Martinskirche • Grabungen • 2006


Die Grabungsleitung haben Constanze Schiene und Ines Berwanger.
Grabung Völklingen, „Im Alten Brühl", Kr.SB 06-08/2006


Stellungnahme der Grabungsleitung zu den noch ungeklärten bauhistorischen Fragen an der ehemaligen „Martinskirche" in Völklingen, „Im Alten Brühl"
(Stand 26. Juni 2006)
Grabungsleitung: Ines Berwanger
Grabungsassistenz: Constanze Schiene


1. Das mittelalterliche Langhaus Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte innerhalb des mittelalterlichen Langhauses (vor dem Neubau der Kirche im Jahre 1737) eine Stratigraphie aus 4 Schichten erfaßt werden. Zuoberst fanden sich die Reste eines Sandsteinplattenbelages, der eingebettet in ein ockerfarbenes Sandbett war (Schicht 43-01). Dieser Plattenbelag stellt den Fußboden der Kirche zur Zeit der Benutzung des südlichen Erweiterungsbaues Fst.64 dar. Auf einem Grabungsfoto (FO-6) der "Grabung Rupp" (30er Jahre des 20.Jh.) sieht man noch eine der Sandsteinplatten insitu innerhalb des mittelalterlichen Rechteckchores Fst.37. Diese Platte war zur Zeit der Grabungskampagne 2001 jedoch nicht mehr vorhanden.
Unter dem Plattenbelag 43-01 erschien ein Estrichboden (Schicht 43-02) aus rötlichem Mörtel mit Kalkeinsprengseln, der auf einer Stickung aus Sandsteinen auflag. Dieser Boden ließ sich nur im Bereich nördlich der ausgebrochenen Mauer Fst.42 erfassen. Es muß sich daher um einen Bodenbelag der mittelalterlichen Kirche vor dem Anbau der südlichen Erweiterung gehandelt haben. Die Mauer Fst.42 ist die ehemalige Südmauer des Langhauses und wurde beim Bau der Erweiterung abgebrochen. Unter dem Estrich 43-02 fand sich ein weiterer Estrichboden (Schicht 43-03) aus einem orange- bis rosafarbenen Mörtel auf einer Sandsteinstickung. Auf den Resten seiner Begehungsfläche lag eine ca. 5mm starke Schicht aus Holzkohle auf. Die letzte bis jetzt erfaßte Schicht des Langhauses (Fst.43) der mittelalterlichen Kirche ist eine Schicht aus Auenlehm, der mit dunkelbraunem, humosen Material durchmischt ist (Schicht 43-04). Sie liegt unmittelbar unterhalb des Estriches 43-03. Diese Schicht weist vom Material her eine Übereinstimmung zu den umgebenden, humosen Bestattungshorizonten auf.
Offene Fragen:
1. Gab es in der Schicht 43-04 Gräber im Innenraum des mittelalterlichen Langhauses?
Während der Notgrabungen im Jahre 2001 sind in Suchschnitten Verfärbungen, die auf Grabgruben hinweisen, gesehen worden. Zu einer näheren Untersuchung kam es jedoch nicht.
2. Auffallend ist eine Reihe von Pfostenstellungen / Säulenfundamenten (?), die den nördlichen Teil des mittelalterlichen Langhauses in West-Ost-Richtung durchzieht. Der westliche Teil eines wohl runden Steinfundamentes (Fst.432) wurde in der Kampagne 2005 erfaßt. Desweiteren existieren ein Pfostenloch (Fst.77) und ein ringförmiges Steinfundament (FO-7, „Grabung Rupp") aus früheren Kampagnen. Die Frage stellt sich, ob es eine parallele Pfosten- oder Säulenreihe im südlichen Teil des Langhauses gab.
War das mittelalterliche Langhaus dreischiffig? Handelt es sich folglich evtl. um den Bautyp einer Basilika? Oder waren die Fundamente lediglich Stützen der Dachkonstruktion ohne Gliederungsfunktion im Kircheninnenraum?
3. Zumindest das Fundament Fst.432 scheint durch den Estrichboden 43-03 überlagert zu werden. Eine genaue Klärung dieser Frage muß durch die Untersuchung der Osthälfte dieses Befundes erfolgen. Wäre dies der Fall, muß es eine noch frühere Begehungsfläche im Langhaus gegeben haben, auf die sich die Fundamente der Pfosten-/ Säulenreihe beziehen.
4. Wie verhält sich der Estrich 43-03 zur Nordmauer Fst.8 des Langhauses?

