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Martinskirche • Die "Geburtsurkunde" Völklingens • 1700 - 1769


1700:
Pfarrer Horstmann betreute von 1700 bis 1741 auch die Martinskirche in Kölln *=Köllerbach* (16).

1706:
Eintrag im Kirchenbuch:
"Die d. 28 D. Januarij ist Hanß Jacob Möller, weil. Mstr. Hanß Jacob Möllers, gewesenen Zimmermanns Sohn (welcher, nachdem Er (D. Conversi Pauli) die Glocken zum Gottesdienst Hatt wollen helfen Läutten undt aber unversehens von einem Unglücklichen Streich, nämbliclh von dem Glocken Klüppel, welcher von oben herunter gefallen, getroffen worden, daß er den 2 Tag hernach an seiner Embfangenen tödlichen Wunden an der rechten Seiten des Haubts gestorben) mitt großem Leidtwesen der Seinigen begraben worden, atas 19 Jahr undt ungefehr 12 od. 14 Tage."

1714 :
Eintrag im Kirchenbuch:
"Die d. 16 D. April ist Theobald Wageners Söhnlein Joh. Jacob (nachdem Er bey der Überfürth über die Saar auß dem Schiff gefallen undt im Wasser Elendiglich ertrunken) zu großem Leydtweßen seiner Eltern begraben worden, atas 11 Jahr undt 3 Wochen."

1716:
Das Kirchenschiff wurde wieder hergestellt (01).
Nach dem Bericht des Pfarrers Horstman wurde die Kirche renoviert und mit mehreren Fenstern, Bänken nebst einer Vorkirche oder Manestüre versehen (02).
In der Mauer zwischen Kirche und Turm, dem Boden der Emporbühne, gleich hinter der Orgel fand sich ein Stein mit einer Aufschrift in lateinischen Buchstaben, in der es heißt, dass im Jahre 1716 unter der Regierung des Grafen Carl Ludwig von Nassau-Saarbrücken, die "hiesige Kirche renoviert und mit mehreren Fenstern, Bänken und einer Borkirche *=Empore* versehen worden" (07).
Pfarrer Horstmann berichtet:
"Die Kirche zu Völklingen ist anno 1716 auf Verordnung der gnädigsten Herrschaft renovieret und mit mehreren Fenstern, Bänken und einer Borkirche (Empore) versehen worden... Zu Gayslautern ist vor Zeiten auch eine evangelisch lutherische Kirche gewesen... aber in dem also genannten 30jährigen Kriege gänzlich zerstöret worden... besagte Gayslauterer Kirche wieder aufzubauen nötig wäre... weil dort auch ein herrschaftliches Eisenwerk und mit einigen der evangelischen Religion zugetanen Meistern und Arbeitern besetzt worden ist... In der Kirche zu Völklingen (weil sie die Römisch-Katholischen gemeinsam haben mit den Evangelisch-Lutherischen und demnach ein stetes Ein- und Ausgehen ist) findet sich nichts als ein schwarzes wollenes Altar- und Kanzeltuch, ein Pult auf dem Altar, ein Klingelsäckel nebst der Totenbahren... In dem Turm zu Völklingen hangen zwei Glocken von ziemlicher Größe, von der Gemeinde aus eigenen Mitteln beschafft... In beiden Örtern wie Völklingen und Cölln *=Köllerbach* waren Kirchhöfe, beide mit Mauern umgeben. In Gayslautern war jedoch die Kirche und der Kirchhof zerstört... zu Völklingen war eine Uhr... Bei der Renovation sind in beiden Kirchen neue Kirchenstühle aufgestellt worden." (07) .
Unter dem Verputz in der Mauer zwischen der Kirche und dem Turm, dem Boden der Emporbühne, gleich hinter der Orgel fand man im Jahre 1843 ein Stein mit einer Inschrift in lateinischen Buchstaben, die besagt, dass im Jahre 1716 die Kirche renoviert wurde. Dieser Stein befindet sich heute zusammen mit anderen Architekturteilen der alten Kirche im Keller der evangelischen Versöhnungskirche in der Moltkestrasse. Der Text dieser Gedenktafel lautet: "Unter der Regierung des hochgeborenen Grafen und Herren Carl Ludwig Grafen zu Nassau, Saarbrücken und Saarwerden, Herrn zu Lahr, Wiesbaden und Idstein ist auf Gutachten einer hochgräflichen Kanzlei und (der hochgeborenen) Räte, unter welchen der hochedle etc. Fridericus Schmidt die Verordnung getan hiesige Kirch renoviert worden. Die Aufsicht hierbei hatte Herr Christian Haldi, Schaffner zu St. Arnual und Joh. Sebastian Frantz, Brudermeister, Pfarrer Joh. Dan. Horstmann. Egnat alternum MDCCXVI" (17).

