erfolgreich durchgeführt und sind aktuell dabei, diese Aktivitäten weiter auszubauen.“ Dies geschehe auch über die Grenze hinweg mit den direkten Nachbarn. Müller: „Mit unseren Aktivitäten können wir im Umfeld der industriellen Produktion und Produktionstechnik nicht nur großen, sondern insbesondere mittleren und kleinen Unternehmen helfen. Dies bedient den ganzheitlichen Ansatz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“

Das ZeMA baut seine Tätigkeiten weiter aus. Bereits 2014 wurde die überregionale Robotix Academy gegründet, die im Umfeld von Industrie 4.0 einen Teilbereich abdeckt und zum Ziel hat, der Wirtschaft Technologien der Mensch-Roboter-Kooperation zur Verfügung zu stellen. „Auch hier wurden und werden wir von der Landesregierung unterstützt. Dabei kann ein großer Beitrag zu humaneren und konkurrenzfähigen Arbeitsplätzen in der Region geleistet werden. Mittelfristig werden ,Power4Production‘ und das Zentrum Mittelstand 4.0 Saarbrücken in Zusammenarbeit mit weiteren Beteiligten, wie zum Beispiel den Logistikern rund um das Institut für Produktionslogistik (IPL), einen weiten Bereich an Leistungen, wie ersten Einführungen in Industrie 4.0 bis hin zu Testinstallationen in den Betrieben anbieten und hier offen und komplementär zu anderen Aktivitäten arbeiten. Diese gilt es nun effizient in einem Netzwerk zu organisieren ohne Doppelstrukturen zu schaffen“, so Prof. Müller.

Die Netzwerkstelle DiNet

Im Fokus von DiNet stehen der Vernetzungsgedanke und die Schaffung von mehr Transparenz: Die Netzwerkstelle erhält hierfür den Charakter eines Digitalisierungslotsen. Sie hat den Auftrag, das regionale Netzwerk Digitalisierung zu organisieren. Ein solches Netzwerk entspreche dem häufig vorgebrachten Wunsch des Mittelstandes, so die Ministerin. Es gebe im Land bereits zahlreiche Hilfestellungen, jetzt komme es darauf an, mehr Transparenz herzustellen und Lücken zu schließen, „was insbesondere das Beratungsangebot betrifft“. Als Basis wird eine „Digitalisierungslandkarte“ erstellt, um die vielfältigen Aktivitäten im Land zu visualisieren und für den Mittelstand leicht zu erschließen.

Die Netzwerkstelle nimmt auch den Breitbandausbau in den Blick, um die Interessen der Saarwirtschaft zu wahren. DiNet ist außerdem für die Zertifizierung der Digitalisierungsberater/innen zuständig, die künftig Know-how bedarfsorientiert in die Unternehmen hineintragen werden.

Weitere wichtige Aufgabe von DiNet wird es sein, gemeinsam mit den Netzwerkpartnern eine saarländische Digital-Strategie aus einem Guss auf den Weg zu bringen. „Ziel dieser Strategie wird es sein, in der Saarwirtschaft einen Mehrwert für alle Branchen und Betriebsgrößen zu erzeugen“, erklärt Ministerin Rehlinger. Diese werde im Zusammenspiel von Saarwirtschaft, Beschäftigtenvertretern, Wissenschaft und Politik entwickelt.
Digitalisierung und Arbeitswelt

DiNet wird sich, so Ministerin Rehlinger, „schwerpunktmäßig auch mit der zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt befassen“. Zum Beispiel müsse die Frage nach dem Arbeitnehmerdatenschutz dringend gestellt werden: „Außerdem werden wir diskutieren, wie die aktuellen Entwicklungen und innovative Unternehmensmodelle wie Crowdworking auch Anpassungen des Betriebsverfassungsgesetzes erforderlich machen. Die zunehmende Digitalisierung in den Betrieben muss von den Beschäftigtenvertretern auf Augenhöhe mitgestaltet werden.“

Die saarländische Arbeitsmarktpolitik werde sich in den nächsten Jahren einem besonderen Thema intensiver zuwenden: „Es geht um Arbeitsplätze, die durch die Umstellung auf digitale Prozesse potentiell bedroht sind. Hier brauchen wir pragmatische Ansätze auf der Grundlage wissenschaftlicher Einschätzungen“, sagt Anke Rehlinger. Beschäftigten, deren Tätigkeiten durch die Digitalisierung bedroht sind, sollen durch neues Wissen neue Perspektiven eröffnet werden.

IT- und Cybersicherheit

Auch das Thema IT- und Cybersicherheit ist Teil der Digital-Agenda. Es gewinnt für alle Wirtschaftssektoren zunehmend an Bedeutung. Rehlinger: „Mit der zunehmenden Digitalisierung von Produktions- und Handelsprozessen entwickelt sich der Schutz der digitalen Infrastruktur zu einem wesentlichen Standortfaktor. Dem tragen wir mit einer Motivations- und Informationskampagne und einer Fachveranstaltung im ersten Halbjahr des kommenden Jahres Rechnung.“ PM Land

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