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Völklingen im Wandel • Die Völklinger Geschichte • 1601 - 1800


1604:
Zur Gründung einer Hugenottengemeinde in Ludweiler musste der Völklinger Hof ein Stück Land abtreten.

1618:
Ausbruch des 30jährigen Krieges. Anmerkung: Während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) dezimierte sich die Bevölkerung der gesamten Saarbrücker Grafschaft um 84%.

1621:
Der erste bestallte Schulmeister wurde erwähnt.

1627:
Kaiserliche Truppen die "Kratzischen Regimenter" nahmen in der Grafschaft Saarbrücken Quartier. Sie verlangten Geld, Dienstleistungen und Verpflegung. Hinzu kamen Ausschreitungen und Rachefeldzüge der Soldateska, da die Offiziere mit dem Grafen Ludwig verfeindet waren.

1628:
1 Pfarrer, 1 Schulmeister, 1 Meier, 68 Untertanen, 18 Witwen, 1 Vormundschaft und 5 Hirten.

1635:
Kaiserliche Truppen unter Graf Gallas, Lothringer unter Herzog Karl IV., Schweden unter Bernhard von Weimar und die mit ihm verbündeten Franzosen führten zw. Rhein und Mosel ihre Feldzüge durch. Während die Landesherren mit einem Teil ihrer Beamtenschaft nach Metz flüchteten, war die Bevölkerung in den Städten und Dörfern der barbarischen Soldateska ausgeliefert, die ohne Unterschied von Freund und Feind auf Raub- und Beutezüge als Ausgleich für rückständigen Sold ging. Am Ende dieses Jahres vermerkte der Saarbrücker Rentmeister Klicker: "Völklinger Hof oder Meierei, darinnen nicht mehr als acht oder neun Untertanen". Den Bevölkerungsverlust in der gesamten Grafschaft schätzt man auf 84%. Damit zählt das Land an der Saar zu den deutschen Landschaften, die am stärksten unter dem Krieg gelitten haben.

1652:
Die trostlosigkeit dieser Zeit verdeutlicht ein Bericht des Wadgasser Abtes Philipp Gretsch. Dieser kehrte 1652 in die zerstörte Abteil zurück und bemerkte auf einer Kirchenrechnung:
"Die meisten Einwohner sind im höchsten Aufruhr, was sich nicht wohin salviert hat, gestorben." Weiter hob er hervor, dass das Kloster mehr als 100 mal geplündert worden sei.
Auch der "Werbelner Hannes", die Schreckgestalt manches Kindes, existierte wirklich:
"Ein Mann namens Hans aus Werbeln, der weilen er mit wollen in der Bedrängnis mit anderen aus dem Lande weichen, ist dahin gerathen, daß er die Menschen todtgeschlagen und gefressen hat, tanta fames erat. Ich sah mit eingenen Augen die Eingeweide und Gebeine erschlagener Menschen. Und habe eine Frau in Fürstenhausen beerdigen lassen, welche bei ihm (dem obengesagten Menschenfresser) zum Übernachten (mit ihrem Manne) eingekehrt war - denn sonst war aus jener Gegend außer ihm Niemand in Werbeln - die er totgeschlagen hat. Der Mann der Erschlagenen hatte zwar einige Streiche im Schlaf erhalten, er hatte sich aber aufgerafft und entfloh.- O, welche Zeiten!"

ab 1660:
Wiederbevölkerung Völklingens.

1672:
Die Martinskirche wurde notdürftig repariert.

1680:
Völklingen 12 Familien, Wehrden und Fürstenhausen je 5 Familien.

1684:
Offizielle Wiedereinführung der katholischen Konfession in Völklingen. Die Martinskirche wurde Simultankirche, d.h., beiden Konfessionen zur Verfügung gestellt. Am 17. Dezember hielt der Wadgasser Prämonstratensermönch Godelfricus Bleymann den ersten katholischen Gottesdienst, 1686 wurde er der erste katholische Pfarrer.
Viele Katholiken zogen nach 1660 in die entvölkerte Grafschaft Saarbrücken; sie wurden von den protestantischen Grafen nicht nur geduldet sondern als Steuerzahler sogar dringend benötigt. Außerdem hielt der französische König Ludwig XIV. die Grafschaft Nassau-Saarbrücken von 1679 bis 1697 besetzt und förderte den katholischen Glauben.