1717:
Datiert ein Wappengrabstein für Joh. Eckard von Kruckenberg der sich in der Kirche befand. Die Inschrift war wie folgt:
"Hier ruhet in Gott der hoch- und wohlgeborene Herr Joh. Eckard von Kruckenberg, ihro Königl. Maj. in Frankreich wohl meritierter Brigardier und Obristlieutenant des Königlich Teutschen Regiments zu Pferd, gebohren Anno Christi MDCXLIV den 5. Mart. (= 5. März 1644) und in seinem Heiland Jesu Christi seelig verstorben Anno MDCCXVII D XXVIII. May (= 28. Mai 1717), seiner Alters LXXII Jahr, 2 Monat XXIII Tag (= 73 Jahre alt) (02).
Anmerkung des Heimatforschers Rupp (1. Grabung) zu diesem Grabstein:
Ein Grab des Herrn von Kruckenberg wurde nicht gefunden: Es scheint der schöne Grabstein vom Friedhof zur Zierde der Kirche in die Mauer eingefügt worden zu sein (02).




1724:
Eintrag im Kirchenbuch: " Duca 1 p. Trinit. (d. 3 D. Junij) ist Johann friederich Horstmann, mein ältester Sohn, ein mewangeheter Studiosus, nachdem Er sich leiydter fast 3 gantze Jahr lang mit einem schwächlichen u. gebrechlichen Leib schleppen und tragen müssen, zu großem Leydtweßen seiner L. Eltern gestorben undt den darauf follgendten Dienstag als d. 5 D. Ejus?? bey ansehnlich-volckreicher Versammlung Christl. Gebrauch nach zur Erde bestattet worden, nachdem der in dieser Welt gelebet 20 Jahr, 9 Monath, 3 Tage."

1725:
Eintrag im Kirchenbuch: " D- 5 D- Aprilis Ist mein Söhnlein Ludwig Georg, Mir undt den übrigen Meinigen zu großem Leydtweßen begraben worden, nachdem Er in dieser Welt länger nicht gelebet als 5 Tage."

1734:
Pfarrer Horstmann, der auch die große evangelische Pfarrei Kölln *=Köllerbach* zu desservieren hatte, notierte in diesem Jahr: "Bericht von Pfarrsachen einesteils die Pfarrey Völklingen wozu gehöret Gayslautern, Wehrden, Fenne mit der Schweytzerei an der Fenn und der Hütte Clarental, andernteils die Pfarr Cöllen *=Köllerbach*, welche bis anhero als ein Filial von Völklingen ist bedienet worden......" (17).

Das Aussehen der Kirche um diese Zeit:





Der mittelalterliche Bau bestand aus dem westlich vorgelegten Turm. Die Kirchen des Mittelalters waren bekanntlich "orientiert", d.h. der Chor lag gegen Osten, in Richtung Jerusalem. Unser Turm war dreigeschossig, durch Schrägen abgesetzt.
"Nur das Obergeschoß hat gotisches Profil. Die Glockenstube hat spitzbogige Schallfenster, die auf rechteckigen, abgekanteten Pfeilern mit Volutenkämpfern gekoppelt sind. Diese Form des 13. Jahrhunderts ist nur noch im Ostfenster rein erhalten, während sie bei den übrigen später in vereinfachter Form erneuert wurde." (Zitatquelle: Zimmermann)
Über dem Turm erhob sich eine achtseitig geschieferte spitze Pyramide als Helm, an 2 Seiten mit 2 Giebeln ansetzend. Dem Turm folgte gegen Osten das Schiff, dessen Maße Rupp festgestellt hat. Das mittelalterliche Schiff war ein einfacher Saal, rechteckig, im Lichten 11,5 m lang und 9,5 m breit. Ihm schloss sich der gotische Chor an, rechteckig, im Lichten 5,6 m auf 5 m messend "mit Kreuzgewölben auf Diensten, die Rippen hatten ein Schienenprofil wie im Chor der Kirche in Kölln *=Köllerbach* und in St. Nikolaus im Warndt. Auf der Nordseite des Chors war eine zweijochige Sakristei angeschlossen" (1).
Zimmermann setzt die Entstehung dieser Teile in die Mitte des 15. Jahrhunderts.
Vorgänger dieses gotischen Kirchenbaues, evtl. aus fränkischer und karolingischer Zeit waren beim damaligen Stand der Ausgrabungen nicht zu erkennen. Rupp schreibt selbst: Der älteste Teil der Kirche von den freigelegten Fundamenten bis zum Turm ist noch nicht untersucht. Vielleicht, daß bei weiteren Ausgrabungen sich neue Aufschlüsse gewinnen lassen. Es steht ohne weiteres fest, daß die früheren Kirche in Völklingen an derselben Stelle gestanden haben."
Aus den genannten Plänen lässt sich auch die Innenausstattung der vor 1737 noch bestehenden Kirche erkennen.
Der Altar im Chor war - nach der Verfügung Borgerons de la Goupilliere - sicherlich der katholische Altar. Auch die Sakristei gehörte den Katholiken.
Am Eingang des Chores stand ein zweiter Altar, der protestantische. Auf der Evangelienseite trat eine Kanzel anscheinend nur vom Chor her erreichbar, in das Schiff hinaus, wohl die katholische Kanzel. Die evangelische Kanzel auf der Epistelseite war nur vom Schiff her zu besteigen. Dort stand auch der Pfarrstuhl. Für den evangelischen Pfarrer, den Cantor, den Meyer, die fürstlichen Beamten waren in der alten Kirche mit Gitter versehene Kirchenstühle vorhanden, die an dieser südlichen Ostwand den Blick in den alten, eingezogenen, schmalen Chor bisher nicht gestört hatten. Dies wurde in dem neuen Bau anders. Der katholische Pfarrer Gadel beschwerte sich, ließ die Stühle entfernen. Die fürstliche Regierung mischte sich ein. Das Consistorium berichtete am 28.7.1738 an "Serenissimus". Der Bericht hat den Vorzug, uns über die Innenausstattung und die damaligen kirchlichen Usancen wertvolle Angaben zu machen:
"Wie nun zuvor in der alten Kirche der Chor auf beiden Seiten des katholischen Altars mit Stühlen versehen gewesen, wovon eines sich derzeitige Pfarrer bediente, die übrigen aber der Meyer, Gericht und Censoren besaßen. Also sind dieselben auch in der neuen Kirche auf gleiche Art verfertigt, außer daß der Pfarrstuhl an der einen Seite besonders, etwas außer dem Chor herunter, gegen die Cantzel und dem evangelischen Altar übergesetzet, und sowohl um mehrer Bequemlichkeit willen zu seiner Meditation als auch zum Gebrauch anderer, etwa höher, herrschaftlicher Personen oder Bedienten, so zuweilen den Gottesdienst daselbst besuchen möchten, mit einem Gitter gezieret. Ingleichen andererseits unten an der Cantzel einen gleichförmigen Frauenstuhl zum Gebrauch der jedesmaligen Pfarrerin und etw. anderer Personen von Distinction zur Seite der Weiberstühle setzen lassen ..... Mit der ganzen Einrichtung der Kirche ist nicht die geringste Änderung vorgegangen; Cantzel und Altäre nebst Sakristey stehen an ihren gewöhnlichen Orten. Die beiden Gitterstühle quaestionis benehmen den Römischen weder Platz noch Gesicht. Vielmehr ist der Chor jetzt viel räumlicher als zuvor und zum prospect auf ihren Altar wegen des weggenommenen Bogens viel offener."
Wie der Rechtsstreit ausging, ob das Gitterwerk der evangelischen Kirchenstühle wirklich den Blick zum katholischen Chor störte, ist aus dem umfangreichen Schriftwechsel nicht zu ersehen. Querelen und Beschwerden dieser Art waren im Zeitalter vielfältiger Spannungen zwischen beiden Konfessionen, bei Benutzung eines Simultanraums, bedauerlich, aber häufig. Es erübrigt sich, solche Streitigkeiten, die meist von der Reizbarkeit einfacher Gemeindemitglieder ausgingen, allzu sehr hervorzuheben.
Über die sonstige Innenausstattung des katholischen Teiles der barocken Saalkirche von 1738 sind uns keine zeitgenössischen Quellen erhalten. Wohl aber lassen die Notizen im Lagerbuch der Pfarrei St. Eligius um 1820 Rückschlüsse zu (07). (siehe 1820 )

