Über die Namensgebung der Herrmann-Röchling-Höhe • Ehre, wem Ehre nicht gebührt(?)
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von Andreas Hell am 16.06.2011
Vorwort: Bei der Hermann-Röchling-Höhe handelt es sich um den zweitkleinsten Stadtteil der Mittelstadt Völklingen, er entstand in den 1930er Jahren als
Stammarbeitersiedlung der Röchlingschen Eisen- & Stahlwerke. Ursprünglich "Bouser Höhe" genannt, wurde der Stadtteil 1956 zu Ehren von Kommerzienrat Dr.
Hermann Röchling durch einen Stadtratsbeschluss umbenannt.
Spätestens als 2000 ein ARD Fernsehnmagazin darauf aufmerksam machte, dass Herrmann Röchling als verurteilter Kriegsverbrecher ein ganzer Stadtteil
gewidmet und er dazu bis heute Ehrenbürger der Stadt Völklingen ist, wurde Kritik am der Namensgebung des Stadtteils laut.
Worauf diese Kritik beruht, wird zum einen durch Wikipedia klar:
Röchling und der Nationalsozialismus
Am 21. Juli 1933 intervenierte er bei Hitler für eine Annexion des Saarlands mit der Aussage, damit dies kein „jüdischer Nationalpark“ werde, und 1935 trat er in die NSDAP ein. Zur Zeit von
Nazi-Deutschland wurde auf die Initiative von Hermann Röchling hin die Deutsche Front (DF) gegründet, die für den Anschluss des Saargebiets an das Deutsche Reich eintrat. Der Quierschieder
Bürgermeister Peter Schaub war von Röchling beauftragt, die Gegner des Anschlusses bei Veranstaltungen im Saarbrücker Johannishof mit einem versteckten Mikrofon auszuspionieren.
Der Johannishof wurde von Gerhard Graf, dem Vater von Willi Graf geleitet. Bereits zu dieser Zeit unterhielt Röchling enge Verbindungen zu den Nationalsozialisten.
1935 trat Röchling dem Rüstungsbeirat des Reichswehrministerium bei, fungierte als Aufsichtsratsmitglied in zahlreichen Firmen der Montanindustrie. Aus diesem Grund wurde er
bald darauf zum Wehrwirtschaftsführer und zum Leiter der „Bezirksgruppe Südwest der Wirtschaftsgruppe Eisenschaffende Industrie“ ernannt. Bis 1936 war er Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft,
ferner war er Senator der Deutschen Akademie in München.
Zwischen Juli 1940 und Juni 1942 wurde Röchling zum Generalbevollmächtigten für die Eisen- und Stahlindustrie in Lothringen, Meurthe-et-Moselle und Longwy ernannt – in Rivalität zu Friedrich Flick,
der ebenfalls auf die lothringische Stahlindustrie ein Auge geworfen hatte. Danach, ab Juni 1942, wurde Röchling Leiter der „Reichsvereinigung Eisen“ und mit dem Adlerschild des Deutschen Reiches
ausgezeichnet.
Röchling stand in einem engem Vertrauensverhältnis zu Hitler. Als Röchling am 18. Mai 1942 an einer Mittagstafel mit Hitler teilnahm, wurde er von Hitler als renommierter Gast und alter Bekannter
aus der „Kampfzeit“ und als „eine in ihrer Zurückhaltung und Abgeklärtheit besonders eindrucksvolle Industriellenpersönlichkeit“ präsentiert. Röchling schrieb für Hitler mehrere Denkschriften,
so zum Beispiel am 17. August 1936 unter dem Titel: „Gedanken über die Vorbereitung zum Kriege und seine Durchführung“ in der er Hitler zum Krieg gegen die Sowjetunion aufforderte. Er schrieb:
„Immer drohender wird die Kriegsgefahr für das deutsche Volk. Im Osten steht Russland mit seiner kommunistischen Staatsauffassung und der Gottlosenlehre im schärfsten
Gegensatz zum nationalsozialistischen Deutschland, das ihm den Weg zur Weltrevolution versperrt. […] Es ist nicht zu sehen, worin die Möglichkeit bestehen sollte, den
Entscheidungskampf zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus zu vermeiden“
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Außerdem wurden wegen des Arbeitermangels während des 2. Weltkrieges zehntausende Kriegsgefangene aus Osteuropa mit den sog. Röchling-Transporten ins Saarland gebracht, um die an der Front
eingesetzten Arbeiter in Gruben und Stahlwerken zu ersetzen. Die Bezeichnung "Röchling-Transporte" oder auch "Röchling-Aktionen" beschreiben nicht nur die Verschleppung ins Saarland, sondern
für alle Transporte in deutsche Schwerindustrie.
