Interesse? Klicken Sie hier!

Martinskirche • Die "Geburtsurkunde" Völklingens • 1770 - 1899


1771:
Pfarrer Rolle wurde Prorektor des Gymnasiums zu Saarbrücken (16).
Ev. Pfarrer wurde wieder Johann Kaspar Steccius, geb. 1713 in Cleinich.
Ehefrau Maria Johannetta Dern (12).

1774:
Karl Johann Reinhard Rolle kam aus Saarbrücken zurück und wurde wieder Pfarrer in Völklingen.

1780:
Pfarrer Rolle erlitt einen Schlaganfall, wodurch er zwei Jahre zur Führung seines Amtes unfähig wurde. Vikare waren die Herren Heintz, Drach und Hild; später Herr Rebenack (16).

1788/89:
Bau des evangelischen Pfarrhauses (Saarstraße 15, ab 1937 "Im alten Brühl") nach Plan des Baudirektors Balthasar Wilhelm Stengel, dem Sohn des fürstlich nassau - saarbrückischen Generalbaudirektors Friedrich Joachim Stengel, unter Leitung des Baumeisters Philipp Bruch (17).
Die beiden Pfarrer teilten sich Haus und Stall (19).(* wieso war es dann laut Quelle 17 ein "evangelisches" Pfarrhaus?)
Am 27.10.1788 trat der katholische Pfarrer Diniche sein Amt an (17).

1793:
Aufzeichnung eines damaligen Pfarrers:
Nachdem mich im Pfarr Hauß die Franzosen 6 mal geplündert haben, da ich ihnen sehr viele Lieferungen habe geben müssen, auch Pferd, Vieh, alles Feder Vieh, Brandschatzung, Geld habe geben müssen. Nachdem sie wie jedes mahl Geld haben wollen Nachts von 10 bis 12 Uhr mit einer Pistol auf die Brust gehalten und einen Sabel mir an den Halß um Geld zu bekommen, gehalten. Darauf ich mich, so gut ich konnte, mich reterirte, da sie hernach mich rein ausplünderten, Comode und Schänke verschlugen, so mußte ich mich hierauf von hier fortmachen und meine Leute ohne Geld zu geben wenn ich fort wäre, wollen sich alle durchhelfen. Ich reiste also d. 15ten October nach der Coelner *=Köllerbacher* Mühle fort und da sie d. 16ten huius nicht nur alle das Vieh nahmen und 100 Louisdor Brandschatzung man geben mußte, so suchten sie mich im Dorf und in der Kirche mit Gens d´armes *Gendarmen?* auf mich gefänglich zu nehmen, ich reißte also weiter unter die Escadron der Preußischen Husaren nach Heußweiler zu dem dasigen Herrn Pfarrer Schneider d. 17ten Oktober der mich sehr freundschaftlich aufnahm bis d. 17ten November die ganze Preußische Armee sich zurück zog. Darauf ich nach Meißenheim und hernach nach Hottenbach zum Herrn Pfarrer Faust kam bis d. 13ten Januar 1794 abends ganz spät nachdem man mir einen Botten von hier sandte, daß alles hier still und sicher wäre, da ich d. 19ten huius wieder gepredigt habe. (16)
*Es wäre zu klären ob dieser Text im evangelischen oder katholischen Kirchenbuch stand. Da man daraus schließen könnte welcher Pfarrer die Eintragung gemacht hat! Da sich der Abschnitt im ev. Kirchenarchiv in einem Dokument von Herrn Rupp fand denke ich aber es war der ev. Pfarrer Rolle. Vor allem da Rupp weiterberichtet:*

1794:
Pfarrer Rolle bekam infolge der Aufregungen einen zweiten Schlaganfall. Wieder versahen die Vikare den Dienst (16).

1796:
Vikar Wagner versah den Dienst bis 1803 (16).

1797:
Nachdem im Frieden von Campo-Formio 1797 die gesamten linksrheinischen Gebiete der Franz. Republik zufielen, erhielt Völklingen eine eingeständige Mairie im Arrondisement Saarbrücken. In diesem Zusammenhang wurde Wilhelm Nessler 1799 der erste Bürgermeister von Völklingen (11).

