Völklinger Hütte • Chronik • 1911 - 1940
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1912:
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Am 1. Januar 1912 wurde mit der Herstellung von Thomasmehl (Düngemittel) mit 10 Kugelmaschinen begonnen. Errichtung einer Mehlabfüllanlage für Thomasmehl
in Jutesäcke.
Das Kalkwerk der Firma Fischer &Co (1901 in Überherrn gegründet mit einem Kalkringofen von 10 Tonnen Tagesleistung) wird von der Fa. Röchling
übernommen.
Errichtung der Hostenbacher Schlackenhalden - Wahrzeichen von Wehrden.
Eigene Fabriken zur Gewinnung von Nebenprodukten, Ammoniak, Benzol, Teerprodukten wurden erweitert.
Modernisierung der schweren Walzenstraßen 5 und 6 und der Feinstraßen.
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Die Halden in Hostenbach (Quelle: Saarstahl AG)
Blick auf die beiden Schlackenhalden die inzwischen im Volksmund die Namen "Hermann" und "Dorothea" erhalten haben
. Im Vordergrund
das 2002 abgerissene "Kraftwerk Wehrden". Links Wehrden.
(Foto: Andreas Hell 2001)
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1913:
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Die Gemeinde Wehrden wurde von der GBG-Berlin mit Leuchtgas von der Hütte versorgt.
Ankauf der Steinfabrik in Völklingen zur Herstellung von Schlackensteine aus granulierter Hochofenschlacke
Das Kraftwerk Wehrden wurde als Dampfkraftwerk 3 der Hütte erbaut.
Es wurden 275000t Koks, 331000t Roheisen und 324000t Walzfertigprodukte erzeugt.
Die Hütte hatte 5066 Mitarbeiter, davon 365 Angestellte und 115 Meister.
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1914:
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1. Weltkrieg brach aus.
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(Quelle: Saarstahl AG)
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1915:
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Bau eines Siemens-Martin-Stahlwerkes (zur Herstellung von Kriegsgütern: Geschosse fast aller Kaliber, Draht für Stacheldrahtfabrik,
Infanterieschutzschilde, Feldbahnschinen etc.) und des Press- und Hammerwerkes.
Die Brüder Karl, Louis und Hermann Röchling stifteten einen Fond für die Ausbildung von Kriegsteilnehmern und für die Unterstützung von
Hinterbliebenen.
Die Hütte beschäftigte 468 russiche Kriegsgefangene.
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1916:
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Am 21.1. wurde Hochofen 6 angeblasen.
Fertigung von Stahlhelmen aus Röchling-Edelstahl zum Schutz der Frontsoldaten.
Ca. 90% des Bedarfs wurden im Völklinger Werk hergestellt.
Frauen ersetzten Männer als Arbeitskräfte.
Auch an den Hochöfen arbeiteten Mädchen, von denen zwei einen Mann ersetzten.
Die Begichtung des Hochofens III erfolgte später nur durch Mädchen.
Die Hütte beschäftigte 664 russische Kriegsgefangene
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Hochofenanlage 1916 (Quelle: Saarstahl AG)
Frauen verladen Masseleisen in der Graugußgießerei der Völklinger Hütte (um 1915). (Quelle: Saarstahl AG)
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1917:
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Inbetriebnahme einer Hydraulischen Presse mit 350 t Pressdruck.
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1918:
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Hermann Röchling wurde aufgrund seiner Verdienste zum königlich-preußischen Kommerzienrat ernannt. Er nahm als Rittmeister
der 7. Dragoner an den Kämpfen 1918 im Westen teil.
Von den 6300 Arbeitern im Jahr
1918 waren 1700 Frauen und Mädchen.
Von der Belegschaft der Völklinger Hütte waren insg. 461 Menschen im 1. Krieg gefallen.
Das waren 9,2 Prozent der 5000 Beschäftigten von 1914.
Der Wasserturm wurde erbaut, und war gleichzeitig der erste Betonständerbau Europas.
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Hochofenanlage 1918 (Quelle: Saarstahl AG)
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1919:
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Hermann Röchling nahm an den Waffenstillstandsverhandlungen als Sachverständiger für Industrielle und Saar-Fragen teil.
Hermann - in Abwesenheit - und Robert Röchling wurden von einem französischen Kriegsgericht wegen angeblichen Diebstahls,
raub und absichtlicher
Zerstörung französischer Fabriken zu 10 Jahren schweren Kerkers und zu 15 Jahren Landesverweisung verurteilt.
Robert Röchling wurde 1925
aus dem Gefängnis entlassen.
Am 1. September 1919 wurde zum erten Mal ein "Abkommen über die Arbeits- und Lohnverhältnisse der Arbeiter" zw. den Hütten-Arbeitern und
der Werksleitung vereinbart. Darin geregelt waren der 8 Std. Tag, höhere Löhne und zum ersten mal Urlaub.
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1920:
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Gründung der Stahlwerke Röchling Buderus in Wetzlar.
Bau der Federnfabrik und der Drahtstraße.
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Der Elektroofen 1920. Heliogravüre von Otto Bollhagen. (Quelle: Saarstahl AG)
Die Schlackensandverladung an der Saar und Seilbahn Zur Backsteinfabrik Trockle um 1920. (Quelle: Saarstahl AG)
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1921:
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Verkaufsgesellschaft "Societé Anonyme francaise des Forges et Acieries de la Sarre" wurde in Paris ins Leben gerufen.
Am 3. Sept. bis 3. Oktober kam es zu einem Generalstreik, da die Leitung den Lohn um 15% senken wollte.
Die Unternehmensleitung sperrte fast 5000 der insgesamt 5800 Beschäftigten aus.