Um die neuen Arbeiter in der saarl. Industrie unter Leistungsdruck zu setzen, lässt Hermann Röchling in Köllerbach (nicht fern von Völklingen) ein Straflager für »widerspenstige Fremdarbeiter« errichten. Hier wurden
zahlreiche widerwillige Arbeiter misshandelt, selbst der Tod vieler Sklaven wurde in Kauf genommen.
Nach dem Krieg taucht Hermann Röchling unter, wird jedoch schnell von den französischen Besatzern gefangengenommen und später vor Gericht wegen »Verbrechen gegen die Menschlichkeit«
zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt, obwohl über 1500 Entlastungsdokumente aus verschiedenen Kreisen und Ständen dem Gericht vorliegen. Während der Verhandlungen bereut er nichts.
Im Saarland reagiert man erstaunlicherweise anders als erwartet:
111 Pensionäre der Völklinger Eisenwerke möchten für »ihren« Papa Röchling die Strafe nacheinander absitzen, auch von Seiten der saarländischen Regierung setzt man sich für die Freilassung ein. Nach
Zustimmung des fanz. Statthalter Monsieur Gilbert Grandval kommt Hermann Röchling nach 5 Jahren wieder frei, darf das Saarland aber nie wieder betreten.
Er zieht zu seiner Familie nach Mannheim, wo er im Alter von 82 Jahren stirbt.
Kommerzienrat Dr. Hermann Röchling wird Namensgeber eines Stadtteils
Wie bereits 1942 durch NSDSP-Kreisleiter Graf bekanntgegeben und zwischenzeitlich widerrufen, wird nach einem Stadtratsbeschluss vom 13. August 1956 am 26. August die Umbenennung der "Bouser Höhe" in
"Hermann-Röchling-Höhe". Damit wird das Engagement von Kommerzienrat Dr. Hermann Röchling bei der Gründung der Stammarbeitersiedlung gewürdigt, so die damalige Begründung.
Heute, spätestens nach einem ARD-Bericht, steht dieser Schritt, neben der Ehrenbürgerschaft Röchlings in der Kritik.
2010 gründet sich die "Bürgerinitiative gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit" auf der Hermann-Röchling-Höhe, sie tritt für die Rückbenennung des Stadtteils in "Bouser Höhe" ein, was wiederum
woanders auf Kritik stößt.
"Bouser Höhe" oder doch nur "Röchling-Höhe"
Ohne Zweifel: Die Ehrung eines Kriegsverbrechers in einem Stadtteilnamen ist nicht richtig und schadet dem Ansehen der Stadt Völklingen, die Ehrenbürgerschaft des Hermann Röchling tut ihr übriges und
gehört zweifelsohne sofort aberkannt. Allerdings stellt sich nun die Frage: Wie geht man mit dem Namen des Stadtteils um? Hier sind sich die Bürger uneins:
Die einen sagen: Ganz klar, der Name muss sich komplett ändern und plädieren für "Bouser Höhe", was bei anderen auf Ängste stößt, da dieser Name Verwechlungsgefahren mit dem Nachbarort Bous in sich birgt.
Andere sind für die Umbenennung in "Röchling-Höhe", und agumentieren damit, dass es immernoch eine ehemalige Werkssiedlung der Röchlingschen Eisen- & Stahlwerke ist. Außerdem würde damit Hermann Röchling
nicht mehr persönlich geehrt, was der Zielsetzung der BI entsprechen würde. Das Stahlwerk selbst trägt dem Namen Röchling bekanntlich auch nicht allein durch Hermann, sondern durch Hermann Röchlings
Vater Carl Röchling
und seinen Brüdern Theodor und Fritz, mit denen Carl Röchling die Hütte nach dem Erwerb "Völklinger Eisenwerk Gebrüder Röchling" nannte.
Natürlich gibt es auch Menschen, die den Ortsnamen gerne beibehalten würden. Dies beruht wohl bei den Meisten auf Gewohnheit, oder aber auch darauf, dass sie Ihr Wasser und Brot eben "uff'm Herrmann
seiner Hüdd" verdient haben, und den Namen daher Hermann Röchling positiv ansehen.