1798 Der katholische Pfarrer Diniche gab sein Amt auf (17).*Quelle sagt nichts über den Grund aus*

1803:
Am 28. Dezember starb Pfarrer Rolle (16).
Karl Friedrich Zickwolff, geb. 1781 in Saarbrücken war 1803 bis 1808 Hilfsprediger in Völklingen.
Ehefrau: Sophie Luise Drach (12).
Zwickwolf kam schon als Vikar nach Völklingen, wo er dann, nach dem Tode Pfarrer Rolles als Pfarrer gewirkt hat. Er hat mit großem Eifer in Kirche und Schule gearbeitet (16).
Völklingen wurde Sukkursalpfarrei im Kanton Arnual des neuen Bistums Trier (17).

1805:
Bürgermeister W. Nessler wurde ermordet.
Wenig ist über die näheren Umstände seines Todes bekannt, eine Eintragung im Sterberegister der evangelischen Kirchengemeinde gibt eine bescheidene Auskunft, wonach er an den Folgen einer ihm am 24. Februar 1805 in den Unterleib geschossenen Kugel starb. Weiter ist vermerkt, dass er am 26. begraben wurde und 49 Jahre alt war. Nach einer alten Überlieferung fand er den Tod durch die Kugel eines Zigeuners.
Beigesetzt wurde W. Nessler auf dem Simultanfriedhof bei der alten evangelischen Kirche. Bei der Einebnung des Friedhofs wurde der für damalige Verhältnisse prächtige Grabstein zum Friedhof in der Kühlweinstraße gebracht (Heute Bürgerpark (11)), wo er an der Westseite der Friedhofsmauer aufgestellt wurde. Hier ein Foto des Grabsteins:






Inschrift:
"Hier ruht die sterbliche Hülle des Herrn Wilhelm Nessler,
Notaire u. Maire dahier war geboren zu Lichtenau in Hessen d. 23. Mai 1755
starb durch Mördershand d. 24 Febr. 1805."

(Quelle: Zeitungsartikel der SZ vom 19.10.1966)

1813:
Der Völklinger Pfarrer Zickwolf hat sich am 14.12.1813 um die Stelle des verstorbenen Pfarrer Wagners beworben (16).

1817:
Bau eines katholischen Pfarrhauses (17).

1819:
Am 4. April 1819 starb Leopoldina Dorothea von den Boek. Ihr war ein interessantes Denkmal aus Gusseisen in Obeliskenform aus der Geislauterner Hütte gewidmet (01).
... ein drei Meter hohes gusseisernes Grabmal, das der berühmte Ingenieur Graf von den Broek von der Geislauterner Hütte seiner 1819 verstorbenen Tochter setzen ließ. Dieser Stein, ein vierkantiger Sockel, über dem auf runden Eckkugeln ein schlanker, reich verzierter Obelisk ruht, ist eins der wenigen Denkmäler hochstehender Gießereikunst aus dem einstmals berühmten Eisenhüttenwerk im Stadtteil Geislautern (09).