Neuzeitliche Umbauten:
Bei den Umbaumaßnahmen der Jahre 1736/37 wurde die Kirche komplett umgestaltet. Die Südostmauer wurde wieder um 1,80 m nach innen versetzt, der mittelalterliche Chor vollständig abgerissen und durch einen trapezförmigen Barockchor ersetzt. Der Boden wurde, vielleicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit, durch eine ca. 10 cm starke Lehmschicht abgedichtet und danach durch Auffüllung von Bauschutt um ca. 0,70 m aufgehöht. Darüber legte man einen neuen Fußbodenbelag aus Sandsteinplatten. Der Eingang zu der barocken Kirche befand sich, wie schon bei dem spätmittelalterlichen Vorgängerbau am südwestlichen Ende der südöstlichen Langhausmauer.




1737/38:
Das Schiff wurde wieder hergestellt wobei die Südwand weiter herausgerückt und der Chor durch einen neuen dreiseitigen Schluss nach Osten verlängert wurde (01).
Die Nordmauer wurde erhöht (03).
In den Jahren 1737/38 erfolgte dann der Um- bzw. Neubau der Simultan-Kirche in der Form, wie sie bis zum Jahre 1882 bestehen wird. Über dem alten Portal wurde der Beginn des Neubaus mit dem Jahre 1737 eingemauert.




In den St. Arnualer Stiftsrechnungen werden ff. Handwerker mit Namen angeführt: Der Maurer Nickel Kläger, Steinhauer Johannes Demuth aus Bübingen, Zimmermeister Paul Bucklisch von Saarbrücken, der Schreiner Andreas Meßner von Saarbrücken (Tür und Decke), der Schreiner Theobald Sithoer (Kanzel), die Schreiner Bastian Helbrecht und Johannes Kupfermüller von Völklingen (Kirchenstühle, Treppe, Sakristeitür), der Schlosser Bäuerlein von Saarbrücken, der Schmied Heinrich Wagner von Völklingen und Anna Maria Engelmann Witwe, der Nagelschmied Matthäus Bier von St. Johann, die Leiendecker Jakob Lautemann und Leonhard Klein in Saarbrücken und der Glaser Samuel Becker. Die Rechnung des Zimmermann Paulus Bucklisch besagt: "Es hat sich nemlich bey der längstens nöthig befunden reparation und Erweiterung der fölklinger Kirchen, alß man zu dem werk geschritten, ergeben, daß dieselbe eine Seiten Mauer außgenommen gäntzlich abgerissen und von grund auf neu erbaut werden müssen, dahero man mit communication und genehmhaltung des concedimators Herrn von Warsburg um mehrer Bequemlichkeit willen, ohne besondere Absetzung des Chors, welches sonsten viel schmaler als die navis (Schiff) gewesen, doch mit schicklicher, in ein Achteck zugehendten Form, nach neuerer Art dieselbe einrichten zu lassen, gut befunden." (07).

Demgemäß blieb also von dem mittelalterlichen Bau erhalten zunächst der Turm, dann nur noch die Nordmauer des Schiffes, die um 6 Schuh (etwa 2 Meter) erhöht wurde, die Südwand des Schiffes wurde ganz abgebrochen, nach Süden hinausgeschoben um etwa 2 1/2 Meter. Dann fiel auch der gotische Chor mit der nördlich vorhandenen Sakristei. Darüber wurde dann im Osten anschließend, den alten Chor umfassend, eine der damals üblichen Abschlüsse, in drei Seiten des Achteckes der vergrößerte "barocke" Chor neu errichtet (07).





1741:
" Den 22. April ist der wohlehrwordige und hochgelehrte Herr Johann, Daniel Horstmann, in die 43 Jahre gewesener traueifriger evang.-lutherischer Pfarrer der Gemeinde Völklingen und Kölln selig verstorben und den 24. ejusdem begraben worden, nachdem er gelebet 67 Jahr 4 Monate und 2 Tage. Bei seiner Beerdigung hat Herr Pfarrer Steinhauer aus Saarbrücken die Worte Daniel Kap. 12 in der von ihm gehaltenen Leichenpredigt erklärt." (16).
Neuer ev. Pfarrer wurde Ludwig Karl Schmidt, geb. 1716 in Ottweiler.
Erste Ehefrau: Anna Luise Wittich, gest. 1773. Zweite Ehefrau: Katharina Dorothea Handel (12).

