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Ein Blick in unsere Vergangenheit

Völklingen. Wissenschaftler des Institiutes für Antropologie untersuchten 411 bei den Ausgrabungen rund um die ehemalige Martinskirche geborgene Skelette und präsentierten am vergangenen Mittwoch die Ergebnisse. Die Umgestaltungsplanungen des Geländes bleiben allerdings (vorerst) nur ein Wunsch.

Doktorandin Petra Held von der Universität Mainz erläuterte den Besuchern im Alten Rathaus anhand einer Schautafel die Ergebnisse
Doktorandin Petra Held von der Universität Mainz erläuterte den Besuchern im Alten Rathaus anhand einer Schautafel die Ergebnisse – Foto: A.Hell

Mindestens 706 Individuen hat man auf dem ehemaligen Friedhofgelände rund um die Martinskirche geborgen. Alleine 293 Oberschenkelpaare – welche also auch von mehr Menschen stammen könnten – in einem ehemaligen Ossuar.
Bei den Untersuchungen im Auftrag der Stadt Völklingen beschränkten sich Professort Dr. Kurt W. Alt und Diplom-Biologin Petra Held auf rund 400 dieser Individuen. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit rekunstruierte Held das Leben der „alten Völklinger“.


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Dazu mussten die Knochen zunächst gesäubert, getrocknet und anschließend zusammengefügt werden. Nach dem das Skelett rekunstruiert war konnte man zum Beispiel an Hand der Becken das Geschlecht bestimmen, da das Becken der Frau breiter und der Schädel des Mannes robuster gebaut wären.
Anhand erhöhter Östrogenwerte konnte man bei biochemischen Untersuchungen außerdem feststellen, dass einige der geborgenen Frauen schwanger waren.

Desweiteren zeigen die Knochen eindeutig, dass die Frauen deutlich kleiner waren als die Männer, aber auch die Zähne bereiteten den Völklingern in der Vergangenheit Probleme, dies wird offensichtlich, da 75 Prozent der begutachteten Individuen Karies vorwiesen. In den letzten Jahrhunderten musste auch körperlich härter gearbeitet werden, dies ging gerade den Männern auf die Knochen. Dies konnte die Doktorrandin anhand von Fotos und Röntgenaufnahmen gut veranschaulichen.
Seit etwa 400 Jahren gab es in Völklingen offensichtlich auch einige Pfeiffenraucher, diese klemmten die Pfeiffe meist an der gleichen Stelle zwischen die Zähne, was „praktische Löcher“ (Held) in den Zähnen von sieben Individuen hinterlies.

Völklinger waren sozial

An den sterblichen Überresten konnte man auch feststellen, dass bis auf eine Ausnahme alle Knochenbrüche verheilt waren – und wohl auf Unfälle zurück zu führen sind. Dies zeigt ein recht friedvolles Miteinander. Desweiteren konnte man anhand eines Mädchen-Skeletts feststellen, dass man sich in Völklingen auch um Menschen mit Behinderung kümmerte, denn dieses Kind litt unter einem Wasserkopf. Das Kind wäre keine acht Jahre alt geworden, wenn man nicht um es gekümmert hätte.
Doch trotz allem Füreinander, auch die Kinder mussten mit arbeiten – darauf lässt eine erhöhte Sterblichkeitsrate im Alter von 6-8 Jahren schließen. Außerdem waren die Kinder kleiner als dir Norm, was auf eine Mangelernährung schließen lässt.

Klaus Lorig kündigt eine kleine Zusammenfassung der Ergebnisse in Schriftform an
Klaus Lorig kündigt eine kleine Zusammenfassung der Ergebnisse in Schriftform an – Foto: A.Hell

Der Völklinger Oberbürgermeister Klaus Lorig erklärte den etwa 40 Anwesenden, es sei geplant die Forschungsergebnisse in einer Ausgabe der „Völklinger Schätze“ zu veröffentlichen – frühestens aber im nächsten Jahr. Derweil liegen die Gestaltungspläne im Alten Brühl zwar noch „auf dem Schreibtisch“, doch zur Zeit fehlt das Geld um das Vorhaben zu verwirklichen – doch man bemühe sich.

Mehr zum Thema finden Sie unter: http://www.voelklingen-im-wandel.de/gebaeude-martinskirche.php

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