1820:
Notizen im Lagerbuch der Pfarrei St. Eligius um 1820:
Neben verschiedenen, sehr ausführlichen Angaben über die Ausstattung an Paramenten, sakralen Gefäßen usw. heißt es, dass das Kirchenschiff beiderseits 3 Fenster aufweise, die Schrägseiten des Chores je ein Fenster, auf der Querseite des Chores, wie beiderseits der Orgelemporen, je ein Rundfenster (Ochsenauge). "Auf der kleinen Türe zur Epistelseite sin zwei und zur Evangelienseite ein, zusammen drei sogenannte Käfige oder verschließbare Logen .....", also wohl die Pfarrstühle, die Pfarrer Gadel entfernen wollte. Die Kanzel war beiden Pfarreien gemeinsam.
Der katholische Altar wird beschrieben als "ein hölzerner Altar mit chorintischen Säulen .... nach sogenannter griechischer Bauart, schön gearbeitet und reich vergoldet ..... Im obersten Geschoß die Symbolum der hl. Dreyeinheit darstellend .... zu Füßen die Weltkugel unter Wolken ....... der Hintergrund gegen einem runden Fenster von gefärb­tem Glas .... oben mit Baldachin und Quasten ..... darunter das Symbolum des h. Herzens Jesu. In der Mitte ein bewegliches Gemälde, auf der einen Seite den hl. Bischof Eligius, auf der anderen den hl. Märtyrer Donatus, beinahe in Lebensgröße. Zu beiden Seiten zwischen vier chorintischen Säulen ... zwo Statuen von Holz, eine den hl. Bischof und Kirchenlehrer Augustinus, die andere den hl. Bischof und Ordensstifter Morbertus vorstellend .... Auf dem Tische in der Mitte .... ein schöner Tabernakel ..... worin 3 Nischen ... oben vergoldete Muscheln .... Die Vorderseite des Altartische enthält ein Antipendium .,das '"nach Unterschieden der Zeiten und Festtagen die Farben wechseln kann." Dann heißt es wieder, "auf der einen Seite des Altares" stehet eine kleine hölzerne Statue des hl. Eligius, auf der ändern die Statue des hl. Donatus".
Es handelt sich der ganzen Beschreibung nach, was die hagiographische Ausgestaltung, wie den zierlichen Aufbau anbelangt, um einen aus der vorrevolutionären Zeit stammenden Barockaltar. Die "Donatus-Darstellungen" verweisen in die Zeit nach Errichtung der Donatus-Bruderschaft (1756), das Bild des hl. Norbert auf die Wadgasser Mönche. Vielleicht war auch hier die Künstlerfamilie der Guldner aus Berus tätig, für die die Prämonstratenser weithin in ihrem Einflussgebiete die großen Auftraggeber waren. Wohin dieser Altar gekommen ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ist er nach Aufgabe des Simultaneums (1848) beseitigt, zerschlagen worden, wie es so häufig in dieser Epoche der Fall war, die Verständnis für Sinn und Schönheit des Barocks verloren hatte (07).
Bei den räumlich mehr und mehr beschränkten Verhältnissen, unter denen Evangelische und Katholiken ... in dieser Simultankirche ihren Gottesdienst abhalten mussten, konnte es nicht ausbleiben, dass das Simultaneum für beide Parteien immer lästiger wurde. Man sehnte sich beiderseits nach einer baldigen, beide Konfessionen befriedigenden Lösung. Die einzige Lösung konnte nur ein neuer Kirchbau für die an Zahl größere katholische Gemeinde sein. Und als die Kirchbaufrage in den 1820er Jahren ernstere Formen annahm, da tauchten plötzlich Sonderbestrebungen auf, die zum Ziele hatten, in Wehrden eine Kirche für die Bewohner beider Konfessionen der restlichen Völklinger Dörfer zu bauen; doch fand der von Wehrden ausgehende Plan bei den höheren kirchlichen Behörden beider Konfessionen strikte Ablehnung. Man wurde sich einig, für die katholische Gemeinde eine neue Kirche zu bauen, die bisherige Simultankirche den Evangelischen als Alleinbesitz zu lassen (09).
1825




1832:
An Mathias Raspiller, den einstigen Besitzer der Fenner Glashütte, erinnert ... ein interessanter, etwa drei Meter hoher dunkler Sandstein, der einst auf dem längst eingeebneten Völklinger Simultanfriedhof stand, der, wie damals allgemein üblich, um das Kirchlein an der Saar lag. Der Stein trägt folgende Inschrift:
ICI REPOSE MATHIAS RASPILLER AGE DE 51 ANS / EPOUX DE MARGUERITE RESTIGNAD PROPRIETAIRE DE LA Fenne DECEDE LE 24 XBRE 1832 (09).




1840:
In Völklingen lebten nun 736 Protestanten und 482 Katholiken. Der Bevölkerungszuwachs war groß (11).

1841:
In Völklingen gab es inzwischen 531 Katholiken, in Wehrden 514, in Geislautern 465 (04).

1842:
Eine neue Sakristei musste für den evangelischen Pfarrer gebaut werden, weil die Katholiken ihn aus der bestehenden Sakristei verdrängt haben. (16).

1844:
Im Jahr vorher war nach Völklingen ein neuer katholischer Geistlicher gekommen, der sich um das Herkommen und um die zwischen den beiden Konfessionen getroffenen Vereinbarungen nicht kümmerte und an den genannten Tagen (Buß- und Bettag und Himmelfahrtsfest) den katholischen Gottesdienst auf die gleiche Stunde ansetzte, wie der evangelische Geistliche. Der Streit musste vom Landrat geschlichtet werden (16).