2. Der mittelalterliche Rechteckchor Auf den Grabungsfotos F12-17a und F12-18a ist zu erkennen, daß im Bereich des Rechteckchores der gewachsenen Boden noch nicht erreicht wurde. Im Westteil des Chores wurde das Planum bis auf das Niveau der Bestattungen Fst.93, 95, 96 und 98 abgetieft, im Ostteil lediglich bis auf die Höhe der Bestattung Fst.58. Im Westteil zeigt sich im Planum die Verfärbung des Suchgrabens der "Grabung Rupp". Durch ihn ist jedoch nur ein kleiner Teil der Innenfläche des Chores beeinträchtigt worden.
Offene Fragen:
1. Gibt es weitere Bestattungen im Rechteckchor? Es muß sich wegen der Lage des Bestattungsplatzes um ausgezeichnete Gräber gehandelt haben.
2. Sind die Bestatteten im Chor wirklich alle männlich? Die Deutung als "Priestergräber" in früheren Kampagnen (nach Bestattungen aus St.Arnual) scheint nicht unumstritten. Eine der Bestattungen (Fst.93) weist Bronzespiralen im Kopfbereich auf, was für eine Totenhaube sprechen könnte. Desweiteren scheint die Deutung der umgekehrten Orientierung (Gesicht zur Gemeinde) als Zeichen für Priester nicht zwingend, da zu der Zeit die Messe stets mit dem Rücken zur Gemeinde praktiziert wurde.
3. Gibt es noch faßbare Fußböden im Bereich des Rechteckchores? Wie ist die Schichtenabfolge im Rechteckchor? Wie korrelieren mögliche Fußböden bzw. Schichten mit denen im mittelalterlichen Langhaus?
4. Gibt es weitere Sarkophage im Bereich östlich und nördlich des Rechteckchores? Es ist anzunehmen, daß die, auf der Südseite gefundenen Sarkophage ursprünglich nahe des Chores lagen.

2. Der Westturm Die Bauphasen des Turmes sind noch nicht bis ins letzte Detail geklärt. Durch verschiedene Mörtelzusammensetzungen wurden diverse Phasen datiert, was aber bei Betrachtung der Grabungsfotos zum Teil zu überdenken wäre. Zumindest der Turmaufbau ist jünger als die „Nördliche Vorhalle", da sowohl die Ostmauer Fst.88, wie auch die Westmauer Fst.102 der Vorhalle durch die Mauern des Turmes geschnitten werden. Allerdings sind die Mauern im Fundamentbereich des Turmes noch nicht exakt im Verhältnis zu der Nördlichen Vorhalle erfaßt.
Offene Fragen:
1. Wurden als Fundament des Turmes eventuell die Grundmauern einer abgetragenen, „mittleren Vorhalle" genutzt?
2. Ist das Steinplattenfundament Fst.62 an der Westseite des Turmes der Rest einer abgetragenen Vorhalle? Wären dann die Vorhallen gegen 1000 n.Chr. gebaut worden (vgl. Datierung der Bestattungen Fst.56 und Fst.92)
3. Worum handelt es sich bei dem Maueransatz Fst.47 an der Südseite des Turmes?
4. Die Bauphasen des Turmes sind nicht abschließend geklärt. Wie ist ihr Verhältnis zu den „Vorhallen"?


