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Völklingen im Wandel • Die Völklinger Geschichte • 1871 - 1900


1871:
10. Mai: Der Friede von Frankfurt am Main beendete den Deutsch-Französischen Krieg. Elsaß und Lothringen kamen zum Deutschen Reich.

1872:
eine 6 km lange Verbindungsbahn vom Bahnhof Völklingen zur Grube Viktoria in Püttlingen wurde fertig. Die Grubenbahn führte durch das Gelände der Kohlen-und Rohproduktenhandlung Schiel & Co (heute Verkehrskreisel Heidstock), kreuzte die Provinzialstraße (obere Karl-Janssen-Str.) und lief über den "Schwarzen Weg" durch den Völklinger Wald zur Grube.
25. Juli: Die Freiwillige Feuerwehr Völklingen wurde unter Bürgermeister Kühlwein gegründet. Sie bestand aus 2 Löschzügen.

1873:
Gründung der Völklinger Eisenhütte in der Gemarkung "Jungfernbrühl". Sie arbeitete zunächst mit 10 Puddelöfen und drei Schweißöfen.
In Obervölklingen wurde ein Schulhaus erbaut und im Herbst in betrieb genommen.

1874:
Der Gemeinderat unter Bürgermeister Kühlwein beschloss einstimmig den bau eines neuen Gemeindehauses. Im "Unterdorf" wurde dagegen Protest eingelegt, da der Weg zu weit wäre. Mit dem Bau des neuen Rathauses wurde die Verlagerung des Ortszentrums vom "Alten Brühl" an der Saar, an die Hauptstraßen nach Wehrden und Bous eingeleitet.



1. Rathaus

1875:
In der Kühlweinstraße wurde ein neuer Friedhof angelegt.

1876:
Erschien erstmals die "Völklinger Zeitung", die später in "Völklinger Nachrichten" umbenannt wurde.
Der Anna-Schacht wurde als "Simschelter Schacht" angehauen. Das damals 2stöckige Rathaus wurde bezogen.
Im Knappschaftslazarett sind in diesem Jahr insgesamt 552 Patienten behandelt worden.

1879:
Der Bürgermeister Jakob Kühlwein verstarb am 20. Oktober und wurde auf dem Friedhof Kühlweinstraße (jetzt Bürgerpark) bestattet.

Grab von Kühlwein

Neuer Bürgermeister wurde Carl Stürmer.
Es arbeiteten bereits 345 Beschäftigte auf der Völklinger Eisenhütte, die aber wegen Absatzschwierigkeiten im gleichen Jahr stillgelegt wurde.
27. November: Hochwasser in Völklingen. Pegelstand von 8.70m.

1881:
Bebauung in dieser Zeit:



Im Juni erwarben die Gebrüder Haldy die stillgelegte Hütte auf einer Versteigerung für 200.000 Mark und verkauften sie im August an den Saarbrücker Kaufmann Karl Röchling für 270.000 Mark. Das Völklinger Eisenwerk entwickelte sich unter der Familie Röchling in den folgenden Jahren zu einer der größten und modernsten Hütten in Deutschland. Der große Bedarf an Arbeitskräften bedeutete für Völklingen und Umgebung nochmals eine rasante Bevölkerungsentwicklung.

1882:
Auf der "Hütte" wurde am 2. Juli der Grundstein zum 1. Hochofen gelegt. Röchling gründete im gleichen Jahr eine Betriebskrankenkasse.

1883:
Der 1. Hochofen der Völklinger Hütte und die Gasgebläsehalle wurden in Betrieb genommen. Die Puddel- und Schweißöfen wurden stillgelegt.
Die Hütte erbaute die Kolonie I und Häuser für leitendes Personal am alten Bahnhof (Torhaus 6).

1884:
Die Hütte begann mit dem Bau von dreizehn zweigeschossigen Arbeiterhäusern in der KolonieIII (Eupener Straße). Zur gleichen Zeit wurde die KolonieII (Hochstraße) erbaut.
Röchling beschäftigte schon 1067 Mitarbeiter.

1885:
Einwohnerzahl: 6449
Carl Röchling rief eine Pensionskasse für Arbeiter ins Leben.

1888:
Die erste Sparkasse der Gemeinde Völklingen wurde am 18. Januar gegründet.