1743:
Neuer ev. Pfarrer wurde Johann Kaspar Steccius, geb. 1713 in Cleinich.
Ehefrau Maria Johannetta Dern (12).

1745:
Bei der Kirchenvisitation der evangelischen Gemeinde, berichtet Pfarrer Strecks über die Abhaltung des Gottesdienstes folgendes: "An Sonn- und Feiertagen, in welchen die Evangelischen den Frühgottesdienst haben, wird gepredigt und nachmittags Betstunde und Katechismuslehre gehalten, ist aber Spätkirche, so wird nur gepredigt. An Wochentagen, bei welchen kein Feiertag eintritt, wird Dienstags und Freitags morgens Betstunde gehalten." (17).

1748:
Der Leutnant K.K. von Brind aus dem Nassauischen Infanterie - Regiment zu Saarlouis wurde in der Völklinger Kirche beigesetzt. Bei archäologischen Grabungen in den (19)20er Jahren wurde dieses Grab von Karl Rupp freigelegt. Der Tote trug noch die Perücke, der Oberkörper war in dunkelblaues Tuch gekleidet, von dem nur Reste übrig waren. Auch die Reste seiner Schnallenschuhe, die Silberfransen seiner Feldbinde und recht hübsche Uniformknöpfe (Silber - Filigranarbeit) fanden sich vor (17).

1752:
Neuer ev. Pfarrer wurde Christian Konrad Seidel, geb. 1700 in Idstein (Taunus).
Erste Ehefrau: Maria Marg. Mauer, Zweite Ehefrau: Maria Elisabeth Schmidt (12).
Er war ab 1723 Pfarrer in Karlsbrunn, ab 1741 in Kölln *Köllerbach*, wurde 1752 nach Völklingen versetzt.

1756:
Umfangreicher Bericht des Amtmanns Christian Lex:
,,Das Dorf (=Völklingen) ist der alleinigen Nassau-Saarbrückischen Landesherrschaft unterworfen und die Untertanen sind leibeigen. Es stehen dermalen ohne die Kirche 74 Häuser allhier, wovon drei nicht bewohnt sind; 19 Häuser sind mit Ziegeln, die übrigen aber mit Stroh gedeckt; wie denn auch zwanzig Schornsteine mit Steinen, die übrigen aber von Holz erbauet sind. Es wohnen allhier 65 frondbare Gemeinsmänner und vier dergleichen Witwen, welche die ganzen Fronden praestieren; es ist aber nur ein konsumierender Hintersasse da, welcher Schirmgeld bezahlt, und keine dergleichen Wittib daselbst. Sechs Personen sind frei von Fronden, nämlich der Herr Pfarrer, der lutherische Schulmeister, der Jäger, der Büttel und die zwei Hirten. (Natürlich war der herrschaftliche Meier des Völklinger Hofes ebenfalls frei von Fronleistungen.)
Dieser Dorfbann grenzt gegen Morgen (= Osten) an das französische Crichingen-Püttlingen, gegen Abend an den Wadgasser-Bouser Wald, gegen Mittag an die Saar und gegen Mitternacht ebenfalls an Bous. Mit diesen Nachbarn ist kein Grenzstreit, sondern der ganze Bann ist teils ausgesteinet, teils mit der Saar und Framersbach umgeben.
Zu der Meierei Völklingen gehören die Dörfer Fenne, Geislautern, Wehrden und Knausholz; der zeitige Meier heißt Sebastian Frantz und die hiesigen Gerichtsleute sind Hans Konrad Wagner, Andreas Klicker und Hans Veiten Kunckel.
Man findet hier zwei Feuerleitern und zwei Feuerhaken, welche an dem Schulhaus unter dem Dach hängen. Es sind drei gemeine Springbrunnen mit Trögen zur Tränkung des Viehes nebst vielen Privatbrunnen hierselbst; anstatt der gemeinen Schwemme aber dient die nahe vorbeifließende Köllerbach. Auf dem hiesigen Banne lieget weder eine Mühle noch ein Hof; doch sind die Untertanen in die Mühle zu Wehrden gebannet.
Es steht zwar viel Waldung auf hiesigem Banne, es ist aber nichts davon herrschaftlich, sondern gehöret der Gemeinde. Es ist auch kein Weiher allhier, Frischwasser aber sind die Saar, die Köllerbach und die Framersbach zur Hälfte. Die gnädigste Herrschaft hat alle Jagd und Fischerei, doch ist denen Unterthanen bishero erlaubt, mit Handangeln und Hebegarnen auf der Saar zu fischen. Es wird hierselbst ein Zoll von gnädigster Herrschaft and ein Weggeld für die Gemeinde erhoben; hingegen zahlt die Gemeinde jährlich an gnädigste Herrschaft wegen des ehemaligen Bannbackofens und Weggeldes 5 Gulden und l Batzen. Schließlich wird eine geschriebene Dorfordnung in des Meiers Haus in der gemeinen Kiste aufbehalten und jährlich vorgelesen."(09).