1845:
Die Simultankirche war für beide Konfessionen zu klein geworden. Am 29.7.1845 erfolgte die Grundsteinlegung für eine katholische Pfarrkirche *an der Stelle der heutigen Eligius-Kirche*.
...Wie auch in vielen anderen Fällen gab es bei diesem Kirchenbau manchen Streit und allerhand Schwierigkeiten. Eine Kommission wurde gebildet. Dabei machten die Vertreter von Wehrden die meisten Einwände und verlangten, daß die neue Kirche unbedingt in Wehrden gebaut werden sollte. Wehrden hatte ja auch mehr katholische Einwohner als Völklingen, und wenn man noch die 275 Katholiken von Geislautern hinzunimmt, dann ist verständlich, daß die überwältigende Mehrheit der Katholiken von Wehrden und Geislautern die Kirche auf der linken Saarseite haben wollte. Etwa im Jahre 1835 lassen die Wehrdener und Geislauterner Widerstände nach, und als am 27. April 1843 ein neuer Pfarrer nach Völklingen kam, konnten die Baupläne allmählich greifbare Formen annehmen. Die Völklinger Mutterpfarrei zählte 1841 2100 Katholiken, davon in Völklingen 531, in Wehrden 514 und in Geislautern 465. Wehrden und Geislautern zusammen 979 gegenüber nur 531 in Völklingen. Allen Widerständen von links der Saar zum Trotz wurde dann am 29. Juli 1845 der Grundstein für die neue Pfarrkirche St. Eligius in Völklingen gelegt...(04).

1848:
Am 22.06. fand der letzte katholische Gottesdienst in der alten Kirche statt (17).
Am 25.7.1848 war die feierliche Einweihung der neuen katholischen Pfarrkirche. Sie hat in dieser Form bis 1912 gestanden (11). Das Missionskreuz, das sich bei der alten Kirche im Dorf (*Martinskirche) befand, stellte man an dieser neuen Kirche auf (19).




1849:
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Friedrich Zwickwolff (Sohn) geb. 1822 in Völklingen.
Ehefrau: Juliane Mathilde Kehr (12).
Er wurde am 22. August als Nachfolger seines Vaters in sein Amt eingeführt.

um 1850:
Reparaturen an der Martinskirche waren notwendig geworden, die die vorübergehende Schließung notwendig machten. Die ev. Kirchengemeinde forderte nun die Mitbenutzung der neuen katholischen Kirche für die Dauer der Reparaturarbeiten. Hauptstreitpunkt war die Aufstellung eines ev. Notaltars. Obwohl die Auseinandersetzung bis zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz ging, kam es zu keiner Einigung (04).
Heinrich Kuhn gibt in der Festschrift von St. Eligius auf Seite 92 einen eindrucksvollen Bericht der Ereignisse:
"Unterdes wuchs die Erregung unter dem Kirchenvolk. Auch der Bürgermeister schrieb an den Landrat," daß es zu "Tätlichkeiten kommen" könne, und daß die "Bergleute und Hüttenarbeiter von Wehrden und Geislautern in Massen nach Völklingen kommen würden". Er hielt sich sogar "für verpflichtet, um die Commandierung einer Abteilung Ulanen" zu bitten. Am 21. Juli wurde die Kirche durch einen Schlosser in Gegenwart des Bürgermeisters, des Polizeidieners und etwa 10-12, den protestantischen Communion-Tisch aus Stein, transportierender Männer polizeilich erbrochen. "Am 22. Juli fand der erste evangelische Gottesdienst statt, während welchem der Landrath und Bürgermeister mit 6 Gendarmen tätig waren, um die befürchteten Exzesse zu verhindern, und ihre Hauptaufmerksamkeit besonders auf die Ponte zu Wehrden richten wo der Landrath das Übersetzen jedes Katholischen vor 10 Uhr untersagte", so berichtete Pfarrer Uters nach Trier (Pfarrchronik). <4>
Pfarrer Uters brach den katholischen Gottesdienst in seiner Kirche ab. Er las jetzt seine Messen sonntags und donnerstags in Großrosseln. An den übrigen Tagen diente der Saal des Pfarrhauses als Kirche (07).

1855:
Karl Zwickwolf hielt am 23. September seine Abschlusspredigt und wurde Oberpfarrer in Ottweiler.
Sydonalkandidat Adolf Zillessen verwaltete die Gemeinde weiter (16).

1856:
Neuer ev. Pfarrer wurde Gustav Karl Adolf Zillessen, geb. 1830 in Züsch.
Ehefrau: Auguste Karoline Johanna Fauth (12).

1857:
Das Simultanverhältnis wurde im Jahre 1857 nach 173jähriger Dauer endgültig aufgehoben.