1889:
Die Saarkanalisierung war fertiggestellt.

1890:
Die Völklinger Hütte war mit einer Jahreserzeugung von 70164 t Träger und 14502 t Schweißeisen das größte Trägerwalzwerk Deutschlands.
Eine Nähschule wurde eingerichtet.

1891:
Das "Kaiserliche Postamt" in der Poststraße wurde errichtet und als Postamt 2. Klasse eröffnet.

1892:
Oberhalb des Wehres entstand an der Wehrdener Brücke eine Flußbadeanstalt von der Firma Röchling für ihre Werksangehörigen, aber auch für die Bevölkerung errichtet.
Auf Ersuchen von Herrn Pastor Stölpe übernahmen 4 Waldbreitbacher Schwestern die häusliche Krankenpflege in der katholischen Gemeinde.

Josephs-Krankenhaus


Das St.Josephs-Krankenhaus.
Bild ca. 1910 ( Quelle:"Völklingen vormals").

1893:
Bau des heute noch erhaltenen "alten Bahnhofs Völklingen" ; und der Unterführung nach Wehrden.
Seit dem Jahre 2000 wird der Bahnhof von der Volkshochschule und einer Arztpraxis genutzt.

Alter Bahnhof 1893


Der "Alte Bahnhof" im Jahre 1893.

1894:
trat an Stelle der Gemeindebrunnen eine zentrale Wasserversorgung mit Hochbehälter und einem Pumpwerk in der Kühlweinstraße.
Die 4 katholischen Schwestern, die 1892 die häusliche Krankenpflege übernommen hatten eröffneten eine Handarbeitsschule zur Unterweisung junger Mädchen in allen Näh- und Handarbeiten, sowie eine Kinderbewahrschule (Kindergarten)

1895:
erbaute der Landkreis eine feste Brücke von Obervölklingen nach Stangenmühle-Fenne, die sich durch Erheben von Brückengeld bezahlt machen mußte, wozu mehrere Jahre gebraucht wurden.
Einwohnerzahl: 10463

1896:
In der Luisenstraße (Karl-Janssen-Str.) wurde eine neue Volksschule, die "Luisenschule" erbaut.
Für schwächliche Kinder wurde von der Hütte eine "Sommerfrische" angeboten.

1897:
Bau der Koksanlage in Völklingen mit 104 Koksöfen. Eine Beamtenpensionskasse kam zu der Pensionskasse für Arbeiter. Die Hütte wurde in "Röchling'sche Eisen- und Stahlwerke GmbH" umbenannt.
Das St.-Josephs-Krankenhaus hinter der "Eligiuskirche" wurde in Betrieb genommen. Es hatte in seiner Multikfunktionalität Ähnlichkeiten mit mittelalterlichen Hospitälern: Nicht nur Kranke wurden hier behandelt und gepflegt, sondern auch Waisen und Pfründer (Mittellose) betreut. Auerdem wurden hier der Kindergarten und die Handarbeitsschule angesiedelt. 1903/4 erweiterte man es, ehe es 1936 durch das St.Michaels-Krankenhaus ersetzt wurde.



Josefskrankenhaus um 1897.

1898:
Ein Alters- und Siechenheim "Richardstift" wurde gebaut.

Richardstift


"Richardstift"
Bild ca. 1910 ( Quelle:"Völklingen vormals").

Eine Invalidenwerkstatt und eine Verbandstation wurden von Röchling eingerichtet.

1899:
17.8.1899: Das Hüttenkrankenhaus war fertig:

Altes Hüttenkrankenhaus


Altes Hüttenkrankenhaus

Das medizinische Personal wohnte ständig im Ober- und Dachgeschoss. Die medizinische Leitung hatte ein Kassenarzt, die Pflege wurde von Diakonissinnen des Diakonievereins Berlin-Zehlendorf übernommen.
Das "Königliche Amtsgericht wurde am 1. Mai 1899 seiner Bestimmung übergeben.

Amtsgericht


Das Amtsgericht. (Aufnahme aus dem Jahr 2001)


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Poststraße um 1880
© Hk.V.W.

Blick auf die 1. Schule in der Rathausstraße 1880

1890

1893

Post-und Rathausstraße 1900

alte Postkarte

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