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Martinskirche • Die "Geburtsurkunde" Völklingens • 1900 - heute


1907:
Schon im Jahre 1907 hatte man in der Viktoriastraße einen Kirchbauplatz gekauft, und man hatte auch bereits einen ansehnlichen Kirchbauschatz gesammelt (14).
* -bitte senden sie mir eine e-mail (info@vk-wandel.de) wenn Sie wissen wie diese Straße heute heißt und wo sie war; bzw. wo dieses Grundstück war!*

1914:
Der 1. Weltkrieg begann.

1917:
Die Glocken der Martinskirche wurden für den 1. Weltkrieg beschlagnahmt:








Pfarrer Lentze verabschiedete sich von den Glocken (13).




Noch einmal die Glocken der Martinskirche davor stehen die kleineren Glocken der Friedhofskapelle Geislautern. Über die Personen ist leider nichts weiter bekannt (13).

1918:
Nach dem 1. Weltkrieg wurde das Saargebiet als Folge der Beschlüsse des Versailler Vertrages unter Völkerbund-Verwaltung gestellt. Frankreich versuchte seinen Einfluss auf das Land zu stärken. Wirtschaftlich gelang dies. Die Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke expandierten. Ebenso ging es mit den Saargruben.
Aber im kirchlich-religiösen Bereich gelang es den Franzosen nicht, Einfluss geltend zu machen (Frankreich ist fast zu 100% katholisch). Mit der Zuwanderung von Arbeitern der Hütte und der Gruben stieg auch die Bevölkerungszahl in Völklingen.
Diese Bevölkerung war nun überwiegend katholisch. Im Gegensatz dazu war der mächtigste Arbeitgeber der Region, die Dynastie Röchling protestantisch, wie das verbleibende "letzte Viertel" der Bevölkerung (11).

1920:
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Emil Rudolf Jacob. geb. am 8. Oktober 1880 in Saarbrücken. Er war Pfarrer in Völklingen bis 1950 und hatte die erste Pfarrstelle.
Ehefrau: Caroline Sophie Rumpel (12).

1922:
Zusätzlicher ev. Pfarrer wurde Walther Ernst Alleweldt, geb. 1887 in Posen.
Ehefrau: Paula von Lipski (12).
Völklingen zählte nun 11.969 Katholiken und 6179 Protestanten.

12.02.1922:



Kurz vor 15 Uhr schlugen Rauchwolken, gleich danach Feuerflammen aus dem Dachstuhl des alten Gotteshauses.
Am Morgen fand noch in gewohnter Weise der Gottesdienst statt, und um 14 Uhr hatte noch das Kind Lina Linder die Heilige Taufe empfangen. Niemand von der Taufgemeinde konnte ahnen, was schon in kurzer Zeit geschehen wird.
Als die Feuersirenen über den Marktflecken bis hinauf auf den Heidstock zu hören waren, eilten viele, auch der Schreiber dieser Zeilen, zur Brandstätte und wurden Augenzeuge des Zerstörungswerkes. Traurig schauten wir dem Raub der Flammen zu, bis der Dachstuhl des Kirchenschiffes einstürzte und alles in Schutt und Asche legte. Die Löscharbeiten der 3 Feuerwehren konnten nichts mehr ausrichten. Die Kirche brannte bis auf die Grundmauer nieder, nur der jahrhundertealte Kirchturm blieb von der Verwüstung verschont (05).







* Vermutlich war der Brand in der alten ev. Kirche ein letzter "guter Grund" den inzwischen sehr ungünstigen Standort zu verlassen. Der "Alte Brühl" war inzwischen vom eigentlichen - neuen - Stadtkern durch die Bahnlinie abgetrennt. Außerdem wurde der Gottesdienst durch den Bahnverkehr (Rangierbahnhof) in unmittelbarer Nähe oft empfindlich gestört. Dass schon Pläne für einen "Umzug" bestanden sieht man ja daran, dass bereits 1907 ein Grundstück für einen Neubau gekauft worden war.*




1923:
Am 1.6. wurde der Franken der französischen "Besetzer" allgemeines Zahlungsmittel an der Saar. Ein großer Teil der Bevölkerung stand dem französischen Geld ablehnend gegenüber. Etliche Geistliche der ev. Kirche lehnten ihr Gehalt in Franken ab. Sie erhielten von preußischen und bayrischen Dienststellen Ausgleichszahlungen. In vielen Pfarreien kam es zu finanziellen Notsituationen (11).

1924:
Völklingen wurde selbständiges "Dekanat", gehörte aber immer noch zur Diözese Trier (04).

1925:
Nachdem sich bei den Vorarbeiten für den Kirchbau herausgestellt hatte, dass der Platz in der Viktoriastraße sich nicht gut zum Bau einer Kirche eignete entschloss man sich auf das frühere Rink-Kohlersche Anwesen zwischen Post und Moltkestraße auszuweichen. Nach unsäglich schwierigen Verhandlungen ging 1925 das Gelände in den Besitz der ev. Kirchengemeinde Völklingen über. In der Zeit zwischen 1925 und 1927 machte Karl Rupp, Generalsekretär von Dr. Hermann Röchling archäologische Grabungen in der Martinskirche. Dabei werden die Fundamente von fünf verschiedenen Kirchen freigelegt (17).