2. Die "Nördliche Vorhalle" Im Bereich nördlich des Westturmes fanden sich die Grundmauern eines nahezu quadratischen Baukörpers, der durch den Aufbau evtl. schon durch die Fundamente des Turmes (siehe „Der Westturm) geschnitten wird. Vermutlich handelt es sich um einen älteren Vorbau der Kirche, ähnlich einer Vorhalle. Letztere scheint dreigeteilt gewesen zu sein.
Im Innenraum der nördlichen Vorhalle wurde unter dem Knochenlager Fst.105 und neuzeitlichen Bestattungsschichten eine Begehungsfläche (Schicht 106-02) u.a. mit einer Feuerstelle (Fst.108) entdeckt. Auf den Zeichnungen Nr.46, Nr.49 und 57 erkennt man, daß die Baugrube zu den Mauern Fst.10/70 und 81/9 die Schicht 106-02 schneidet bzw. auch überlagert.
Unter der Schicht 106-02 folgte ein Planum mit einem in West-Ost-Richtung verlaufendem Graben. Dieser Graben verläuft annähernd parallel zur Nordmauer des Turmes.
Darunter folgen Bestattungen von Säuglingen und Neugeborenen, die scheinbar auf die Ostmauer (Fst.88) der Vorhalle ausgerichtet sind. Dabei scheint die Bestattung Fst. 128 sogar von der Mauer geschnitten zu werden.
Offene Fragen:
1. Wie hängt die „Nördliche Vorhalle" mit dem eventuell älteren Fundament unter dem Turm zusammen?
2. Wann wurde die „Nördliche Vorhalle" gebaut? Dazu könnte man eine Datierung der Bestattung Fst. 128 heranziehen.
3. Die Schichten in der Vorhalle Fst. 106 sind noch nicht bis auf den gewachsenen Boden abgetieft worden.
4. Handelt es sich bei dem Graben um den Abfluß eines Taufbeckens?


2. Die "Südliche Vorhalle" Von der südlichen Vorhalle sind bis jetzt nur die Oberkanten von Ausbruchgräben einiger Mauern erfaßt. Der Bereich wird noch partiell von Teilen des neuzeitlichen Bestattungshorizontes überlagert.
Offene Fragen:
1. Wie sah die „Südliche Vorhalle" aus? War sie im Aufbau identisch mit der Nördlichen Vorhalle?
2. Gibt es im Inneren ebenfalls Spuren einer Nutzung?
3. Wie sieht die Schichtenabfolge innerhalb der Halle aus?
4. Gibt es Gräber, die sich im Innenraum der Halle befinden?
5. Wie ist das stratigraphische Verhältnis zwischen der „Südlichen Vorhalle" und den Bauphasen des Turmes?


2. Die Sakristeien Die Sakristeien der verschiedenen Kirchenbauten an der Nordseite des Langhauses wurden nur bei der Notgrabung 2001 in wenigen Mauerausschnitten oberflächlich erfaßt. Lediglich von der Sakristei des Kirchenbaues von 1883 im Zwickel zwischen dem nördlichen Querarm und dem Langhaus geben alte Fotos das Aussehen wieder. Über den Aufbau und die genaue Lage der Vorgängersakristeien ist bis jetzt nichts bekannt.
Offene Fragen:
1. Wo lagen die Sakristeien der mittelalterlichen und barocken Kirchenbauten? Wie sahen sie aus?
2. Gab es während der Zeit der Nutzung als Simultankirche mehrere Sakristeien bzw. „Wirtschaftsräume" gleichzeitig?


Mittelalter kommt ans Licht
(17.03.2006 Saarbrücker Zeitung)

Neue Broschürenreihe erschienen
(22.03.2006 Wochenspiegel)

Herzlosbehörde feuert helfende Hände
(14.07.2006 Bildzeitung Saarlandausgabe)
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Grabungen sollen 2007 weitergehen
(15.07.2006 Saarbrücker Zeitung)

Wöchnerinnen-Gräber Freigelegt
(07.2006 Wochenspiegel)

Grabungsstätte öffnet sich für Bürger
(25.08.2006 Saarbrücker Zeitung)

Grabungsfest lockt Mittelalter-Fans trotz Regen
(28.08.2006 Saarbrücker Zeitung)

Geld für neue Kampagne
(28.09.2006 Saarbrücker Zeitung)

Grabungen 2006 im Alten Brühl jetzt beendet
(09.2006 Stadtbrille)

Schlechte Aussicht für Schutzbau
(18.11.2006 Saarbrücker Zeitung)

Ortsvorsteher setzt auf Fortschritte am Alten Brühl
(24.11.2006 Saarbrücker Zeitung)





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