Bezüglich der konfessionellen Verhältnisse berichtet uns Lex dann folgendes:
"Es befinden sich allhier 19 katholische Gemeindsmänner und 2 reformierte Weiber; die übrigen Einwohner sind alle der lutherischen Religion zugetan. Der lutherische allhier wohnende Pfarrer heißt Seidel, der katholische aus dem Wadgasser Kloster jedesmal hierher kommende Pastor heißet Koch, und der reformierte zu Ludweiler wohnende Pfarrer heißt Faesch.
In dem hiesigen Dorfe stehet eine Kirche und ein lutherisches Schulhaus, und sind die Lutheraner und Katholiken von Fenne, Geislautern und Wehrden wie auch zum Teil von Klarenthal hier eingepfarret, dahingegen die hiesigen Reformierten nach Ludweiler eingepfarret sind. In der hiesigen Kirche ist das Simultaneum zwischen den Lutheranern und Katholiken hergebracht (bekanntlich seit 1684) und alterniert (= wechselt ab) die Praecedenz mit dem Frühgottesdienst alle Sonntage.
Die Glocken, den Turm und die Kirchhofsmauer stellet und erhält der Völklinger Hof, nämlich das Dorf Völklingen, Fenne, Geislautern und Wehrden. Knausholz gehört zwar auch zum Völklinger Hof, es kontribuiret aber nichts zu denen Kirchen- und Schulsachen, wie dann alleine die hiesige lutherische Pfarrgemeinde das hiesige Schulhaus baut und erhält. Der katholische Schulmeister wohnt zwar als Gemeinsmann allhier, hält aber seine Schule in seinem Hause, teils jenseits der Saar zu Wehrden. Das Schiff der hiesigen Kirche wird zur einen Hälfte von dem Herrn von Warsberg (Lothringen) erbauet und erhalten, zur anderen Hälfte von der Herrschaft, gleichwohlen aber ziehet von dem großen Zehnten (Kornzehnten) hiesigen Bannes die gnädigste Herrschaft ein Drittel, das Stift St. Arnual ein Drittel und der Herr von Warsberg ein Drittel. Dahingegen vom kleinen Zehnten, welcher in Gewirk, Rapssamen, Immen, Ferkeln, Gänsen und Lämmern bestehet, der lutherische Pfarrer ein Drittel und die gnädigste Herrschaft zwei Drittel ziehet, als nach welcher Proportion auch der Herdbär von denen Percipienten (Zehnten-Teilnehmern) gehalten wird. Den lutherischen und reformierten Pfarrer setzet und salariert (= besoldet) gnädigste Herrschaft und resp. das Stift (= St. Arnual). Die katholische Kirche aber wird aus dem Kloster Wadgassen bedienet und der Pastor vermutlich von dem König von Frankreich besoldet."(09).

Zum Schluss seines Berichtes über das Dorf Völklingen kommt Lex auf die speziellen Verhältnisse der Bewohner zu sprechen, indem er schreibt:
Die Hauptnahrung derer Einwohner ist zwar der Ackerbau; doch ist solcher nicht hinreichend, sondern es muß der Mangel durch Fuhr- und andere Handwerksarbeit supplirt (= ergänzt) werden. Die gemeinen Einkünfte bestehen in denen forstmäßigen Revenüen (= Einnahmen) ihres Waldes, wie auch etwas gemeinem Ackerland, welches versteigt wird; desgleichen gibt ein einheimischer neuer Gemeinsmann und seine Frau pro receptione (= Aufnahme in das Dorf) 15 albus, ein halb einheimisches Ehepaar l Gulden und l albus. Die hiesige Passiv-Koppelweide bestehet darinnen, daß der herrschaftliche Schäfer von Mohlstatt bis an die Köllerbach jähren (= weiden) darf. Die Volklinger haben keine Aktiv-Koppelweide außer der Mästung (= der Schweine) im Warnet (= Warndtwald), wogegen sie den Demet an die gnädigste Herrschaft zahlen.
Von den hiesigen Einwohnern sind fünf wohlhabend, achtzehn bei mittelmäßigem Vermögen und alle übrigen stehen schlecht in der Nahrung. Schließlich hat der gesamte Völklinger Hof eine Fahrt (= Fähre) bei Wehrden, allwo Wagen und Pferde sowohl als Fußgänger in Pontons und Nachen über die Saar transportiert werden. Das Fahrgeld aber gehet meistens zur Unterhaltung des Färgers (= Fährmann) und vor andere Unkosten wieder drauf, so daß wenig oder gar keine Revenüs davon übrig bleiben." (09).