Völklingen keine Stadt der Rechtsextremen
Die Bürger der Stadt machen sich also ihre Gedanken über diese Namensgebung, und selbst die Anhänger des aktuellen Namens haben nicht die Grausamkeiten des Hermann Röchling im Kopf - sondern verbinden
diesen Namen mit positiven Dingen die er ihnen brachte, diese Ansicht mag vielleicht etwas mit Scheuklappen behaftet sein, aber beruht bestimmt nicht auf rechten Tendenzen, jener die so denken.
Meinung des Autors
Wie Sie diesem Bericht entnehmen können war Kommerzienrat Dr. Hermann Röchling stark an den Verbrechen der Nazis beteiligt.
Bis ich mich mit diesem Thema etwas genauer beschäftigte, dachte ich, wie viele andere Völklinger, Hermann Röchling wäre ein guter Mensch gewesen und sah dabei nur das, was er für Völklingen und seine
Umgebung brachte: Er war als Chef der Röchlingschen Eisen- & Stahlwerke der Mann, der den Völklingern, und vielen Menschen aus der Umgebung, Arbeit brachte und damit der Region zu einem beachtlichen
Aufschwung verholf.
Auch die vielen betrieblichen sozialen Einrichtungen, und sein Engangement beim Bau der Siedlung auf der Bouser Höhe brachten Hermann Röchling viele Anhänger ein. Man übersieht schnell wie er damit seine Arbeiter
von sich und seiner Farik abhängig machte.
Wenn man sich näher mit der Person Kommerzienrat Dr. Hermann Röchling befasst, wird man schnell eines besseren belehrt: Er war ein zurecht mehrfach verurteilter
Kriegs- und Menschenrechtsverbrecher. Dies mit einer Ehrenbürgerschaft zu würdigen ist nicht angebracht, genau so wenig wie ihm persönlich einen Stadtteil zu widmen.
Als die Diskussion über die Umbenennung der heutigen "Hermann-Röchling-Höhe" Anfang 2010 wieder entfachte, überlegte ich mir welche Lösung ich für angebracht halte. Ich kam für mich zu dem Entschluss
"Röchling Höhe" (oder auch "Röchling-Höhe" geschrieben) wäre der beste Spagat zwischen der Völklinger Geschichte und dem was sich viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt wünschen, die Aufhebung der
persönlichen Ehrung von Kommerzienrat Dr. Hermann Röchling.
Allerdings fände ich es gut, wenn der Stadtteil in Erinnerung an seine Entstehung als Werkssiedlung der Röchlingschen Eisen- & Stahlwerke "Röchling Höhe" heißen könnte, ohne dass dieser Name direkt mit Hermann Röchling
in Verbindung gebracht wird. Außerdem könnte man ein positives Zeichen setzen, indem man ein Mahnmal errichtet, welches an die Verbrechen Hermann Röchlings erinnert, gleichzeitig jedoch
soll es auch an den Fehler, welchen man mit der Umbenennung 1956 gemacht und über ein halbes Jahrhundert fortgesetzt hat, erinnern und damit zum Nachdenken bewegen.
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Bald das neue Ortsschild? - So würde jedenfalls der Namensbezug direkt klar gestellt.
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Nachdem publik wurde, dass mehrere Hausbrände in der Stadt mit rechtsradikalem Hintergrund gelegt worden sein könnten, es wird zur Zeit (15.12.2011) noch ermittelt, hat der Stadtrat der Stadt Völklingen eine Resulution beschlossen, die Sie hier nachlesen können:
Resulution der Stadt Völklingen
Nachtrag vom 21.04.2012:
Eines möchte der Autor noch zu bedenken geben:
Wird der Name Röchling tatsächlich ganz aus dem Namen dieses Ortsteil verschwinden, wird auch die Erinnerung an Hermann Röchlings Taten zu einem großen
Teil verblassen. Heute macht man sich vielleicht noch Gedanken darüber, warum der Ortsteil so heißt, wer dieser Hermann Röchling war und was er tat und
erfährt durch dieses Interesse an einem Ortsnamen,
was zu NS-Zeiten hier schreckliches passiert ist. Nicht unbegründet reden Umbenennungskritiker daher von Verschleierung, wenn der Ortsteil umbenannt werden sollte.
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 © Andreas Hell
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