1688:
61 Familien am Völklinger Hof, von denen 47 katholisch, 9 evangelisch und 5 reformierten Glaubens.

1697:
Der Saarbrücker Graf wurde durch den Frieden von Ryswick wieder in seine alten Rechte eingesetzt. Eine Klausel im Vertrag sicherte aber den Katholiken freie Religionsausübung. Die Katholiken in Völklingen nun wieder in der Minderheit, und die Protestanten teilten sich weiter die Martinskirche und hielten dort abwechselnd Gottesdienst. Das Kirchenvermögen verblieb aber ausschließlich in protestantischen Händen.

1701-1713:
Dies war die Zeit des spanischen Erbfolgekrieges. Um bequemer und schneller über die Saar bei Wehrden setzen zu können bauten die französischen Truppen damals eine Holzbrücke von der es heißt, dass sie bis 1731 vorhanden, aber dem Verfall nahe war.

1705:
Das erste Schulhaus für protestantische Schüler wurde errichtet.

1730:
Völklingen zählte 60 Familien, die Gemeinde ließ ein größeres Schulhaus errichten.

1734:
Bau der Straße Völklingen-Bous.

1737:
Völklingen erhielt eine Dorfordnung mit 26 Artikeln und Verordnungen. Übliche Strafmittel zu dieser Zeit waren: das "Handt- oder Halsbandeisen", die "Trille" oder Cachot", und auch der "Schandpfahl".

1738:
Die 1672 notdürftig reparierte Martinskirche wurde neu aufgebaut. Von dem mittelalterlichen Bau blieben nur der Turm und die Nordmauer des Schiffes erhalten. Der gotische Chor und die Sakristei fielen den Abbrucharbeiten zum Opfer. Die Südwand des Schiffes wurde abgebrochen und 2,5m nach Süden hinausgeschoben und ein vergrößerter "barocker" Chor neu errichtet.

1742:
Zweimal in der Woche fuhr eine Postkutsche von Saarbrücken über den Heidstock und Völklingen nach Saarlouis.

1756:
Amtmann Lex: Zur Meierei Völklingen gehörten die Dörfer Völklingen, Wehrden, Fürstenhausen, Geislautern und Knausholz. Das Dorf Völklingen zählte: 74 Häuser, davon 3 leerstehende.
Die Bevölkerung war größtenteils leibeigen: 65 fronbare Gemeinsmänner, 4 Witwen und 1 Hintersasse, 7 Personen waren vom Frondienst befreit; der Meier, der Pfarrer, der lutherische Lehrer, der Jäger, der Büttel und die beiden Hirten.
5 Einwohner waren wohlhabend, 18 verfügten über ein mittleres Einkommen, alle übrigen standen sich schlecht.
19 Gemeinsmänner waren katholisch, zwei Frauen reformiert, der Rest lutherisch.
Der Bann des Völklinger Hofes umfasste 11.498 Morgen.

1766:
Mit der französischen Krone wurde ein Länderabkommen geschlossen:
Neben Püttlingen kam auch "das kleine Dorf Louisenthal, vormals Rockenhausen genannt" zur Grafschaft Nassau-Saarbrücken.

1787:
Der Völklinger Hof erhielt einen Schultheißen als obersten Gräflichen Beamten. Wilhelm Neßler trat als ersten dieses Amt an und löste den bisherigen herrschaftlichen Meier ab.

1797:
Der Friede von Campo Formio zwischen Preußen und Frankreich bestätigte die Zugehörigkeit des gesamten linken Rheinufers zur Französischen Republik. Das Gebiet des ehemaligen Völklinger Hofes wurde in eine "Mairie" (Bürgermeisterei) mit Sitz in Völklingen umgewandelt. Dazu gehörte auch Fürstenhausen. Verwaltungstechnisch unterstand die Mairie Völklingen dem Kanton St. Arnual und dem Département Sarre (mit Sitz in Trier) Der erste "Maire" (Bürgermeister) in Völklingen wurde der bisherige Schultheiß Nessler.


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