1858/60:
Eisenbahnbau Saarbrücken-Trier. Auf Kaiserlichen Befehl wurde die Bahntrasse durch das Kirchhof-Gelände im alten Brühl verlegt (16).

Am 11. April 1858 beschloss das damalige Presbyterium unter dem Vorsitz von Pfarrer Adolf Zillessen, dass für die evangelische Kirche ein neues Geläut von drei Glocken beschafft werden sollte, "weil die drei alten Glocken zu erbärmlich seien". Der Guss der Glocken wurde der Firma Fr. Lindemann in Zweibrücken in Auftrag gegeben. Die drei alten Glocken im Gewicht von 1.571 Pfund wurden von dem Glockengießer für 584 Thaler und 43 1/2 Silbergroschen übernommen.
Am 20. September kamen die drei neuen Glocken hier an und wurden zum ersten Male am Tage der Kirchweihe zum Gottesdienst geläutet. Die Weihepredigt hielt der Pfarrer am 23. September; dazu hatte er die Bibelworte zugrunde gelegt, die die Glocken als Inschrift trugen:
Für die große Glocke: Jeremia 22, 29; Markus 13, 33; Lukas 12, 37.
Für die mittlere Glocke: Psalm 57, 9-11
Für die kleine Glocke: Prediger Salomo 4, 17.
Die drei Glocken wogen zusammen 3219 1/2 Pfund und kosteten mit Beschlag 1.884 Thaler und 111/2 Silbergroschen. Über 50 Jahre, das heißt bis zum 1. Weltkrieg, läutete dieses harmonisch abgestimmte prächtige Geläut den Sonntag ein. Nachdem die große und die mittlere Glocke als Kriegsmaterial abgeliefert werden mussten, blieb nur noch die kleine Bronzeglocke im Kirchturm zurück.(05)
*In einer anderen Quelle heißt es allerdings:*
Eine Kirchenglocke (die später als einzige im Turm der Martinskirche verblieb) mit folgender Aufschrift wurde gegossen:

"Bewahre Deinen Fuß, wenn Du zum Hause Gottes gehst
und komme, daß Du hörest.
Das ist besser denn der Narren Opfer,
denn sie wissen nicht, was sie Böses tun. Gegossen von Friedrich Bauermann zu Zweibrücken
Ud. Zillessen, Pfarrer
W. Kühlwein, Bürgermeister
Das Presbyterium:
J. Röller, G. Föllinger, G.Ph. Wagner, J. Röchling, J. Knoblauch, W. Haldy, L. Schröder, T. Duchene
Evangelische Pfarrei Völklingen im Jahre des Heils 1860." (02).

Die Glocke hängt heute im Turm der Versöhnungskirche (17).
*man sollte bei Gelegenheit die Inschrift nachprüfen da die Glocke ja nicht bevor sie gegossen wurde eingeweiht worden sein kann*

1862:
Der frühere Pfarrer Zwickwolf (Karl-Friedrich) starb nach einem ruhigen Lebensabend in Völklingen am 19.09.04 im Alter von 82 Jahren.

1872:
Pfarrer Zillessen ging nach St. Arnual (16).
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Gustav Adolf Ferdinand Schimmelpfennig, geb. 9. Dezember 1837 in Berlin.
Ehefrau: Auguste Therese Bewering (12).

1874:
Der Gemeinderat beschloss den Bau eines neuen Gemeindehauses (=Rathaus) in der Nähe der 1848 fertiggestellten Eligius-Kirche.
*Der bisherige Ortskern "Im Alten Brühl" um die Martinskirche verlagerte sich langsam.

Nun war der Wandel vollzogen: Das alte Dorf mit seiner alten Kirche war nicht mehr Dorfmittelpunkt. Die Entscheidung, auf der Ecke der Chaussee nach Wehrden und an der Landstraße nach Saarlouis zu bauen, wurde von vielen Bürgern begrüßt.
Im Alten Dorf war noch die Saarstraße (*später "Alter Brühl"), der Alte Markt und die Fürstenhauserstraße (19).

1875:
Völklingen zählte nun über 7000 Seelen. In der Kühlweinstraße wurde ein neuer Friedhof angelegt, auf dem Katholiken und Protestanten beerdigt wurden. Bis zu diesem Zeitpunkt diente ausschließlich der an und um die alte Kirche gelegene Kirchhof als Friedhof von Völklingen! (11).