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Direktionsgebäude, erbaut 1922/23. (Quelle: Saarstahl AG)
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1924:
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Stillegung der Hütte während 50 Tagen. Grund: Französische Stellen erhöhten Erzpreis auf das Doppelte und den Kokspreis
beträchtlich.
Die Arbeiter der Hütte streikten um sich einer Lohnkürzung von 25% zu widersetzen. Im Verlauf dieses Streikes, der vom 15. Sept. bis 4. Oktober
währte, sperrte die Werksleitung erneut 7000 Arbeiter und Angestellte aus.
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1925:
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Bau der Sinteranlage nach dem amerikanischen Dweight-Lloyd-Verfahren.
Einführung der physikalischen Möllerung
Der Verein Deutscher Eisenhüttenleute verlieh Hermann Röchling die Carl Lueg Gedenkmedaille für seine Leistungen auf dem Gebiet der Metallurgie
des Eisens.
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1927:
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Inbetriebnahme einer Zementfabrik am 8.7.1927 zur Verarbeitung der Hochofenschlacke.
In dieser Zeit beteiligte sich die Familie Röchling auch an der Erbauung der evangelischen
Versöhnungskirche die in der Poststraße steht. In dem Fresko in der Kuppel der Kirche ist sogar die Familie Röchling zu sehen.
Das Leben in Völklingen wurde durch die Familie Röchling geprägt. Als größter Arbeitgeber hatte Hermann Röchling nicht
nur Macht über die Hütte. Er war ein sehr wichtiger Mann mit großer Macht in Völklingen.
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(Quelle: Saarstahl AG)
Zementfabrik, erbaut 1927.
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1928:
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Am 16.01.1928 ereignete sich in Völklingen das schwerste Hütten-Unglück der Geschichte des heutigen Weltkulturerbes,
13 Menschen starben.
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1929:
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Herstellung der ersten Pflastersteine von 10qcm aus flüssiger Hochofenschlacke.
Bau der ersten Groß-Sinteranlage Deutschlands in Völklingen:
Unabhängigkeit von den lothringischen Erzvorkommen.
Ausbau des Edelstahlwerkes, der Federnfabrik und des Hammerwerkes.
Die Edelstahl-Verfeinerungsbetriebe Zieherei und Kaltwalzwerk wurden in Betrieb genommen.
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Das Werk 1929. (Quelle: Saarstahl AG)
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1930:
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Die Zieherei wurde Ende des Jahres in Betrieb genommen.
Ein Kaltwalzwerk mit 3 Walzgerüsten wurde erbaut und 1931 in Betrieb geommen.
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1933; Gemälde von Grete Waldau (Quelle: Saarstahl AG)
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1934:
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Hermann Röchling wurde vom VKI mit der Grashof-Gedenkmünze geehrt.
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1935:
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Am 1. März 1935 mit der Rückgliederung wurden Parteien und Gewerkschaften verboten. Nun gab es einen sogenannten "Vertrauensrat",
dem Betriebsführer Hans-Lothar Freiherr von Gemmingen (Hermann Röchlings Schwiegersohn) vorstand.
Übertragung des gesamten Vermögens der Röchling'schen Eisen-und Stahlwerke AG und Edelstahlwerk Röchling AG ohne Liquidation auf die
Röchling'schen Eisen - und Stahlwerke GmbH zum 31. Dezember 1935. Damit war der Vorkriegszustand wieder hergestellt.
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1. Ausgabe der Werkszeitung "Der Völklinger Hüttenmann". (Quelle: Saarstahl AG)
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1938:
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Ein 25-Tonnen Elektro-Ofen wurde in Betrieb genommen.
Eine Gasol-Anlage zur Herstellung von Treibstoff wurde gebaut.
Das Kalkwerk in Auersmacher wurde in Betrieb genommen. Im Hammerwerk wurden drei neue Hämmer aufgestellt.
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1939:
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Insgesamt wurde das Werk zwischen 1935 und 1939 ausgebaut und technisch modernisiert. Dazu gehörte die Erweiterung des Roheisenmischers auf 1000 Tonnen
der fünf Konverter auf 21 beziehungweise 25 Tonnen und der drei Martinöfen auf 60 Tonnen.
Alle Siedlerhäuser des ersten Bauabschnittes waren jetzt fertiggestellt und bezogen.
Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September mit dem Einfall der Wehrmacht in Polen. Völklingen wurde am 3. September evakuiert
und die Hütte zunächst stillgelegt.
Kriegswichtige Mitarbeiter werden nach Wetzlar, zu den Röchling-Buderus-Werken und nach Salzgitter zu den "Herman Göring Werken" evakuiert.
32 Betriebschefs, Ingenieure, Techniker und einige Meister blieben im Völklinger Werk zurück. Dazu ghöerten fünf Chaufeure, drei Leute der
Schlafhaus-Verwaltung und einige Krankenschwestern.
Ab Mitte September 1939 konnten nach Rückkehr einiger Mitarbeiter nach und
nach einzelne Abteilungen wieder in Betrieb genommen werden. Am 8. bis 14. Dezember wurden die Hochöfen 1 und 2 wieder
angeblasen.
Die Hütte beschäftigte 10991 Mitarbeiter.
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Das durch Kriegseinwirkungen beschädigte Kaltwalzwerk. (Quelle: Saarstahl AG)
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1940:
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Im Januar wurden die Hüttenleute aus der Evakuierung zurückbeordert.
März: das Thomasstahlwerk und einige Walzenstraßen wurden wieder in Betrieb genommen. Im August trafen die ersten Familien
wieder in Völklingen ein. Ab ca. Juli produzierte die Hütte wieder "normal".
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