1765:
Pfarrer Seidel bekam einen Schlaganfall: Er hat seinem Amt treufleissig vorgestanden bis auf den letzten Sonntag nach Trinitatis 1765. Da er sich auf die Dankpredigt geschickt wegen des Erntefestes, zum öffentlichen Gottesdienst geeilet, nach den Gesängen in der Kirche vor dem Altar Beichte und Absolution und Epistel vorgelesen, nach dem Kathedral-Lied zur Kanzel gegangen und wieder mit leiser Stimme das Anfangsgebet verrichtet, den Text Psalm 104 v. 24 verlesen, ist er vom Schlagfluss berührt worden, welchen er sich wegen vieljährigen Katharrhen und verspürten halbjährigem Schwindel vor dem Lebensende öfter präfigiieret. Es hat sich der Selige als ein gerüster Mann auf der Kanzel stärken wollen, einigemals zu reden wieder angefangen, endlich aber hinsinkend geworden. Darauf nahm herzu geeilet, von der Kanzel genommen und nach Hause getragen, nachdem er den Zuruf in die Kirche getan: Wir haben einen Gott, der da hilft, und einen Herrn, der vom Tode errettet... Er starb am 24. November 1765 (16).

1765:
Neuer ev. Pfarrer wurde Karl Johann Reinhard Rolle, geb. 1739
Ehefrau: Caroline Sophie Rumpel (12).

Hier ein Bericht des Superintendenten Rolle. Es malt zwar mehr die Schattenseiten des Alltags, und es wird wohl auch bei den katholischen Gemeindemitgliedern nicht viel anders gewesen sein. Als Sünden, die bei alt und jung "in Schwang gehen" werden aufgeführt:
1) das entsetzliche Fluchen, dabei auch wohl der aller-heiligste Name Gottes Jesu Marter und Tot und die hl. Sacramente auf das Gräßlichste mißbraucht werden.
2) Die frecheste Verachtung des öffentlichen Gottesdienstes oder schnöde Sabbatschändung, da man nicht allein ohne Scheu werktätige Arbeit verrichtet, sondern auch in den Wirtshäusern wüst lebt.
3) Das schändliche Zanken und dadurch allerhand Unversöhnlichkeit und Rachgier, da nicht allein einige Häuser wie Drachenwohnungen aussehen, wie Mann und Weib, Eltern und Kinder miteinander umgehen, sondern auch die Geschwister untereinander, ein Nachbar mit dem ändern sich liederlich betragen.
4) die offenbare Vollsäufung, dabei auch wohl einige ganze Nächte in Wirtshäusern sitzen bleiben.
5) Die schändliche Hurerey und allerhand verdächtiger Umgang beiderlei Geschlechts.
6) Das liederliche Spielen, da außer Alt-Handwerksburschen und andere Burschen sich zusammensetzen und solches liederliche Wesen auch wohl an Sonntagen treiben.
7) Die Verachtung des hl. Abendmahles, da nicht nur einige garnicht hingehen, andere aber bei ihren offenbaren Sünden als Fluchen, Trunkenheit, Hurerey und Unversöhnlichkeit kommen und sich auf keine Weise wollen zurecht weisen lassen.
8) Der Mutwille der jungen Leute beiderlei Geschlechts, auch sonderlich der Buben auf den Gassen und in der Kirche, sich frech bezeigen, auch keine Bestrafung der Kirchenzensoren achten, sondern sich mit Schimpfen und Lästern widersetzen (04).

Ein Conrad Wagner Pfarrvikar von Völklingen unter Rolle. Später war er Pfarrer in Saarbrücken und starb dort 1813 (16).


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