1926:
Baubeginn der evangelischen Versöhnungskirche zwischen Post- und Moltkestraße.

1927:
Am 3.10.1927 bot Pfarrer Alleweldt im Auftrag des Presbyteriums die drei bunten Chorfenster die "fast unbeschädigt geblieben waren" dem Presbyterium in Köllerbach an:
Beim Brande unserer Kirche sind die drei "bunten Chorfenster fast unbeschädigt geblieben, wir haben sie durch einen Saarbrücker Fachmann kürzlich ausbauen lassen, können sie jedoch für unseren Kirchneubau nicht verwenden und würden es sehr bedauern, wenn sie ungenutzt liegen blieben. Wir sind gerne bereit, sie für den Kirchneubau in Ihrer Gemeinde gegen geringe Vergütung oder ganz umsonst zu überlassen, und ich frage im Auftrage des Presbyteriums ergebenst an, ob Sie glauben, dass die Fenster für Sie in Betracht kommen.
' Das eine der beiliegenden Lichtbilder zeigt die Anordnung im Chore, die anderen Bilder, die kurz vor dem Ausbau aufgenommen wurden, lassen erkennen , dass nur eins der drei Fenster unbedeutend beschädigt ist. Der Schaden ist, wie der Saarbrücker Fachmann versicherte, mit ganz geringen Kosten völlig zu beheben. Ebenso sind die Größenverhältnisse der Fenster leicht zu verändern. Es können Teile fortgelassen und die Fenster dadurch verkleinert, oder entsprechende neue Teile hinzugefügt werden.
Zu weiteren Angaben sind wir jederzeit gern bereit und "bitten um gefl. baldige Antwort, damit wir uns gegebenenfalls über die anderweitige Verwendung der Fenster schlüssig werden können. (16). 13.

05.1928:
Nach 2-jähriger Bauzeit wurde die Versöhnungskirche als Nachfolgerin der Martinskirche eingeweiht.
Abschied von der Martinskirche:

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Die Gemeinde traf sich an der alten Martinskirche. Dort gab es eine Ansprache, ein Gebet, einen Segen. Dann erfolgte ein gemeinsamer Zug zur neuen Kirche in folgender (festgelegter) Reihenfolge: Kinder
Kirchenchor
Musik
Geistliche im Talar und Vertreter kirchlicher Behörden
Vertreter weltlicher Behörden
Die Mitglieder der kirchlichen Körperschaften
Kirchengemeindebeamten und Pfarrfamilien
Die Gemeinde
Auf dem Vorplatz der Versöhnungskirche war die Schlüsselübergabe. Man zog noch einmal um die gesamte Kirche herum und ging dann "unter festlichem Vorspiel" in die neue Kirche. Dort erfolgte eine "Weihehandlung durch den Herrn Generalsuperintendenten" (=Spruch und Gebet)
Der schlossen sich Ansprachen des "Herrn Geistlichen Vizepräsidenten des ev. Oberkirchenrats" des "Herrn Präses der Rheinischen Provinzialsynode", Gebete, Lesungen, die Predigt usw. an
Zur Nachfeier wurde um 3 Uhr in die Turnhalle eingeladen.(14)
Erhalten ist uns ein Text "Zur Weihe der Kirche" geschrieben von Alwine Lenze:

1929:
Das Gelände der Martinskirche ging -im Zuge eines Landtausches (17)- an die Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke über (02).

1934:
Hermann Georg Pfannstiel hatte bis 1942 die zweite Pfarrstelle in Völklingen inne (12).
Das Gelände der Martinskirche wurde von der Familie Röchling an die Reichsbahnverwaltung verkauft.

1937/1938:
Die letzten Überreste der "Alten Kirche" wurden beseitigt, die Fläche eingeebnet (17).




1944:
Pfarrer Jacob starb (12).

"nach dem Kriege"
Nach dem Kriege fand man am Rande des Kirchengeländes bei Erdarbeiten einige Skelettreste mit Waffen. In der damals turbulenten Zeit wurden diese Funde nicht beachtet. Nach der Beschreibung von einigen Leuten, welche damals bei den gemachten Funden dabei waren, könnte es sich um ein dort bei der alten Kirche aus der Karolingerzeit angelegten fränkisches Reihengräberfeld handeln. Sicher haben Völklinger Heimatforscher auch an diesem Platze noch interessante weitere Funde zu erwarten (08).

1950er Jahre:
Später befand sich auf dem Gelände ein Kinderspielplatz:




"Nach 1968":
Das alte Pfarrhaus (von Stengel erbaut) wurde abgerissen.

1999:
Die Stadt hat das Gelände der Firma "Irus" verkauft. Diese hat es in Erbpacht - auf 30 Jahre - an die Firma Lidl weitergegeben (15).

Was zwischendurch geschah, erfahren Sie auf den Seiten: Grabung -> 2000

2010:
Die Stadt Völklingen plant das Gelände in Zukunft umzugestalten. Über die Planungen lesen Sie in folgendem SZ-Bericht: (Wenn Sie das Bild anklicken, öffnet sich ein PDF!)



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