1881:
Im August erwarb der Saarbrücker Kaufmann Karl Röchling die stillgelegte Völklinger Hütte und wurde zum größten Arbeitgeber der Region. Das hat eine rasante Bevölkerungsentwicklung zur Folge. In diesem Zusammenhang wurde die protestantische Martinskirche zu klein (11).

1883:
Die Martinskirche muss mit der expandierenden Bevölkerung "mitwachsen" (11).
Der alte gotische Chor wurde abgebrochen (05).
Die Kirche wurde durch ein neues Querhaus mit Chor vergrößert (01).
Der insgesamt 42.600 Mark kostete (02).
Das so veränderte Kirchenschiff war ein schlichter Saalbau mit vier Fensterachsen; an der Nordseite waren unter dem Verputz noch Reste der alten gotischen Fenster zu erkennen. Im Westen befand sich eine Orgelempore. Es wurden ein neues Querschiff und ein neuer Chor im Rundbogenstil erbaut und durch diesen Neubau die Kirche bedeutend vergrößert. Auch wurde eine neue Orgel aufgestellt (16).









Während das barocke Langhaus bis zum Ende des Bestehens der Kirche erhalten blieb, riss man den Chor in den Jahren 1882/83 ab um ein Querhaus mit Polygonalchor anzubauen. Diese erhebliche Vergrößerung der Kirche ist mit Sicherheit auf die stark angewachsene Bevölkerung Völklingens zurückzuführen. Der zugehörige Friedhof wurde, vermutlich annähernd zeitgleich mit dem barocken Umbau, durch Erdaufschüttung erhöht und das wahrscheinlich im Mittelalter bei der Kirche bestehende Beinhaus abgerissen und der Inhalt wiederbestattet.




1889:
Auf einem Grundstück, welches die Kirchenkasse vom Völklinger Schulfonds gekauft hatte, wurde ein Konfirmandensaal mit Küsterwohnung gebaut (16).
Das Grundstück war gegenüber dem alten Pfarrhaus, Im Alten Brühl 1 (17).

1891:
Pfarrer Schimmelpfennig ging nach Freusburg-Kirchen an der Sieg (16).
Neuer ev. Pfarrer wurde Ludwig Emil Victor Detlef Bauer, geb. 12. Nov. 1859 in St. Johann, unverheiratet (12).
Er war vorher Seelsorger an der Strafanstalt in Trier (16).




1893:
Es wurde eine Hilfspredigerstelle errichtet. Am 28. März 1893 Margraf als Hilfspfarrer eingeführt.
Seit 1893 wurden Gemeinde-Schwestern angestellt, erst vom Frauenverein, später von der Kirchengemeinde.
Ab 1895 waren es Schwestern vom Roten Kreuz in Köln *am Rhein*(16).

1895:
Neuer Hilfspfarrer wurde Ludwig Fischer aus Baumholder.

1896:
Neuer Hilfsprediger wurde Max Lentze, geb. 1966 in St. Wendel
Ehefrau: Helene Hartung (12).

Auf dem Friedhof Martinskirche gab es nach Angaben eines Angehörigen folgendes schmiedeeisernes Grabkreuz mit Porzellanschild und folgender Inschrift:

Hier liegt ein kleines Lüchselein
vom alten Luchs ein Söhnelein
Der liebe Gott hat nicht gewollt
das es ein Luchs hat werden sollt.

Dies war das Grab von Friedrich Georg Luchs, eines Onkels unseres Informanten (11).

1897:
Max Lentze wurde zum zweiten Pfarrer ernannt und als solcher im November eingeführt (16).




1898 :
Hier ein Original-Zeitungsausschnitt aus diesem Jahr:








Links: Aquarell der Martinskirche (ca. 1900) Original im ev. Gemeindeamt Völklingen
Rechts: Foto zum Vergleich





So sah die Kirche etwa zu diesem Zeitpunkt von Innen aus

*Langsam verlagerte sich der Ortskern von Völklingen immer weiter von der Martinskirche weg auf die andere Seite der Bahntrasse.
Die genaue Entwicklung wie es dazu kam können Sie hier Geschichte Völklingens nachlesen.*


Zurück - Weiter







Seite drucken
©1999-2012 Druckerei von der Eltz | Andreas HellImpressumWerbungÜber uns • Email: info@vk-wandel.deSuchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits
Home